IHK Zentrumsmonitor für Gemeinde Finnentrop vorgestellt

Einzelhandel „nicht zukunftsfähig“: IHK Zentrumsmonitor für die Gemeinde Finnentrop vorgestellt 

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Das Areal des Finnentroper Rathauses gilt mit als Zentrum der Gemeinde Finnentrop.

Finnentrop. Mit dem IHK Zentrumsmonitor für die Kreise Olpe/ Siegen-Wittgenstein gab es eine Untersuchung von „Qualität und Tiefe, wie es sie vorher noch nicht gab“, eröffnete Bürgermeister Dietmar Heß die Präsentation im Ratssaal. Eingeladen hatten der Rat der Gemeinde und der Gewerbeverein Finnentrop.

Viele Innenstädte und Zentren werden durch demografische und digitale Wandlungsprozesse vor massive Herausforderungen gestellt. Konkret bedeutet das für die Kreise Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein einen Verlust von 900 Einzelunternehmen. „Es waren mal 6100“, macht Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener am Donnerstag deutlich.

Kaum ein Zentrum ist also vor dem Wandel gefeit. Die Handelsstruktur, die gastronomische Vielfalt und das Ambiente – um nur einige Kriterien zu nennen – wurden in allen 18 Kommunen der beiden Kreise im IHK-Bezirk analysiert. Insgesamt wurden 4602 Personen zu ihrem Wohnort befragt, darunter 190 Finnentroper. Eines vorweg: Der Status Quo der Gemeinde Finnentrop liegt in puncto Attraktivität des Einzelhandels, Besucherfrequenz und generelles Ambiente (unter anderem) im unteren Drittel.

Bei der Untersuchung sei es wichtig, „keine Haltungsnoten zu vergeben“, erklärt Klaus Gräbener. Schließlich sei „nicht jede Kommune gleich“, jeder Ort habe unterschiedliche Begebenheiten und Voraussetzungen. Laut der Referentin des Abends, Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein teil sich Finnentrop – nach Befragung der 190 Personen – in drei kleinere Zentren auf. Darunter fällt zum Beispiel der Bereich um das Rathaus.

70 Prozent aller Befragten bevorzugen Onlineshopping

Ein wichtiger Untersuchungsgegenstand war die Soziostruktur der Einkaufsuntersuchung und damit die Frage „kaufen die Menschen eher stationär oder online ein?“. Das Ergebnis ist eindeutig: 70 Prozent aller Befragten in Finnentrop bevorzugen Onlineshopping. Auch die Gründe für einen Aufenthalt in der Finnentroper Innenstadt analysierte die Wissenschaftlerin. Der Wocheneinkauf, der Arztbesuch sowie ein Aufenthalt zu Schul- oder Ausbildungszwecken waren die häufigsten Antworten. „Ein Freizeitaufenthalt spielte im Übrigen keine Rolle“, weiß Schramm-Klein. Die Durchschnittliche Aufenhaltsdauer betrage 60 bis 120 Minuten.

Die Häufigkeit eines Besuchs in Finnentrop liegt bei circa einmal pro Woche, „ein Zeichen, dass es nur sehr selten einen Anreiz gibt, sich hier aufzuhalten. Ein Fünftel haben angegeben sich noch seltener als einmal im Monat im Finnentroper Zentrum aufzuhalten“, erklärte die Professorin.

Erfreulich ist hingegen der Geldbetrag den die Befragten während ihres Aufenthaltes ausgeben: 10 bis 100 Euro. „Das ist ein typischer Wocheneinkauf“, so die Expertin und sei auf die Lebensmittelversorgung der angesiedelten Filialisten zurückzuführen. 15 bis 20 Prozent geben hingegen weniger als zehn Euro aus. Für Schramm-Klein ein „Zeichen für eine Kundenabwanderung.“

Mode- und Möbelgeschäfte sind unterrepräsentiert

Die Frage nach dem „Wo wird eingekauft?“ zeichne sich deutlich ab. 75 Prozent der Befragten kaufen in den örtlichen Supermärkten ein. 63 Prozent nehmen Dienstleistungen der Kreditinstitute und 66 Prozent das Drogeriemarktangebot wahr. Miserabel fällt die Quote für Mode- und Möbelgeschäfte aus, die in Finnentrop unterrepräsentiert sind.

Die Attraktivität eines Einkaufszentrums spielte für die Befragten eine wichtige Rolle. Parkmöglichkeiten und Erreichbarkeit schnitten in Finnentrop gut ab. Negatives Feedback gab es für die Punkte Lebendigkeit und Ambiente. Diesen Gesichtspunkten werde Finnentrop nicht gerecht.

Die Zustimmung, ob das Zentrum geeignet ist, um die Bedürfnisse zu erfüllen, fällt ebenfalls negativ aus. Auf einer Skala von 5 (stimme voll zu) bis 1 (stimme überhaupt nicht zu) liegt die Gemeinde im Schnitt bei 2. Ergo: Das Einzelhandelsangebot in Finnentrop ist „eher leicht unattraktiv“. „Dennoch ist die langfristige Einschätzung, weiterhin häufig in Finnentrop einzukaufen, wahrscheinlich“, weiß Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein.

Das fehlende Modeangebot, das als weniger attraktiv empfundene Freizeitangebot und das fehlende generelle Einkauferlebnis/Ambiente „führen zur Einstellung, die die Finnentroper derzeit haben“. Das Ergebnis einer anderen Studie trägt nicht zur Aufmunterung bei: „Ob Menschen online kaufen oder nicht – das Attraktivitätsdefizit eines Zentrums spielt dabei keine Rolle.“

Vorschlag: Kooperationen mit Nachbarkommunen

Ein zusätzliches Abwanderungs-Risiko sieht die Expertin während der Ausbauphase der B236. Durch notwendige Umleitungen „entdecken Verbraucher neue, andere (Einkaufs-)Zentren“. Diese Umwege könnten sich langfristig auf das Verhalten der Verbraucher niederschlagen, die dann auch nach der Umbauphase weiterhin dort einkaufen.

Trotz der fehlenden Modefilialen – um ein Beispiel zu nennen – müsse sich die Kommune laut Schramm-Klein die Frage nach der Machbarkeit stellen. Sie schlägt Kooperationen mit Nachbarkommunen vor. Beispielsweise könne sich auf das Warenangebot der Einzelhändler untereinander abgestimmt werden. „So kann man sich ergänzen. Das ist eine Win-win-Situation für beide Nachbarkommunen.“

Langfristig prognostiziert sie 30 Prozent weniger Geschäfte – kreisübergreifend. „Ich sehe kein Potential darin, dass der Einzelhandel überlebt.“ Lebendigkeit könne etwa durch ein besonders ausgeprägtes Kulturangebot erzielt werden.

Die Ergebnisse gibt es auch online. 

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