Peter Bürger referiert über Josefa Berens und Maria Kahle

Haßprediger der Nazis

Warb für die Umbenennung der Straßen: Peter Bürger.

„Hochkarätige Nazi-Schriftstellerinnen“, „Haßpredigerin“ und „geistige Mittäterschaft“: Klare Worte fand Heimatforscher Peter Bürger am Montagabend im Kino „Schützenhof Lichtspiele“, als er vor rund 80 Zuhörern über Leben und Werk von Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle referierte. Die beiden Schriftstellerinnen sind Namensgeberinnen für zwei Straßen in Bamenohl, deren Umbenennung der Gemeinderat kürzlich ablehnte (wir berichteten). Im Zuge der daraus resultierenden öffentlichen Diskussion hatte der Heimatbund der Gemeinde Finnentrop den Vortrag organisiert.

Josefa Berens-Totenohl bezeichnete Bürger als „nationalsozialistische Bestseller-Autorin“, die sich selbst als unpolitische Märchentante stilisiert habe. Ihre Schriften sprächen jedoch eine andere Sprache. So habe sie 1933 für einen Schullesebogen das Märchen „Der Jude und die Goldstücke“ verfasst. Darin gehe es – nach Art der Hetzkarikaturen der antisemitischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ – um einen habgierigen Juden, der mit seinen „kurzen, krummen Beinen“ und „über alle Straßen bis ans Ende der Welt“ springt.

Ihr „Der Femhof“ (1934) sei als „wichtigster reichsweiter Roman“ verkauft worden. Das Buch bediene den „Blut-und-Boden-Komplex“, und Hetze gegen Sinti und Roma. Ein Zuhörer behauptete, Josefa Berens-Totenohl 1957 persönlich kennengelernt zu haben – als überzeugte Nationalsozialistin. Die Ausrottung des jüdischen Volkes habe sie noch damals als unabdingbare Notwendigkeit bezeichnet.

Maria Kahle positionierte sich Bürger zufolge bereits 1924 in ihrem Band „Gekreuzigt Volk“ mit „rechtsextremen Huldigungen und Hass-Versen“ eindeutig. Auf Propaganda-Reisen, als „Auslandsdeutschtum“ bezeichnet, habe sie für die Nazis und die „Lebensraumerweiterung“ geworben und in ihrem in den 1940er Jahren erschienenen Roman „Umweg über Brasilien“ Juden als „Schmarotzergewächse“ bezeichnet, die vernichtet werden müssten.

Fingierte „Kulturgrößen“

Die beiden NSDAP-Mitglieder Kahle und Berens-Totenohl hätten sich früh mit führenden Rechtsextremisten umgeben und – obwohl Katholikinnen – Adolf Hitler als Erlöser gepreist. Die beiden Frauen seien von den Nazis gezielt von regional bekannten Künstlerinnen zu „Kulturgrößen“ und „Propagandistinnen“ des Dritten Reiches aufgebaut worden und hätten in hohem Maße finanziell davon profitiert. Beide hätten im Rahmen der Entnazifizierung ihre Unschuld beteuert, ohne Reue zu zeigen. Im Zuge des „allgemeinen Verdrängungsprozesses der faschistischen Vergangenheit“ seien sie lange als Heimatdichterinnen durchgegangen.

Peter Bürger warb ausdrücklich dafür, die beiden nach Berens-Totenohl und Kahle benannten Straßen in Bamenohl umzubenennen. Die in Gang gekommene Diskussion begrüßte er ausdrücklich: „Das ist eine echte Chance, denn wir sprechen wieder öffentlich über Dinge, die unsere Verfassung ausmachen.“ Es sei an der Zeit, die Straßen nach Vorbildern zu benennen – etwa nach Pater Kilian Kirchhoff, Josef Quinke oder Maria Autsch. Diese Finnentroper hätten Widerstand geleistet und seien von den Nazis ermordet worden. (Von Sven Prillwitz)

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