1. SauerlandKurier
  2. Kreis Olpe
  3. Finnentrop

Ergebnis einer demokratischen Entscheidung

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Dietmar Heß, Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop.
Dietmar Heß, Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop.

Die Koexistenz der Stolpersteine in Lenhausen als Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus und der Josefa-Berens- und Maria-Kahle-Straße in Bamenohl stellt für Dietmar Heß keinen Widerspruch dar.

Vielmehr verweist der Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop auf den demokratischen Prozess der Entscheidungsfindung, mit dem sich Rat und Anwohner gegen eine Umbenennung der entsprechenden Straßen ausgesprochen haben. Kritikern wirft er eine berechnende, vorgefasste und „totalitäre Haltung“ vor.

Als „wahlkampfgeleitete Aktion“ bezeichnet Heß den Antrag der Fraktion FÜR Finnentrop auf Nachfrage des SauerlandKuriers. Prof. Dr. Hubertus Halbfas, der die Diskussion um die beiden Dichterinnen anstieß, dem Gemeinderat mit Blick auf das erste Votum gegen die Umbenennung „unsägliche Ignoranz und politische Einfalt“ vorwarf und darüber hinaus ein „braunes Bekenntnis“ unterstellte, wirft Heß „intellektuelle Hochnäsigkeit“ vor. Weder Halbfas noch die FÜR-Fraktion sind seiner Ansicht nach an einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert.

Dass die betroffenen Anwohner selbst über die Umbenennung der beiden Straßen entschieden haben, bezeichnet der Bürgermeister als demokratischste aller Lösungen. „Sich jetzt über dieses Votum hinwegzusetzen, wäre ein fatales Signal. Das sind schließlich erwachsene Menschen mit eigenen Interessen, die da entschieden haben“, so Heß. Wer gegen den Willen der Befragten eine Namensänderung erzwingen will, handle totalitär – und damit genauso wie die Personen, in deren Nähe die beiden Dichterinnen verortet worden sind.

Inwieweit diese tatsächlich dem Nationalsozialismus nahe standen, sei nicht eindeutig belegt, wie ihm ein Historiker bestätigt habe. „Es gibt Verstrickungen und wohl einen gewissen Unterton in den Werken von Josefa Berens und Maria Kahle, aber keine Erkenntnisse darüber, dass sich eine der beiden des Mordes oder der Denunziation schuldig gemacht hat“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Näher auseinandergesetzt habe er sich mit den Werken der beiden Frauen nicht.

Straßennamen reine Ordnungsmerkmale

Gleichzeitig betont Heß, dass „unsere politischen Vorgänger“ die Straßennamen 1978 gewählt hätten und diese „im Bewusstsein der Bevölkerung reine Ordnungsmerkmale“ darstellten. Dass die Diskussion über die Straßennamen mit der Verlegung der Stolpersteine vermischt werde, finde er unerträglich. „Von der Situation in Bamenohl sind nicht die Familie Jacobs betroffen oder ihre Nachkommen, sondern allein die Anwohner“, sagt Heß. „Und alle dunklen Aspekte der Geschichte können wir nicht ausradieren.“ Allerdings räumt er ein, dass er die beiden Straßen heute nicht mehr nach Josefa Berens und Maria Kahle benennen würde.

Dass das Votum im Rat zum Antrag der FÜR-Fraktion mit Ausnahme der Wortmeldung von Petra Krempel (UWG) ohne Diskussion erfolgte, lag für Heß einerseits daran, dass die Angelegenheit durch die Bürgerentscheidung bereits geklärt war. Zum anderen hätten die Ratsmitglieder, die gegen den Antrag stimmten, durch den „Druck von außen“ Angst haben müssen, dass ihre Aussagen fehlinterpretiert werden. Der Wortbeitrag Krempels solle auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden. „Das war eine starke Rede, mit der Frau Krempel allen eine Brücke gebaut hat“, so Heß.

Bei der Verlegung der Stolpersteine in Lenhausen hatte der Bürgermeister unter anderem gesagt: „Die Stolpersteine erinnern an ein Kapitel, das sich niemals so oder ähnlich wiederholen darf.“ Eine Aussage, die Heß zufolge nicht nur seine Meinung, sondern auch die des Rates und der Gemeinde widerspiegle. Umso mehr ärgere ihn die Kritik, die dem Rat unterstelle, nicht zu wissen, was er tut. (Von Sven Prillwitz)

Auch interessant

Kommentare