Kandidatur „aus dem Amt heraus“

Nächster Paukenschlag in Finnentrop: Bürgermeister Dietmar Heß tritt doch noch mal an

Dietmar Heß

[Update 2. März] Finnentrop - Es ist ein weiterer Paukenschlag aus dem Finnentroper Rathaus: Bürgermeister Dietmar Heß will bei den Kommunalwahlen im September doch noch einmal als Kandidat antreten. Und zwar aus dem Amt heraus.

Das erklärte Heß am Montagnachmittag in einem Pressegespräch. „Aus dem Amt heraus“ bedeutet, dass sich ein amtierender Bürgermeister ohne ein Nominierungsverfahren über Wählergruppen oder ohne Unterstützungsunterschriften selbst vorschlagen kann. Genau das habe er im Laufe des Tages getan, seine Wählbarkeit sei "sogar schon bestätigt und der Stempel trocken". Die Wahlleitung wird der 1. Beigeordnete Ludwig Rasche übernehmen. 

Damit ist Heß der erste offizielle Bürgermeisterkandidat der Gemeinde Finnentrop für die Kommunalwahl am 13. September. (Die CDU wird ihren Kandidaten am Dienstagabend nominieren). Für Heß wird es die fünfte Wahl sein, viermal war er Kandidat der CDU, dieses Mal wird er es alleine versuchen.

In dem Pressegespräch ging das Gemeindeoberhaupt nochmal auf die zurückliegende Zeit ein und verdeutlichte, warum er seine Entscheidung von Dezember 2019 - damals hatte Heß gesagt, dass er nicht mehr antritt - revidiert hat. Das CDU-Mitglied Heß klagte abermals an, dass es kein offenes und transparentes Bewerbungsverfahren in der Partei gegeben habe, mehr noch, dass "Grundsätze der CDU nicht beachtet" worden seien. Inzwischen seien drei Monate ins Land gegangen - immer noch genügend Zeit, um ein offenes Verfahren zu wählen. "Ich habe aber den Eindruck, dass das von Anfang an nicht gewollt war", so Heß. Er habe eher den Eindruck, dass "eine andere Kandidatur um jeden Preis durchgedrückt" werden soll. 

Das führt zu einem weiteren großen Kritikpunkt von Heß: Einige, wenige Akteure aus der CDU bestimmen seiner Ansicht nach das Geschehen. Ihm sei es aber wichtig, dass bei der Wahl im September alle Bürger bestimmen können. "Die Bürger kennen mich lange genug, sie sollen entscheiden." Seine Kandidatur versteht Heß also als "Angebot an alle demokratischen Kräfte". Dass er für die Wahl auch Stimmen von CDU-Wählern benötigt, ist ihm natürlich bewusst. Dazu sagt er: "Ich glaube, ich habe in großen Teilen der Partei noch ein hohes Ansehen."

Er habe eine "Zeit gebraucht, um zu verstehen, was da im Hintergrund vorbereitet wurde". Selbstkritisch gibt er zu: "Vielleicht war ich da ein bisschen naiv." Zudem habe er aber auch das Gefühl, dass Großteile der Partei bis heute nicht wüssten, was da an der Spitze gespielt worden sei. Seine erste Reaktion auf den Vertrauens-Entzug der CDU sei daher die Erklärung gewesen, nicht wieder anzutreten. Mit ein bisschen Abstand habe sich diese Einstellung aber inzwischen geändert. "Ich halte mich natürlich nicht für unverzichtbar", so Heß weiter, auf der anderen Seite sei die aktuelle Lage aber auch nicht das Ende seiner Arbeit, wie er es sich vorgestellt hatte. 

Für weitere fünf Amtsjahre sieht er sich fit: "Ich kann das noch". Nicht die Frage des Alters, sondern eher der "Abnutzung" sei entscheidend. Und abgenutzt sieht sich Heß nicht. "Ich bin bis heute Motor von Entwicklungen." Die Gemeinde habe das beste Jahrzehnt der Geschichte hinter sich, Grund auszuruhen sei das für ihn aber nicht. 

Dem neuen Rat wie auch der CDU bietet er im Falle eines Wahlerfolgs eine vertrauensvolle Zusammenarbeit an. Das sei er der Gemeinde, sich selbst und vor allem der Verwaltung gegenüber schuldig. 

"Ich bleibe natürlich auch CDU-Mitglied", so Heß, der am Dienstag auch die Nominierungsversammlung der Finnentroper CDU besuchen wird. "Ich will keine Schlammschlacht. Die Bürger sollen am Ende eines fairen Wettbewerbs entscheiden, wer Bürgermeister wird."   

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Finnentrop - Wie der SauerlandKurier am Donnerstag erfuhr, hat Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß in einer Personalversammlung im Rathaus verkündet, dass er sich im September 2020 nicht mehr zur Kommunalwahl stellen wird. Inzwischen hat sich die CDU Finnentrop zum Vorgang geäußert und mit Achim Henkel einen Nachfolge-Kandidaten benannt. Der SauerlandKurier hatte inzwischen außerdem Gelegenheit mit Heß zu sprechen.

„Ich habe mich zurückgezogen, weil ich nicht den Eindruck eines offenen Verfahrens hatte.“ Einen Tag, nachdem Bürgemeister Dietmar Heß (64) gegenüber den Rathausmitarbeitern seinen Verzicht auf eine weitere Bürgermeisterkandidatur bekannt gemacht hat, blickt er im Gespräch mit dem SauerlandKurier zurück, aber auch nach vorn. 

„Ich bin davon ausgegangen, dass ich einen anderen Abgang verdient gehabt hätte, nach 30 Jahren Arbeit für die Gemeinde. Wir können auf eine hervorragende Entwicklung zurückblicken. Da hatte ich angenommen, dass ich meinen Verzicht öffentlich bekanntgeben kann, und anschließend die Kandidatur in der CDU ausgeschrieben wird.“ Am Donnerstag hatte er in einer Personalversammlung seinen Entschluss bekanntgegeben. „Ich wollte, dass meine Mitarbeiter, die immer loyal zu mir waren und denen gegenüber ich Pflichten habe, zuerst erfahren, wie es weitergeht.“

„Einen anderen Abgang verdient gehabt"

Heß fühlt sich aber nicht als „lame duck“, als lahme Ente. „Ich werde in den mir verbleibenden zehn Monaten weiterhin allen Aufgaben gegenüber der Gemeinde wie bisher nachkommen. Das bin ich den Menschen in Finnentrop, aber auch den Verwaltungsmitarbeitern schuldig.“ Einen Bürgermeister, der sich in den Schmollwinkel zurückzieht, werde es nicht geben. „Dennoch ist mir klar, dass das Verhältnis gegenüber der CDU-Fraktion und Achim Henkel nicht ganz leicht werden wird.“ Er hoffe zum Wohl der Gemeinde auf Vernunft. „Schade, ich wollte mich gern noch einmal zur Verfügung stellen, Ideen habe ich noch genug, und Arbeit ist auch genug da.“ Der Bürgermeister nennt als Beispiele für in naher Zukunft zu bewältigende Aufgaben unter anderem die Regionale 2025, den Regionalplan, in dem Wohn- und Gewerbeflächen für die Zukunft festgelegt werden, die Dorfentwicklung, „dort gilt es, die Eigeninitiative zu fördern und zu unterstützen“, und die „Sicherung des Schulstandortes“, der seiner Meinung nach zu einer selbstständigen Kommune gehöre. Und – fast abgeschlossen – die Modernisierung der Feuerwehrhäuser in der Gemeinde. 

Heß: „Aber ich bin gut auf den Ruhestand vorbereitet, ich bin mit mir im Reinen.“

CDU wendet sich gegen Heß - und dankt ihm

Die CDU in der Gemeinde Finnentrop dankte Bürgermeister Dietmar Heß in einer Pressemitteilung, die kurz nach der Personalversammlung verschickt wurde, für seinen 30-jährigen Dienst als Gemeindedirektor bzw. Bürgermeister der Gemeinde und respektiert seine Entscheidung, bei der Kommunalwahl im September 2020 nicht noch einmal zu kandidieren. Fraktionsvorsitzender Ralf Helmig: „Bürgermeister Dietmar Heß hat in den letzten drei Jahrzehnten durch seine vorausschauende politische Arbeit maßgeblich daran mitgewirkt, unsere Gemeinde Finnentrop zukunftssicher aufzustellen.“

Achim Henkel einstimmig als Kandidat vorgeschlagen

Gemeindeverbandsvorsitzender Dirk Leibe und Ralf Helmig hatten ihre Gremien zusammen mit allen Vorsitzenden der Ortsverbände zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen, um personelle Weichen zu stellen. Die zehn Ortsverbände sind derzeit dabei, ihre Vorschläge für die Kandidaturen in den Wahlbezirken für die Rats- und die Kreistagswahl zu erarbeiten. Für die Bürgermeisterwahl in der Gemeinde wurde Achim Henkel einstimmig von den Anwesenden als Kandidat vorgeschlagen. Damit wendet sich die CDU offenbar deutlich von Heß ab.

Dirk Leibe: „Achim Henkel besitzt das große Vertrauen der Partei und Fraktion und wird somit in der Aufstellungsversammlung, die voraussichtlich im Februar stattfinden wird, als unser Vorschlag für die Bürgermeisterkandidatur ins Rennen gehen. Unabhängig davon kann sich jedes Mitglied, das für die CDU als Bürgermeisterkandidat aufgestellt werden will, bewerben.“

Achim Henkel wird aktuell als CDU-Kandidat für eine Nachfolge von Bürgermeister Heß gehandelt.

Als möglicher Kandidat für eine Nachfolge aus den Reihen der CDU wurde Achim Henkel bereits kurz nach Bekanntwerden von Heß` Entscheidung gehandelt. Der 53-jährige Erste Polizeihauptkommissar ist Leiter der Dienststelle Attendorn-Finnentrop. Seit fünf Jahren ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Rat der Gemeinde Finnentrop - dem er seit 15 Jahren angehört - und unter anderem Mitglied im Verwaltungsrat der neuen Sparkasse Mitten im Sauerland. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und wohnt mit seiner Familie in Bamenohl. Der langjährige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei im Kreis Olpe ist Mitglied im Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes und gilt, so die CDU, als "absoluter Teamplayer".

Im Gespräch mit dem SauerlandKurier gab er einen ersten Überblick über seine Vorhaben, wenn er im Februar von der CDU nominiert würde: "Ich möchte alle Orte im Dialog mit den im Rat vertretenen Parteien, aber auch den  Institutionen und Vereinen und allen weiteren Interessierten vorantreiben."

Die Entscheidung von Heß kam zunächst überraschend, da Heß in der jüngsten Ratssitzung angedeutet hatte, gerne eine weitere Legislaturperiode im Amt bleiben zu wollen. Doch im Hintergrund waren offensichtlich bereits andere Entwicklungen im Gange - wie die Sitzung der CDU-Mitglieder vermuten lässt.

Dietmar Heß ist 64 Jahre alt. Er hat von 1985 bis 1987 als Rechtsanwalt und Notarvertreter in Attendorn gearbeitet. 1989 war der Finnentroper Kreisjustiziar und Leiter des Ordnungsamtes des Kreises Olpe. Von 1989 bis 1997 hat Heß als Gemeindedirektor in Finnentrop gearbeitet und seit 1997 ist er Bürgermeister der Gemeinde. Der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Olpe ist im kommenden Jahr 23 Jahre im Amt.

Heß ist nicht der erste Bürgermeister im Kreis, der sich nicht mehr zur Wahl stellen will. Bereits im September hatte Lennestadts Stadtoberhaupt Stefan Hund erklärt, dass er im kommenden Jahr nicht mehr antritt. Einen neuen Kandidaten für das Amt hat die CDU bereits präsentiert. Anders dagegen die Situation in Attendorn: Bürgermeister Christian Pospischil hat im September bekannt gegeben, dass er sich erneut zur Wahl stellt.

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