Blick zurück und nach vorn

„Puckeliges Jubiläum“: Plattdeutsche Runde feiert 40. Geburtstag

Walter Wolf referierte darüber, welche Zukunft die Plattdeutsche Sprache haben kann.

Drolshagen - Eigentlich war es ein „puckeliges Jubiläum“, wie es einer der Gäste formulierte. Vierzig Jahre sind eben kein halbes Jahrhundert, aber dennoch Anlass genug für die Plattdeutsche Runde Drolshagen, auf die über die Jahrzehnte hinweg aktive Arbeit zurückzuschauen, sich und die Pflege des Dräulzer Platt zu feiern und einen Blick nach vorne zu werfen.

Die Plattdeutsche Runde war ursprünglich eine Arbeitsgemeinschaft der VHS Olpe, die auch 1989 das zehnjährige Jubiläum mit einer großen Festveranstaltung im damaligen Vereinshaus unter Beteiligung aller Größen der Plattdeutschen Sprache im Kreis Olpe beging. Nach Gründung des Heimatvereins und der Errichtung des Heimathauses wurde die Plattdeutsche Runde einer seiner Arbeitskreise. Seit dieser Zeit trifft sich die Runde jeden ersten Donnerstag im Monat „ümme Platt te spriaken“. 

Der Festakt begann mit einer eigens für diesen Anlass geschriebenen Plattdeutschen Andacht in der St.-Clemens-Kirche. Die etwa 50 Teilnehmer sangen und beteten im Dräulzer Platt, bevor sie sich auf den Weg in nahe gelegene Heimathaus machten. Gertrud Schneider, die derzeitige Leiterin der Plattdeutschen Runde, begrüßte die über 50 Gäste, die sich zur Feier im Vortragssaal des Heimathauses zusammengefunden hatten, allen voran die aktiven und ehemaligen Mitglieder der Runde. Selbst mit dem Rollstuhl waren einige der ersten Teilnehmer von vor 40 Jahren gekommen. 

Den Reigen der Grußworte eröffnete Stephan Schlösser als Vorsitzender des Heimatvereins für das Drolshagener Land mit einer Darstellung der Situation des Plattdeutschen und der Zusicherung, dass die Plattdeutsche Runde auch in Zukunft wichtiger und willkommener Teil der Arbeit des Heimatvereins bleibt. Als ein Geschenk an die Runde rezitierte er ein plattdeutsches Gedicht, das ihm seine Tante mit 100 Jahren vorgesagt und das Heinz Stachelscheid per WhatsApp ergänzt hatte. 

Zukunft hat der Plattdeutschen Sprache im Fokus

Albert Stahl wies auf die Zusammenarbeit mit dem Sauerländer Mundart-Archiv hin und überreichte der Plattdeutsche Runde eigene Bücher und Texte zur Weiterverwendung. Roswitha Kirsch-Stracke zeigte sich begeistert von der Arbeit des Heimatvereins Drolshagen, insbesondere der Plattdeutschen Runde Drolshagen. Erstaunt über die große Zahl der Gäste an diesem Nachmittag zeigte sie sich zerknirscht, dass sie nur eine Flasche heimischen Kräuterlikör als Geburtstagsgeschenk an die Vorsitzende überreichte. „Wenn ich gewusst hätte, dass so viele Menschen heute hier sind und feiern, hätte ich eine ganze Kiste mitgebracht“. 

Welche Zukunft hat die Plattdeutsche Sprache, fragte anschließend Walter Wolf vom Vorstand des Heimatvereins und langjähriges Mitglied der Plattdeutschen Runde Drolshagen. Er begann mit einem Überblick über deren Geschichte und ihre jeweils unterschiedlichen Ausrichtungen. In den 70er Jahren waren es eher Unterrichtseinheiten, die sich am traditionellen Sprachenlernen orientierten und das Erlernen von Vokabeln und grammatikalischen Besonderheiten als Grundlage für das Sprechen des Dräulzer Platt vorsahen. Diese Runden waren von Felix Stahlhacke in Kooperation mit der VHS Olpe, namentlich Klaus Droste, initiiert und wurden von dem aus Drolshagen stammenden Theo Schürholz geleitet. Nachdem diese Form für viele zu akademisch war, entstand unter dem Vorsitz von Maria Hütte zunächst ein Plattdeutscher Stammtisch, der in die Plattdeutsche Runde überführt wurde. Mit der Erkrankung und dem Tod von Maria Hütte übernahm Albert Stahl die Plattdeutsche Runde. 

„Irgendwann auf dem Erntefest“ wurde, nachdem der Besuch vor allem aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Teilnehmer zurückging, eine Wiedergeburt der Plattdeutschen Runde beschlossen, die auch jüngere Menschen gewinnen sollte. Hier sind die Namen von Heinz Stachelscheid und Jutta Nebeling, später auch die der jetzigen Leiterin Gertrud Schneider zu nennen. 

Rückführung als Alltagssprache „illusorisch“

Wie es nun mit der Plattdeutschen Runde weitergehen kann, erläuterte der Referent zunächst mit einem Blick auf die Eigenheiten der Plattdeutschen Sprache, die eher sichtbare Prozesse als technische Funktionen beschreibt. Der Begriff des „Bildwerfers“ lässt sich in Platt beschreiben oder umschreiben, das Wort „Diaprojektor“, das eine technische Funktion definiert, nicht. Um wie viel schwieriger sei es dann, einen Beamer zu beschreiben, aber sicherlich nicht unmöglich. Nur müsse es etwas anders sein, als die Übernahme eines Begriffs, der Plattdeutsch intoniert wird. Daran müsse auch heute sich Plattdeutsch orientieren. 

Der Referent verwies auch auf den Rückgang des Plattdeutschen, das als Alltagssprache nahezu verschwunden ist. Plattdeutsch, und damit auch das Dräulzer Platt sei jedoch ein Kulturgut, das gepflegt werden könne und solle. Er machte dies am Beispiel der Sense deutlich: niemand werde mehr den Rasen ums Haus mit einer Sense mähen, aber die Kulturtechnik des Mähens und Dengelns sowie der mit dem Körper vollzogene Schwung beim Mähen könne gelernt werden, auch wenn man sie nicht mehr im Alltag nutzt. So solle auch das Kulturgut des Plattdeutschen bewahrt, gelernt und weitergegeben werden. Eine Rückführung als Alltagssprache sei „illusorisch“.

Hierin liege auch die Chance der Plattdeutschen Runde. Über das Lesen von Texten der vielen Schreiber in Drolshagen hinaus wird es um das Sprechen gehen, denn es heißt Plattdeutsche Sprache, nicht Plattdeutsche Lese oder Schreibe. Mit dem Lied „Weg mit der Verdraitlichkeit“ nach dem Text von Maria Hütte wurden auch die bisherigen Zuhörer aktiv. 

Den Schlusspunkt setzte Gaby Neuhaus mit dem Text von Heinz Berg „Der Dräulzer im Himmel“ von Anfang der 80er Jahre. Er ist mittlerweile ein Klassiker geworden, der Dräulzer Schlitzohrigkeit und Humor widerspiegelt. Gleichzeitig war dies eine Reminizenz an einen Schreiber in Drolshagener Mundart. 

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