1. SauerlandKurier
  2. Kreis Olpe
  3. Finnentrop

„Lazos de amistad“ fördert junge Kolumbianer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Sauer

Kommentare

Ein in der Region einzigartiges und ehrgeiziges Projekt haben junge Menschen aus dem Kreis Olpe vor fünf Jahren ins Leben gerufen: Bildungsförderung in Kolumbien.
Ein in der Region einzigartiges und ehrgeiziges Projekt haben junge Menschen aus dem Kreis Olpe vor fünf Jahren ins Leben gerufen: Bildungsförderung in Kolumbien.

Finnentrop. Kolumbien – ein Land, das unter vielen offenen Wunden vom langjährigen Bürgerkrieg leidet. Kriminalität, Drogen, Armut sind an der Tagesordnung. Der Verein „Lazos de amistad – Bänder der Freundschaft e.V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche im südamerikanischen Land zu fördern. Im Gespräch verrät Alexander Sieler, der Vorsitzende des Vereins, wie genau das funktioniert.

„Rund zehn Prozent der Menschen in Kolumbien sind Binnenflüchtlinge. Sie flüchten vor Terror, dem Militär oder sogar der eigenen Regierung“, sagt Sieler. Der 29-Jährige weiß, wovon er redet: Bei einem Praktikum in Kolumbien kam er auf die Idee für das Projekt „Lazos de amistad“. 2012 wurde aus dem Projekt schließlich der heutige Verein. „Der Name ‘Bänder der Freundschaft‘ soll Programm sein“, erklärt er. Denn die Förderung der Jugendlichen funktioniert vor allem auf der persönlichen Ebene. „Im Grunde geht es darum internationale Brücken zu bauen“, sagt der Vorsitzende.

„Bildung ist der Schlüssel“

Neben der Gruppe im Kreis Olpe gibt es eine in Kolumbien, der Jugendlichen aus ärmeren Familien angehören. Beide Gruppen stehen im ständigen Austausch. „Unsere Freunde in Kolumbien freuen sich, dass es quasi auf der anderen Seite der Welt Menschen gibt, die sich für sie interessieren und die sie motivieren“, beschreibt Sieler. Die Gruppenmitglieder schicken einander Videos und halten Kontakt über die sozialen Medien.

Die zwischenmenschliche Ebene ist für die Mitglieder von „Lazos de amistad“ sehr wichtig.
Die zwischenmenschliche Ebene ist für die Mitglieder von „Lazos de amistad“ sehr wichtig.

Doch warum gerade Jugendliche? „In Kolumbien ist der Sprung von der Schule zu einer weiterführenden Ausbildung sehr schwierig. Nur etwa 12 Prozent der wenigen Studienanfänger halten das Studium überhaupt durch“, so Sieler. Für viele ist das Studium auch zu teuer. Und da kommt zu der persönlichen Förderung auch die finanzielle durch „Lazos de amistad“ hinzu. Die Spenden, die der Verein sammelt, sind alle zweckgebunden. Die Gruppe in Kolumbien erhält die Spenden aus Deutschland und verteilt sie weiter. So können sich Jugendliche in Kolumbien Dinge leisten, die sie dringend brauchen. Zum Beispiel Studiengebühren, Ausgaben für Lehrmaterialien oder Tickets für öffentliche Verkehrsmittel.

„Bildung ist der Schlüssel für die Entwicklung des Einzelnen. Dadurch können die Jugendlichen später lukrativere Berufe bekommen“, sagt Alexander Sieler. Aber er weiß auch: „Wir können nicht das Land verändern. Dafür aber das Leben der Menschen, die wir unterstützen.“

In der Region verwurzelt

Neben der Förderung der Menschen in Kolumbien steht für „Lazos de amistad – Bänder der Freundschaft“ auch die Bildungsarbeit in Deutschland im Vordergrund. Zweimal im Jahr veranstaltet der Verein Jugendwochenenden. Dort dreht sich alles um Kolumbien. „Wir diskutieren, halten Vorträge, kochen und veranstalten andere Aktionen, um uns mit dem Land auseinanderzusetzen“, beschreibt Alexander Sieler. „Durch den Blick auf andere Menschen, erfahren die Teilnehmer, wie es in der Welt aussieht“, sagt er weiter. Fremde Kulturen auf sich selbst wirken lassen – ein Thema, das momentan aktueller denn je ist. 

Fremde Kulturen auf sich selbst wirken lassen ist ein wichtiges Thema der Jugendwochenenden.
Fremde Kulturen auf sich selbst wirken lassen ist ein wichtiges Thema der Jugendwochenenden.

Wer sich ein Bild vom Verein machen möchte kann zu einem der Jugendwochenden gehen. Das nächste ist bereits in der kommenden Woche, vom 8. bis 10. April. Und wer einen noch persönlicheren Einblick in das Leben der Menschen in Kolumbien haben will, kann auch Patenschaften übernehmen. „Wir übersetzen auch gern Briefe und Gespräche“, sagt Sieler. 

Doch natürlich gibt es auch die Möglichkeit, mit regelmäßigen oder

auch einmaligen Spenden zu helfen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist dafür nicht nötig. „Lazos de amistad“ ist gemeinnützig und kann auch Spendenquittungen ausstellen. Auch neue Vereinsmitglieder sind immer willkommen. 

Mittlerweile haben sich auch Regionalgruppen von „Lazos de amistad“ in Deutschland gegründet – in den Studienorten der Mitglieder. Auch wenn der Vorsitzende betont: „Wir sind im Sauerland verwurzelt. Gegründet hat sich der Verein in Attendorn, Vereinssitz ist Finnentrop.“ 

Eins ist Alexander Sieler im Gespräch noch wichtig: „Schreib bitte nicht ‘Entwicklungshilfe‘.“ Und das wäre auch falsch. Denn der Verein hilft auch über die einfache Entwicklung hinaus. Auf der zwischenmenschlichen Ebene. Und dadurch werden aus den „Bändern der Freundschaft“ eben Brücken. Zwischen Ländern. Und zwischen Menschen.

Spendenkonto

Kontakt

Lazos de amistad – Bänder der Freundschaft e.V.
Untere Kirchstraße 1
57413 Finnentrop
www.lazosdeamistad.de
baenderderfreundschaft@gmx.de
Vorsitzender: Alexander Sieler
Tel.: 0160/94471896
alexander.sieler@web.de

Auch interessant

Kommentare