Gegen das Corona-Aus

Heimische Gastronomen beteiligen sich an Protestaktion

Mit leeren Stühlen wollen die Gastronomen auf die Sorgen und Nöte des Gastgewerbes aufmerksam machen.
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Mit leeren Stühlen wollen die Gastronomen auf die Sorgen und Nöte des Gastgewerbes aufmerksam machen.

Kreis Olpe – Wer am vergangen Freitag an heimischen Gastrobetrieben vorbeigegangen ist, der dürfte sich gewundert haben. Vielerorts im Kreis Olpe nahmen Gastronomen an der Aktion „Stühle raus“ beziehungsweise „#leerestuehle“ teil. Mit einladend hergerichteten Tafeln aber leeren Stühlen wollten die Gastronomen auf die Sorgen und Nöte des Gastgewerbes aufmerksam machen.

Konkret kritisieren die Gastronomen, gemeinsam mit dem „Dehoga Westfalen“ als größten Arbeitgeberverband für das Gastgewerbe die Reihenfolge der vom Koalitionsausschuss getroffenen Entscheidungen und befürchten weiterhin Tausende von Pleiten im Gastgewerbe. 

„Wir brauchen Liquidität – und zwar jetzt! Jeder Stuhl, der jetzt leer steht, wird auch nicht wieder besetzt! Wenn wir wieder öffnen dürfen und der Betrieb dann langsam wieder anläuft, dann hilft uns zwar der reduzierte Mehrwertsteuersatz, aber bis dahin muss mit einem Rettungspaket gegengesteuert werden“, so Kerstin Mosch von Steinhoffs in Schönholthausen. 

Kein Rettungspaket für Gastronomen

Die Große Koalition hatte sich auf einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 geeinigt, dazu eine gestaffelte Erhöhung des Kurzarbeitergeldes von 60 auf 80 Prozent. Ein eigenes Rettungspaket für das Gastgewerbe wurde nicht vereinbart. 

„Die Lockerungen werden auf unabsehbare Zeit erhöhte Hygiene-Maßnahmen und Mindestabstände bedeuten. Wenn zwischen den Gästen aber zwei Meter Platz sein müssen, Tische nur mit zwei Personen besetzt werden dürfen, kann das in der Praxis bis zu einer Halbierung der Plätze oder sogar noch weniger Gästen führen. Zusammen mit verändertem Gästeverhalten und Konsumzurückhaltung wegen Kurzarbeit und erhöhter Arbeitslosigkeit werden die Umsätze perspektivisch sehr niedrig bleiben. Und das wahrscheinlich bis ins nächste Jahr“, so Kerstin Mosch. Eine große Gruppe von Gastronomen würde mit den bisher getroffenen Maßnahmen jedoch nicht geholfen: „Kneipen, Diskotheken und Clubs schauen weiterhin in die Röhre – dort wo der Hauptumsatz mit Getränken gemacht wird, hilft eine Mehrwertsteuerreduzierung auf Speisen kein bisschen!“ 

Wichtiges Signal

Für die Gastronomen sei der reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Speisen, obwohl er erst einmal nur für ein Jahr gelten soll, ein wichtiges Signal. Die Politik hat erkannt, dass man mit den jetzigen Erträgen Kredite nicht zurückzahlen und keine Liquidität aufbauen kann. „Wir machen uns seit Jahren dafür stark. Und hätte es ihn vorher schon gegeben, wäre die Liquidität vieler Betriebe eine bessere gewesen. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz wird uns helfen, wenn wir wieder Umsätze machen dürfen“, so Kerstin Mosch. „Die Befristung auf ein Jahr ist allerdings eine Katastrophe.“ Die Inhaberin des alteingesessenen Gasthofs, befürchtet, dass auch nach Lockerung der Maßnahmen das Geschäft sehr verhalten starten wird und sich die Reduzierung der Umsatzsteuer daher nur in geringem Maße auf das Betriebsergebnis auswirken wird. 

Hinsichtlich einer Wiedereröffnung der gastgewerblichen Betriebe sind sich Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des „Dehoga Westfalen“, und Kerstin Mosch einig: „Wir brauchen eine Perspektive! Sowohl was die Öffnung der Gastronomie wie auch was die Öffnung unserer Hotels für Touristen angeht.“ Restaurants, Cafés und Gaststätten waren am 23. März bundesweit geschlossen worden, Hotelübernachtungen seit diesem Zeitpunkt ausschließlich für „nicht touristische Zwecke“ erlaubt. Aber auch die Übernachtungen von Geschäftsreisenden und Monteuren sind drastisch zurück gegangen und nur unter besonderen hygienischen Maßnahmen sowie ohne Verpflegung im Restaurant möglich. 

Radikale Beschneidungen des Tagesgeschäftes

Bereits im Vorfeld hatte es wochenlang restriktive Hygienemaßnahmen im Gastgewerbe gegeben, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. „Wir waren die ersten, die schon vor dem Lockdown mit radikalen Beschneidungen unseres Tagesgeschäfts klarkommen mussten. Aber: Wir haben die Notwendigkeit radikaler Maßnahmen für den Gesundheitsschutz erkannt und Tische gerückt, um Abstandsflächen zu schaffen, sinnlose Regelungen zu Öffnungszeiten eingehalten und die Kontaktdaten unserer Gäste auf Listen registriert. Wir haben bewiesen: Wir schaffen das und sind bereit, für unsere Passion, Gastgeber zu sein, mit Einschränkungen zu leben. Und das würden wir wieder tun!“, so Kerstin Mosch. 

Neben dem Gasthof Steinhoff haben sich unter anderem das Restaurant Rhein Weser Turm in Kirchhundem, der ess-Bahnhof in Grevenbrück, der Gasthof Emil Müller in Oberelspe, das Gasthaus Pension Mester in Oedingen sowie das Benediktiner Wirtshaus in Attendorn an der Aktion beteiligt. Auch am kommenden Freitag, 1. Mai, werden einladende Tafeln mit leeren Stühlen auf die landesweite Aktion aufmerksam machen.

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