Ärger mit der Telekom: Ein Drama in drei Akten

Das Telefon bleibt stumm, Handys helfen aus: Stephanie und Stefan Tritschler haben den Kampf gegen die Kommunikationsgeister aufgegeben. Foto: Friedhelm Tomba

Familie Tritschler aus Finnentrop ist telefonisch nicht erreichbar

Finnentrop. (toby)

Das, was sich hinter der Tür der Familie Tritschler aus Finnentrop abspielt, könnte durchaus eine Neuauflage von Goethes "Zauberlehrling" sein. "Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht mehr los" — restauriert und mit aktuellen Geistern wiederbelebt. Erster Akt, erste Szene: Stefan und Stephanie Tritschler ziehen 2003 von Lenhausen ins Frettertal. Damit verlässt das Paar telefonisch den Vorwahlbereich 02395 und siedelt im Gebiet 02724 an. Erster Akt, zweite Szene: Die zugeteilte Rufnummer 02724/2889911 reicht Stefan Tritschler nicht aus. Der designierte Hobbysportler mit dem Schwerpunkt "Surfen" (im Internet) möchte auch dann weltweit verbunden sein, wenn seine Frau mit Freundinnen telefoniert. AOL liefert kurze Zeit später eine Internetnummer, mit 02724/205006 bleibt das Fenster zur Welt weit geöffnet. Zweiter Akt, erste Szene: Im Februar 2007 kündigt das Paar die Wohnung und zieht nach Finnentrop. 02724 ist passé, nun lautet die Vorwahl 02721. Der Festnetzanschluss wird gekündigt, AOL vom Umzug informiert. Der amerikanische Onlinedienst lässt den Surfer wissen, dass er erst tätig werden könne, wenn eine neue Festnetznummer vorliege.

Zweiter Akt, zweite Szene: Nach zwei Monaten und zahlreichen Briefen erhalten Tritschlers endlich im neuen Heim eine Festnetznummer. Freunde werden schnell informiert: Unter 02721/603088 sind sie nun erreichbar. Gleichzeitig wird AOL informiert, die neue Rufnummer wird in die Kundendatei aufgenommen. Zweiter Akt, dritte Szene: Das Telefon in der neuen Wohnung bleibt stumm. Niemand ruft an. Oder: Schnell stellen Tritschlers fest, dass der Anrufer zwar ein Freizeichen hört, doch es kommt nichts an.

Telefonieren über

die Internetnummer

Dafür kann über die Internetnummer 02724/205006 weiterhin raustelefoniert werden. Manchmal. Denn morgens zwischen 8 und 10.30 Uhr tut sich überhaupt nichts. Die Grundgebühr der Telekom wird weiterhin abgebucht, der Fehler im "Anschlussgebiet" wird nicht gefunden. Dritter Akt, erste Szene: Nach einigen Monaten schellt plötzlich das Telefon. Ein Anrufer hatte im Telefonbuch nachgeschaut, dort sind Tritschlers unter der alten Adresse mit 02724/205006 eingetragen. Der Anrufer wusste nicht, dass das Ehepaar das Frettertal bereits vor einem Jahr verlassen hatte. Aber: Der Anruf landete in Finnentrop, im 02721-Gebiet. Insider wissen nun, wie Tritschlers zu erreichen sind. Kommunikation paradox: Die geheime AOL-Internetnummer mit "falscher" Vorwahl findet sich ohne Wissen des Telefonteilnehmers im Telekom-Telefonbuch wieder. Hinzu kommt das Entgegenkommen des Ehepaars, der Telekom jeden Monat 19,94 Euro an Grundgebühren zu schenken. Ohne Gegenleistung. Dritter Akt, zweite Szene: Tritschlers werden im März von Finnentrop nach Serkenrode ziehen. Eine neue Festnetznummer mit ISDN-Anschluss (mehrere Telefonnummern) muss her, den AOL-Vertrag möchten sie kündigen. Alles in einer Hand, das dürfte die Geister der Kabeltechnik beruhigen.

Die Antwort auf das Kündigungsschreiben an AOL dürfte Grundlage für den noch nicht niedergeschriebenen vierten Akt sein: "Wir können ihre Daten nicht in unserer Kundenkartei finden."

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