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Er kam als Gastarbeiter und geht als Finnentroper: die Geschichte einer „ganz normalen“ türkischen Familie

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Von: Friedhelm Tomba

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Ömer und Döndu Ersunger haben den größten Teil ihres Lebens in Finnentrop gelebt. Nun wollen sie den Lebensabend in der Türkei genießen.
Ömer und Döndu Ersunger haben den größten Teil ihres Lebens in Finnentrop gelebt. Nun wollen sie den Lebensabend in der Türkei genießen. © Friedhelm Tomba

Flughafen Düsseldorf, Flug PC 1620. Die türkische Pegasus-Airline hebt in Richtung Istanbul ab. Unter den 160 Passagieren ist auch Ömer Ersunger. Ömer Ersunger? Ein Mann von Welt? Politiker, Fußballstar oder Schauspieler? Weit gefehlt. Ömer Ersunger (82) lebte 52 Jahre ruhig und bescheiden im Sauerland und kehrt nun mit seiner Ehefrau Döndu (74) für immer zurück in seine türkische Heimat.

Finnentrop - Rückblick: 1970 macht sich Ömer Ersunger, der in der Region Yosgat in der Türkei aufwuchs, mit seinem Freund Ali Yilmaz auf den Weg nach Deutschland – um Geld zu verdienen. Als Maurer bei der Firma Homringhausen in Finnentrop begann das Abenteuer im fremden Land.

1973 hatte Ömer Ersunger endlich das nötige Geld zusammengespart, um seine Frau Döndu ins Sauerland nachzuholen. Das Ehepaar zog in den Straßenzug „Zum Hagen“ nach Weringhausen. 21 Jahre waren sie dort zu Hause. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, die allesamt in Deutschland geboren wurden. Tochter Kadiriye (44) lebt in Finnentrop, Sohn Salih (48) in Attendorn. Süleyman kam 1975 schwerstbehindert zur Welt und wurde bis zu seinem Tod am 18. März 1998 liebevoll in der Familie gepflegt.

Salih Ersunger erinnert sich an die Zeit in Weringhausen: „Meine Eltern hatten immer das sichere Gefühl, mit zur Dorfgemeinschaft zu gehören. Die türkische Herkunft spielte dort keine Rolle. Das haben meine Eltern sehr genossen.“

1980 wechselte der Vater die Arbeitsstelle und fing bei der Firma Thyssen an. „Das war eine schöne Arbeit, auch die Kollegen waren sehr nett.“ Ömer Ersunger arbeitete in „Kontischicht“ und war auch bei den Kollegen als besonnener und fleißiger Arbeiter sehr beliebt. Der Mann aus der Stahlbranche setzte sein Lebensmotto stets in die Tat um. „Ich habe nie jemandem etwas getan – darum hat auch mir nie jemand etwas getan. Ich wurde als Mann aus dem Ausland immer gerecht behandelt. Man muss sich immer an die Regeln halten und sich anpassen.“

Kein Freund der deutschen Küche

Ersungers waren ein Teil der Gemeinschaft, auch später am „Rittberg“ in Bamenohl, wo sie bis zur Rückkehr in die Türkei 18 Jahre wohnten. Zuvor lebte die Familie elf Jahre am Schulzentrum in Finnentrop. Mit der traditionellen deutschen Küche konnte sich Ömer Ersunger nie anfreunden – mit einer Ausnahme. „Auf dem Schützenfest in Weringhausen hat mein Vater einmal Pommes gegessen. Die haben ihm geschmeckt.“

Und warum ging es jetzt für die Eltern für immer zurück in die Türkei? „Es war ein sehr emotionaler Abschied. Mein Vater ist ein Arbeitstier gewesen, er musste immer etwas zu tun haben. 2006 wurde er Rentner und hat sich im Schrebergarten in Bamenohl ein Stück Türkei nach Bamenohl geholt. Selbstgezogene mediterrane Gewächse erinnerten ihn dort an seine Kindheit. Jetzt kann er – wie am Anfang seines Lebens – in seiner Heimat der geliebten Feldarbeit nachgehen.“

Egal, wo ich in der Gemeinde Finnentrop gewohnt habe: Ich habe mich immer wohl gefühlt.

Ömer Ersunger

Ömer Ersunger selbst blickt dankbar und zufrieden auf seine Zeit in Deutschland zurück: „Egal, wo ich in der Gemeinde Finnentrop gewohnt habe: Ich habe mich immer wohl gefühlt. Es gab für mich mehrere Lebensabschnitte. Der, der jetzt kommt, zieht mich in meine Heimat. Ich wünsche Deutschland Glück und Frieden.“

Hersey gönlünce olsun (Alles Gute), Ömer und Döndu!

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