Die Unterwelt des Frettertales

Höhlenforscher berichten über ihre Arbeit und Entdeckungen

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Zahlreiche Interessierte ließen sich über die Arbeit und neuesten Entdeckungen der Höhlenforscher informieren.

Serkenrode – Auf riesiges Interesse bei den Bewohnern des Frettertales und weit darüber hinaus stieß der Vortrag über die bekannten und eher unbekannten Höhlen in ihrer Region und die dortigen archäologischen Funde.

Auf Einladung des Heimatbundes Gemeinde Finnentrop gewährte Alexander Platte, Vorsitzender der Speläogruppe Iserlohn-Letmathe, den zahlreichen Besuchern in Serkenrode einen spannenden Einblick in seine Tätigkeit als Höhlenforscher. Den Kontakt hatte Daniel Brandes, ehemaliger Gemeindearchivar und selbst Mitglied der Speläogruppe, hergestellt. 

Zunächst erfolgte eine geographische Einordnung der Bigge-Fretter-Kalksenke. Dabei handelt es sich um die nordwestlichere der Attendorn-Elsper-Doppelmulde. Sie zieht sich flussaufwärts der Bigge vom Nordrand des Biggesees über Attendorn bis zur Mündung in die Lenne bei Finnentrop, von dort über Bamenohl und Weringhausen weiter nordostwärts zum Tal des Fretterbaches, entlang dessen dann über Fretter bis unmittelbar vor Serkenrode. 

Für fossile Tierfunde bekannt

Neben der bekanntesten und größten Höhle im Kalksteinbruch bei Fretter, die nach der Auffüllung mit Schlamm und Abfällen aus dem Steinbruch seit 1968 nicht mehr begehbar ist, liegt auch die Deutmecker Höhle in diesem Gebiet. Die unter Denkmalschutz stehende Höhle ist besonders für die fossilen Tierfunde und Artefakte aus der Eisenzeit bekannt. Diese und weitere Höhlenzugänge wurden durch Sprengarbeiten für die Bahnstrecke Anfang des 20. Jahrhunderts sichtbar. 

Alexander Platte berichtete jedoch auch von weiteren Möglichkeiten zum Auffinden einer Höhle. Anzeichen dafür sind besonders Bachschwinden, wie zum Beispiel in der Senke zwischen Schönholthausen und Ostentrop, sowie Dolinenbildung. Die spektakuläre Austrockung des Fretterbaches im Sommer 2016 ermöglichte den Höhlenforschern eine Begehung des Bachbettes und die Suche nach weiteren Höhleneingängen. Als beste Zeit dazu eignet sich jedoch der Winter, da bei Frost die aus den Hohlräumen im Boden aufsteigende warme Luft zu Raureifbildung führt. Bei aktiven Höhlensystemen entstehen durch den Luftzug zudem knöpfchenartige Kalkablagerungen. In seinem reich bebilderten Vortrag stellte Platte verschiedene weitere Höhlen und ihre Erschließung vor: das Eulenloch bei Müllen, eine kleine, etwa 13 Meter lange Höhle, die neuentdeckte Schraubergrotte bei Frettermühle, die inzwischen auf 39 Meter befahrbar ist, und die Serkenroder Schachthöhle mit besonders schönen Fossilien. 

Vorsätzliche Beschädigungen

Als besonderes Highlight erwies sich die erst vor etwa drei Jahren entdeckte Wasserhöhle bei Frettermühle, die nur durch den Einsatz von Höhlentauchern bisher auf einer Länge von 160 Metern erschlossen wurde. Hier befinden sich Stalagmiten und Stalagtiten sowie Sinterfahnen, wie sie aus der Atta-Höhle bekannt sind. Angesichts dieser Jahrtausende alten Naturschönheiten ist es, wie Platte auch zeigte, unbegreiflich, dass bereits vorsätzliche Beschädigungen der Sinterablagerungen stattgefunden haben. 

Im Anschluss an die geologischen Ausführungen erläuterte Daniel Brandes die archäologischen Fundstücke aus der Deutmecker Höhle. Unter den fossilen Tierfunden befinden sich Überreste von Mammuts, Höhlenbären und Wollnashörnern. Menschliche Artefakte stammen erst aus der Eisenzeit. Besonders erwähnenswert ist eine Bernsteinperle von der Ostsee, die an einer Halskette oder an einer Fibel (Spange) als Schmuck gedient haben könnte. Ein Armring aus Glas verweist auf frühe Handelsbeziehungen beispielsweise zum Niederrhein. Die aufgefundenen Keramikscherben stammen von Siedlungsgruppen aus der Zeit um 550 v. Chr. Da in der Höhle Reste von Festmählern und menschliche Schädel und Hände gefunden wurden, lässt sich, wie Brandes resümierte, eventuell auf eine kultische Nutzung der Höhle als Bestattungsort schließen.

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