Der Kreis Olpe verliert einen seiner Kulturpreisträger

Akademiemaler Benno Heimes mit 90 Jahren gestorben

Benno Heimes um geben von seinen Werken im Atelier in Deutmecke. Foto: Achim Gandras
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Benno Heimes umgeben von seinen Werken im Atelier in Deutmecke.

Deutmecke. Benno Heimes ist tot. Der Akademiemaler und Kulturpreisträger des Kreises Olpe starb Samstagnacht im heimischen Finnentrop-Deutmecke im gesegneten Alter von fast 91 Jahren.

Er war inzwischen ein Mann wie aus einer anderen Welt – künstlerisch geschult im klassischen Kanon der Düsseldorfer Akademie der frühen Nachkriegszeit, philosophisch tief verbunden mit der Natur und dem Wunder der Schöpfung, wie er es im schillernd-bunten Federkleid einer jeden Blaumeise im knorrigen Birnbaum vor dem Küchenfenster seines Elternhauses erkannte. Dort, wo ihm die wilden Piepmätze das Korn aus der offenen Hand pickten. Das sei daher gleich gesagt: Keine Furcht vor dem Ende bedrückte ihn, vielmehr war es im tiefen Vertrauen auf die Vollkommenheit der Natur eine von Demut geprägte, gespannte Erwartung.

Der einstige Vollblutsportler, der sich als Vertragsspieler bei der damaligen Top Fußball-Elf von „TuRU Düsseldorf“ die Mittel für das Kunststudium „linksaußen“ erstürmt hatte, nahm es gelassen, obwohl „Altwerden nichts für Feiglinge ist“, wie er gerne Fuchsberger zitierte.

Das klassische Studium der Malerei in Düsseldorf, bei berühmtem Professoren wie Bruno Goller und Fritz Macketanz, allesamt Künstler im epochalen Umfeld von Ewald Mataré, befähigten Benno Heimes zur formvollendeten Komposition; sei es in Hinsicht auf den raffinierten Bildaufbau wie auch in der ausgeklügelten Korrespondenz der Farben. Allerdings sollte es ihm auch bittere Momente einbringen, denn die Zeit des Kalten Krieges trennte auch die Kunst. Während der Westen dem „Action Painting“ Pollocks und anderen Abstraktionen nacheiferte, fand sich Benno Heimes im delikat komponierten Realismus wieder, mit mehr oder weniger leicht abstrahierten Sujets. Das allerdings war politisch verordnete Sache des Ostens, wurde oft also eher als Politikum, denn als gelebte Kunstauffassung verstanden. 

Eine bewegte Lebensgeschichte

Benno Heimes handelte mit Weihnachtsbäumen, wie er es beim Vater auf der alten Hofstatt gelernt hatte. „Das befreite mich vom Zwang, für zahlende Kunden röhrende Hirsche zu malen“, wie er augenzwinkernd zugab. Dazu gesellte sich die Rosenliebe der Mutter, die er bis zum letzten Augenblick seines langen Lebens weitergeführt hat. 50 Edelrosen kultivierte er bis ins höchste Alter, noch immer jugendlich staunend über die sich verschwendende Vollkommenheit der einzelnen Blüte, um die er mit nackter Hand gegen jede Blattlaus kämpfte – Chemie wäre ihm nie in den Garten gekommen, nie! 

So zog der damals fast 80-Jährige nach Monstersturm „Kyrill“ mit der Handsäge in den eigenen Wald, wo alles drunter und drüber lag. Er sägte dort, so lange er konnte. Eine Motorsäge empfand er als Blasphemie im stillen Wald, ein Harvester war ihm der Gipfel der Kapitulation aller Werte vor dem Konsumrausch einer profitorientierten, nutzlosen Verschwendung aller Ressourcen. Er ist mit seinem Wald nicht mehr fertig geworden. „Andere werden das schon nach mir richten“, war sein Kommentar. Fast 91 Jahre, eine lange Zeit.

Der Schüler musste 1944 an die Ostfront, und erst 1947 sollte er aus der Gefangenschaft zurückkehren. Die Zeit des Abiturs am Rivius-Gymnasium in Attendorn verband ihn mit seinem ersten Kunstlehrer Karl Müller, der auch anderen Kunstschaffenden dieser Generation das große Feuer mitzugeben verstanden hat. Nach dem Studium der Malerei baute sich Benno Heimes sein Atelier, dazu eine Glaswerkstatt, in der so eindrucksvolle Arbeiten entstanden wie das St. Michaels-Glasmosaik im Ehrenmal von Fretter, wo er all jener gedachte, die nicht wieder nach Hause gekommen sind.

Studienreisen führten ihn durch Europa, wobei ihm vor allem Italien sein Herz raubte, und das in jeder Hinsicht, wie er einmal verriet.

Kunst mit Energie und Bedacht

Seine Malerei mied den Knalleffekt, das Plakative, hinter dem sich nur zu oft eine lediglich dürftige Aussage verbirgt – Benno Heimes komponierte seine Arbeiten durch, bis die einzelnen Elemente raffiniert kommunizierten, um jene Energie auszustrahlen, der wir Menschen uns nicht entziehen können, weil sie unser Innerstes selbst betrifft: So sind wir in dieser Welt, die sich oft im kleinsten Detail offenbart, während der ganze Bombast wie nach einem flüchtigen Feuerwerk endlich in der Stille der Betrachtung von uns abfällt.

Bis zum Schluss ist er diesen Werten treu geblieben. Und der Musik! Nichts duftet wie eine Rose am Sommerabend, nichts klingt wie der klassische Reigen der großen Sinfonien und nichts leuchtet wie ein Licht in den Nachtstücken Rembrandts. Wer das zu verstehen suchte, erfuhr vielleicht etwas vom Sinn eines echten Malers, der jene Dinge einfing, die sich unserer steten Beschleunigung bis in die Irre mit einem entspannten Lächeln entzogen.

2013 gab es eine letzte Werkschau unter dem Titel „War's das, Pittore?“ Einmal, vor Jahren schon, hatte er erschöpft in seinem Rosengarten gesessen und geglaubt, es sei soweit. „Und dann betrachtete ich einen formvollendeten, kreisenden Taubenschwarm in der Luft über dem Tal und dachte, ja, es ist doch alles in bester Ordnung.“ Mit Benno Heimes haben wir unseren letzten klassischen Akademiemaler verloren. Das war's, Pittore.

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