Vorstellung der Voruntersuchung zur Ausweisung von Vorrangflächen für Windräder

Artenschutz und Windkraftanlagen

Das Architekturbüro von „Wolters und Partner“ aus Coesfeld hat ganze Arbeit geleistet.

Die Gemeinde Finnentrop hatte die Stadtplaner mit Voruntersuchungen in Hinblick auf die Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergieanlagen mit ins Boot geholt. Das Gemeindegebiet wurde topographisch zerlegt; die Ergebnisse wurden am Donnerstag im Gasthof Steinhoff vorgestellt.

Von Friedhelm Tomba

Der Umwelt-, Bau-und Planungsausschuss unter dem Vorsitz von Jens Nagel machte aus der Zusammenkunft eine öffentliche Sitzung. Diplom- Ingenieur Michael Ahn, der sich als gebürtiger Fredeburger bestens mit Sauerländer „Höhenzüge“ auskennt, lotste Ausschussmitglieder und Besucher durch die Resultate der akribisch zusammengetragenen Beobachtungen. „Es gibt in Stein gemeißelte Regeln. Dazu gehört, dass Windenergie nur stattfindet, wenn Konzentrationen ausschließlich ein schlüssiges, städtebauliches Gesamtkonzepts abgrenzen.“ Die Übersetzung vom Beamten- ins „verständliche“ Deutsch lieferte der Städteplaner gleich hinter her. „Niemand kann in Sachen Windenergie nach seiner eigenen Nase entscheiden.“ Was dann folgte, war eine Berg- und Talfahrt der Investitionsgefühle. Zuerst ging es bergauf. „Die Gemeinde Finnentrop weist hinsichtlich der Windenergienutzung einen Spitzenwert in NRW aus. 1344 Hektar sind dafür geeignet, das ist ein extrem hoher Wert. Hier könnten mehr als 100 Windräder entstehen.“

Im Nordosten des Gemeindegebietes

Danach ging es langsam bergab; die Zahlen wurden kleiner. „Wir müssen von größeren, zusammenhängenden und tabuarmen Flächen ausgehen. Diese finden wir konzentriert im Nordosten des Gemeindegebietes.“ Da waren es nur noch 1100 Hektar. Noch übersichtlicher wurde es, als der Artenschutz ins Spiel kam. „Einige Flächen befinden sich im Schwerpunktraum des Schwarzstorches. Vom Horst ausgehend müssen drei Kilometer als Schutzzone frei gehalten werden.“

Ein Raunen ging durch den Sitzungssaal; Grundstücksbesitzer und Investoren kennen sich gut vor Ort aus. Der Referent rückte noch einen weiteren Vogel in den Mittelpunkt. „Der Rotmilan geht auf die Anlagen zu, er benutzt sie als ,Fast Food Station‘. Der Schotterboden unter den Windkrafträdern lockt Mäuse an und die stehen auf dem Speiseplan des Rotmilans. Zudem wurde festgestellt, dass sich der Rotmilan gerne tote Fische aus dem Oberbecken holt.“

Interessenten für den Bereich „Oberbecken“ haben bereits ein Artenschutzgutachten im Auftrag gegeben. Tiefpunkt der Berg- und Talfahrt war aus Investorensicht die Berücksichtigung der Belange von Fledermäusen, die den Verwirbelungen und Druckabfall hinter den Rotorblättern zum Opfer fallen können. Spätestens, als Michael Ahn den Strafkatalog bei Vergehen gegen das Artenschutzgesetz auspackte, wurde allen Anwesenden klar, dass noch jede Menge Untersuchungen ins Haus stehen.

Schlusswort: „Kooperation“

„Ohne vertiefende, artenschutzrechtliche Untersuchungen und immissionstechnische Nachweise macht es keinen Sinn, Bauleitplanungen zu beginnen.“ Den Abschluss einer Grafikreihe bildeten ausgewiesene Vorrangflächen nach dem Ampelprinzip. „Grün“ war dort jedoch nicht zu finden. „Gelb“ steht östlich von Serkenrode im Bereich „Heidfeld“ (ehemaliger Bundeswehrstandort, Grenzbereich zur Gemeinde Eslohe), im „Dreieck“ zwischen Weuspert/Schliprüthen/Serkenrode und im Einzugsbereich Oberbecken. Städteplaner Michael Ahn machte „Kooperation“ zum Schlusswort: „Eigentümer und Investoren müssen an einen Tisch geholt werden. Es muss ein gesamtgemeindliches Vorgehen beschlossen werden.“

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