Heß prognostiziert Ablehnung des Antrags auf fünf neue Windkraftanlagen 

Bürgerversammlung in Lenhausen zur Windkraftdebatte

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Fast 600 Bürger waren in der Schützenhalle Lenhausen.

Lenhausen. Die Windkraftdebatte in der Gemeinde Finnentrop liefert weiterhin den Nährboden für langwierige Diskussionen. Das zeigte sich jetzt auf einer kurzfristig einberufenen Bürgerversammlung in der Schützenhalle Lenhausen, an der knapp 600 Einwohner teilnahmen.

Weiterführende Themen wie der Grundschulverbund Lennetal oder der Breitbandausbau rückten nahezu in den Hintergrund der Veranstaltung, die Bürgermeister Dietmar Heß moderierte.

Gleich zu Beginn stellte er klar, dass die Höhenzüge im Sauerland eine größere Verpflichtung bedeuteten, um der Windkraft Raum zu geben. Entsprechende Windkraftanlagen seien in Anbetracht der Windreichen Region also unumgänglich. „Wobei es keine festen Grenzen gibt, wie viel Fläche wir geben müssen“, äußerte sich Heß zu der nicht ganz eindeutigen Vorgabe. 

Keine Neuigkeit, dass Heß das Frettertal und das Oberbecken „als „windhöffigste Fläche in der Region“ für weitere Planungen in Betracht zieht. Auf letzterem Gebiet plant die in Hannover ansässige Windwärts Energie GmbH fünf Windkraftanlagen. Vorgesehen waren acht, die Gemeinde pochte auf weniger Anlagen. Dennis Zeitz (Projektplaner Windwärts Energie) gab sich mit dem Kompromiss von fünf Anlagen einverstanden. „Wenn das der Schlüssel ist, um bei dem Gemeinderat Gehör zu finden“, lägen auch fünf Anlagen im Machbaren. Im Gespräch mit dem Sauerlandkurier kritisierte Zeitz, dass die Gemeinde das Unternehmen auf eine lange Probe stellt. Erstmalig sei Windwärts Energie 2009 bei der Gemeinde vorstellig geworden, Planungen liefen seit 2012. Da die Gemeinde die Planungen für einige Zeit auf Eis legte, habe das Unternehmen über mehrere Jahre „einen langen Atem bewiesen.“

Zwei mögliche Szenarien

Über den Antrag der Windwärts Energie stimmt die Gemeinde in einer Ratssitzung am Dienstag, 7. Mai, ab. Zwei Szenarien wären dann möglich:

Die Gemeinde lehnt den Antrag ab. Dieser wird dann vom Kreis Olpe als Genehmigungsbehörde auf seine Rechtmäßigkeit geprüft. Gegebenenfalls wird die Gemeinde überstimmt oder die Ablehnung ist statthaft. Im Falle einer Ablehnung kann die Windwärts GmbH ein Widerspruchsverfahren oder eine Klage in die Wege leiten. 

Die andere Option ist die Zurückstellung des Antrags für einige Zeit. Währenddessen wird der Flächennutzungsplan (Stand: 1999) überarbeitet. Alle Flächen im gesamten Gemeindegebiet müssten dann neu geprüft werden, „nicht nur die, die 1999 schon lokalisiert wurden“, weiß Zeitz. Endergebnis könnten drei völlig neue Gebiete sein. Die drei bis dato geeignetsten Gebiete im Frettertal wären dann – je nach Untersuchungsergebnis – nicht mehr valide.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gemeinde ihr Einvernehmen erteilt“, wagte Heß eine Prognose mit Blick in Richtung Ratssitzung. Denn die Bauvoranfrage entspreche nicht mehr dem Planungsstand der Gemeinde.

Widerstand gab es Erwartungsgemäß aus der Bevölkerung. Helmut Witte machte auf die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung aufmerksam. „Die Stimmung in der Bevölkerung muss man berücksichtigen“ und das sei „nicht der Fall.“ Auch könne es zu sinkenden Tourismuszahlen kommen. Heß hingegen versicherte, dass ihm genauso viele Befürworter wie Gegner begegneten. Auch den touristischen Aspekt hält er für „zweifelhaft“. Trotz etlicher Anlagen im Bereich der Nord- und Ostsee boome der Tourismus.

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