Zehn Jahre Seelsorger im Pastoralverbund Bigge-Lenne-Fretter-Tal

Abschied vom beliebten Pastor: Jochen Andreas wechselt nach Brilon

Pastor Jochen Andreas Abschied Pfarrhaus Pastoralverbund
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Kaffee und Kuchen beim Pastor Jochen Andreas: Das Pfarrhaus in Heggen stand Besuchern stets offen

Am Sonntag, 20. Juni, heißt es Abschied nehmen: Pastor Jochen Andreas wird um 15 Uhr zum letzten Mal in der St. Antonius Pfarrkirche Heggen als Zelebrant am Altar stehen. Der 58-jährige Geistliche, der dem Sauerland seine Vorliebe für bayerische Lebensweise durch seine ganz persönliche „Leichtigkeit des Seins“ näher brachte, wechselt in den Pastoralverbund Brilon.

Heggen - Obwohl der 1991 in Paderborn geweihte Priester Jochen Andreas in Meschede geboren wurde, betritt er dort echtes Neuland. „Obwohl ich ja näher an meine Heimat ziehe, ist Brilon für mich eine fremde Welt.“ Die zehn Jahre als Seelsorger im Pastoralverbund Bigge-Lenne-Fretter-Tal haben Jochen Andreas zum Aushängeschild für eine offene, freie und lebendige Kirche gemacht. 

„Ich bin dem lieben Gott sehr dankbar, dass ich im Wohnort Heggen und im Pastoralverbund an Bigge, Lenne und Fretter viel Gutes und Schönes erleben durfte. Ich weiß, dass viele traurig sind. Manche sind vielleicht auch von mir enttäuscht. Darum habe ich mir die Sache nicht leicht gemacht und der Abschied fällt mir entsprechend schwer.“

Der Abschied aus der vertrauten Umgebung reifte auf zwei Tatsachen. Da ist zum einem der neue Stellenplan des Erzbistum Paderborn, der ab 2024 umgesetzt wird. „Für unsern pastoralen Raum bedeutet das, dass nur noch zwei Priester für den aktiven Dienst vorgesehen sind. Da macht man sich ja unweigerlich Gedanken um die eigene Zukunft, in der sich leider nicht immer das verwirklichen lässt, was man sich so wünscht.“ 

Zum anderen ist da die persönliche Herausforderung, etwas Neues zu wagen. „Der Wechsel einer Stelle ist nicht ohne und verlang einem schon was ab, aber jetzt traue ich es mir eher zu als in drei Jahren.“ Der beliebe Gottesmann, dem man anmerkt, das er seine sonntäglichen Worte auch alltags in die Tat umsetzt, hält es mit einem Vergleich aus einem Zitat von Rainer Maria Rilke. „Darin wird das Leben mit den wachsenden Ringen der Baumstämme verglichen. Das passt zu meinem Leben. Jede meiner Stellen in Bielefeld, Wanne-Eickel, Dortmund und Heggen ist wie ein Ring, der mir im Baumstamm meines Lebens neu gewachsen ist. Der Ring, der sich in den vergangenen zehn Jahren hier neu gebildet hat, ist von allen der Schönste.“

Und was wünscht sich der scheidende Pastor von „seiner“ Kirche, die stürmische Zeiten erlebt? „Die Kirche muss wieder den Zugang zu den Menschen finden. Derzeit stößt die Kirche viele Gläubige vor dem Kopf und ist irgendwie gefangen im eigenen System. Das tut mir sehr leid. Kirche muss offen, frei und lebendig sein.“ Wie Pastor Jochen Andreas.

Der freut sich übrigens, dass auch nach seinem Weggang ein „neuer“ Pastor in das Pfarrhaus nach Heggen einziehen wird: Pater Shijo Varghese Kottekaly (40), der bisher in der Wallfahrtsstadt Werl wirkte, wechselt an Bigge, Lenne und Fretter. Wenn man dort im Pfarrbrief die Worte von Propst Michael Feldmann (ein gebürtiger Finnentroper) zum Abschied von Vikar Shijo liest, führt die Spur irgendwie auch zu Pastor Jochen Andreas: „Wir haben ihm zu danken, mit seiner liebenswürdigen und menschenfreundlichen Art sowie seinem gewinnenden Lächeln.“

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