Christine Koch unbedenklich

Finnentrop. Wer im Internet nach Informationen zu Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle sucht, stößt schnell auch auf den Namen Christine Koch.

Nach der Lyrikerin sauerländischer Mundart ist in Bamenohl in direkter Nachbarschaft zu den beiden thematisierten Straßen ebenfalls eine Straße benannt, darüber hinaus auch die örtliche Grundschule.

Koch sei mit Josefa Berens-Totenohl befreundet gewesen, bestätigt Prof. Dr. Hubertus Halbfas, Autor des in den „Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ erschienenen Artikels „Nazistraßen in Bamenohl“. „Aber es gibt nirgendwo einen Hinweis darauf, dass sie sich an der Hetze gegen Juden beteiligt oder andere typisch nationalsozialistische Einstellungen vertreten hat“, sagt Halbfas. Ihren frühen Werken sei zwar eine gewisse „Unentschiedenheit“ nicht abzusprechen; diese bringe sie jedoch nicht in die Nähe der politischen Haltung von Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle. „Die beiden waren bereits auf der extrem rechten Linie, bevor die Nazis in Deutschland das Ruder übernommen haben“, so Halbfas.

Eine Einschätzung, die Dr. Karl Ditt vom Institut für Westfälische Regionalgeschichte in Münster teilt. „Bei Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle handelte es sich zweifellos um Nationalsozialistinnen“, sagt Ditt. Insbesondere die Erstgenannte habe in ihren Werken mit rassistischen zeitgenössischen Klischees gearbeitet, vor allem in ihrem ersten Roman „Der Femhof“, der 1934 veröffentlicht wurde. Sowohl Berens-Totenohl als auch Kahle wurden vom Provinzialverband Westfalen ausgezeichnet, einer Behörde, die unter NS-Führung gestanden und jene Schriftsteller prämiert hat, die auf Linie zum Nazi-Regime gewesen seien. Berens-Totenohls Werke hätten während Adolf Hitlers Herrschaft auf den Empfehlungslisten der staatlichen Büchereien gestanden und seien in „beträchtlicher Auflage“ publiziert worden.

Der Historiker des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ist einer der Autoren des Buches „Fragwürdige Ehrungen!?“, das sich mit Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur befasst. (Von Sven Prillwitz)

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