Die Berufung zum Beruf gemacht

Ausstellung "Benno Heimes: Eine Retrospektive" eröffnet

Eindrücke von der Ausstellungseröffnung im Finnentroper Rathaus.
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Eindrücke von der Ausstellungseröffnung im Finnentroper Rathaus.

Finnentrop - Die Ausstellung „Benno Heimes: Eine Retrospektive“ wurde am vergangenen Donnerstagabend im Ratssaal der Gemeinde Finnentrop feierlich eröffnet. Für zwei Wochen werden zum Teil bisher unveröffentlichte Werke des verstorbenen Künstlers ausgestellt.

„Eigentlich ist alles, wie es immer war“, merkte Bürgermeister Dietmar Heß bei der Eröffnung der Ausstellung an, „Familie und Freunde von Benno sind hier, Frau Monreal hält die Laudatio, Frau Mitrusic begleitet am Klavier und ich bin hier – nur der eigentliche Protagonist, Benno Heimes, fehlt. Trotzdem scheint es mir so, als wäre er hier, in der Mitte von uns allen. Benno Heimes hat etwas Bleibendes hinterlassen.“ 

Neunte Ausstellung 

Seit 1994 stellte Benno Heimes seine Werke insgesamt achtmal im Finnentroper Rathaus aus, sechsmal in Einzelausstellungen und zweimal in Gemeinschaftsausstellungen. Zu der voraussichtlich finalen Ausstellung, „Benno Heimes: Eine Retrospektive“, die vor allem von Mechthild Heimes, der Ehefrau von Benno Heimes’ Neffen, Dirk Heimes, organisiert wurde, kamen zahlreiche Freunde, Bekannte und Gönner – so viele, dass nicht einmal alle Gäste einen Sitzplatz ergattern konnten. Das tat der feierlichen Stimmung jedoch keinen Abbruch. 

Ulrike Monreal, Kunsthistorikerin und enge Bekannte von Benno Heimes, ließ dessen Leben noch einmal Revue passieren und gab aufschlussreiche Erklärungen zu verschiedenen präsentierten Werken: „Benno Heimes war und ist ein Mensch und ein Künstler, der bei vielen, vielen Menschen kostbare Erinnerungsspuren hinterlassen hat. Auf ganz besondere Weise bleibt er uns im Gedächtnis. Benno hat ein reiches Leben geführt, reich an Erfahrungen und Begegnungen, reich an Empfindungen und Erkenntnissen. Viele, viele Geschichten gibt es über ihn zu erzählen; viele von Ihnen werden selbst etwas mit Benno erlebt haben, viele haben seinen Lebensweg begleitet, allen voran seine Familie.“ 

Eigener Stil 

Schon früh habe der Finnentroper Künstler seinen eigenen Stil gefunden und seine Berufung zum Beruf gemacht: „Als junger, als ganz junger Mensch begegnet uns Benno heute in drei Selbstporträts. Sie entstanden, als er noch Schüler war! Mich begeistert und fasziniert hier besonders das Porträt von 1944. Aus diesem frühen Selbstbildnis des 17-jährigen Benno spricht schon alles, was ihn Zeit seines Lebens als Künstler und Menschen kennzeichnen wird: die extrem sichere Zeichenhand, der Wille zu anatomischer Präzision, der unbestechlich intensive Blick auf und in das Gegenüber sowie Mut und absolute Unbeugsamkeit“, so die Kunsthistorikerin. 

Doch seien Benno Heimes’ Werke nicht nur Ergebnisse seines außerordentlichen Talents, sondern auch seiner erstklassigen Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie: „Überdeutlich ist in all seinen Arbeiten, wie sehr ihn seine Zeit an der Akademie geformt und geprägt hat; Benno ist weit mehr als einfach nur jemand, der zufälligerweise ,ein guter Zeichner’ ist. Seine extrem sichere Zeichenhand lässt schon früh auf ein außergewöhnliches Talent schließen, aber alles, was Benno als Künstler ausmacht, ist gleichermaßen Produkt seiner hochkarätigen Ausbildung.“ 

Als Benno Heimes von 1949 bis 1954 an der Düsseldorfer Akademie studierte, war die Akademie von avantgardistischen Akteuren aufgewirbelt: „Otto Piene und Heinz Mack sind dort immatrikuliert; sie gründen die ,Zero-Bewegung’. ,Zero’ negiert den klassischen Malereibegriff auf das Radikalste. ,Zero’ bedeutet Null/auf Null gesetzt/ Neuanfang. ,Wir haben keine Vorbilder mehr!’, proklamieren sie und propagieren eine ungegenständliche und unpersönliche, dabei aber coole, spirituelle und erstaunliche Kunst. Licht, Luft, Feuer, Wasser, Raum, Kinetik. Hauptsache abseits jeder Gegenständlichkeit, gar Figürlichkeit.“ 

Die Seele der Malerei 

Ulrike Monreal weiter: „Wenn er sich auch mit radikalen Kunstauffassungen beschäftigt hat, hat Benno Heimes sich glasklar davon distanziert. Ihm ist diese Art des Kunstverständnisses fremd geblieben: Die reine Abstraktion, der Rauswurf des Figürlichen sowie auch die Auflösung des klassischen Malereibegriffs? Völlig undenkbar, für ihn war das nie ein Thema, ganz im Gegenteil! Sein künstlerisches Selbstverständnis manifestiert sich im Begreifen der Seele der Malerei. Disegno – die Zeichnung, die Farblehre, die Komposition: Hierin ist Benno zuhause; fühlte er sich vornehmlich den Alten Meistern aber auch der klassischen Moderne verbunden; seine Liebe gilt der italienischen Renaissance gleichermaßen wie van Gogh und Cézanne´. Hier findet er sie, die Seele der Malerei. Die Seele der Malerei; sie bedeutet für Benno Heimes zeitgleich seine tiefe Verbundenheit mit der Natur.“ 

Ein Stück Benno Heimes in jedem Werk

Die Kunsthistorikerin unterstrich, dass in jeder der ausgestellten Arbeiten, die überwiegend zum Verkauf stehen, ein Stück Benno Heimes stecke und erklärte, dass die Ausstellung nur ein kleiner Fundus seiner Werke sei: „Weitere Arbeiten sind noch in Besitz der Familie und können nach Absprache in Augenschein genommen werden.“

„Benno Heimes: Eine Retrospektive“

Der Finnentroper Kunstmaler Benno Heimes verstarb am 12. Mai 2018, unvergessen sind jedoch seine Werke. Die Kulturgemeinde Finnentrop widmet ihm daher diese Ausstellung. Neben Zeichnungen, Stillleben und Portraits in Kohle und Öl, liegt ein kleiner Schwerpunkt auch auf den Aquarellen seiner blühenden Edelrosen, die er Zeit seines Lebens gezogen und gehegt hat sowie auf Arbeiten, die nie zuvor öffentlich präsentiert worden sind. Die Werke werden bis Donnerstag, 30. Januar, im Rathaus der Gemeinde Finnentrop zu den üblichen Öffnungszeiten ausgestellt. Der Eintritt ist frei.

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