Dorfgemeinschaft vor Schaden bewahren

Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft „Gegenwind Frettertal“

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Volles Haus: Die Veranstaltung der IG „Gegenwind Frettertal“ fand großes Interesse.

Serkenrode. Auf der Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft „Gegenwind Frettertal“, zu der am Donnerstag 450 Besucher in die Schützenhalle nach Serkenrode kamen, wurde deutlich, dass Windräder nicht nur Landschaft, Gesundheit und Immobilienpreise durcheinanderwirbeln.

Das eindringliche Schlusswort von Johannes Richter, der ruhig und sachlich durch den Abend moderierte, zog sich zuvor wie ein roter Faden durch die Versammlung. „ Bei allen kontroversen Ansichten und gegensätzlichen Interessen ist es uns wichtig, dass wir uns im gegenseitigen Respekt begegnen. Damit wollen wir unsere Dorfgemeinschaft bewahren und verhindern, dass sie dauerhaft Schaden nimmt.“ „Der Bau der Dinger ist verantwortlich für die Spaltung der Dorfgemeinschaft.“ Christof Gerhard vom Bündnis „Gegenwind Südwestfalen“, der mittlerweile 52 Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften angehören, referierte als Fachmann und Betroffener. „Früher bin ich mit dem Traktor über die Wiese meines Nachbarns gefahren, das darf ich heute nicht mehr. Er ist für, ich gegen die Windräder. Mich persönlich macht die Situation im Dorf traurig, denn unsere Kinder kommen nicht in ihre Heimat zurück. Wir werden unser Haus eines Tages verkaufen, allerdings müssen wir durch die Windräder einen 30-prozentigen Wertverlust hinnehmen. Und ich rede von „nur“ drei Windrädern.“ Dass im oberen Frettertal vierzehn, jeweils rund 240 Meter hohe Windräder aufgestellt werden sollen, ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Gesundheitsrisiken immer noch Thema 

Der Mann aus Rehringhausen ging mit der Windkraft hart ins Gericht, verdeutlicht auf Folien und Tabellen: „Das ist keine Energie- sondern eine Stromwende. Es liegt jede Menge Geld im Schaufenster, das sich irgendwer holen will. Dabei gibt es in Deutschland bereits genug Windräder; was fehlt ist Speichermöglichkeit. Gut, ich kann irgendwie verstehen, dass 1,2 Millionen Euro an Pacht, die für den Grundstücksbesitzer in zwanzig Jahren zusammenkommen durchaus lukrativ sind. Aber der sollte dann auch bedenken, was er den Menschen und dem Dorf antut. Außerdem sollten Landverpächter bedenken, dass beim Rückbau der Anlagen der Eigentümer zu Verantwortung gezogen wird.“

Die IG „Gegenwind Frettertal“, der etwa 80 Familien angehören, präsentierte mit Dr. Jochen Ulrich einen weiteren Redner, der sich dem Gesundheitsrisiko durch Windkraftanlagen widmete. Die Besucher erfuhren, dass sich hinter der ärztlichen Diagnose „T 75.2“ ganz offiziell Gesundheitsschäden durch Infraschall von Windkraftanlangen“ verbirgt. Depressionen, Angstzustände, Tinnitus und Schlafstörungen können laut Ulrich durch Infraschall entstehen. „Lärm ist nicht nur das, was man hört. Je größer eine Windenergieanlage, umso mehr wird das Schallspektrum in den nicht hörbaren, aber spürbaren Bereich verschoben. Dagegen gibt es keinen Schutz, nur genügend Abstand kann schützen.“

Infraschall als große Gefahr 

Nach den medizinischen Erkenntnissen gab es zwei vielbeachtete Wortbeiträge von Bürgern aus Finnentrop. Neben Dieter Bitter meldete sich Clemens Bernemann zu Wort, der bereits 2014 in einem Vortrag auf die Gefahr der verminderten Lebensqualität im Fretteral hingewiesen hatte. „Ihr habt hier eine wunderschöne Landschaft. Äcker und Wälder gehören den Landwirten, aber die Landschaft gehört denen nicht. Die Gefahr des Infraschalls spielt eine große Rolle. Die politische Haltung in Finnentrop kann ich nicht nachvollziehen: Wenn ich nicht weiß, ob etwas Schaden oder Nutzen mit sich bringt, lasse ich doch vorerst besser die Finger davon.“ Dabei spielte er auf eine Studie aus Dänemark an, die sich mit den Folgen des Infraschalls befasst und noch in diesem Jahr veröffentlicht wird.

Moderator Johannes Richter bedankte sich bei Rednern und Gästen; zu denen auch viele Ratsmitglieder aus der Gemeinde Finnentrop und Besucher aus dem benachbarten Hochsauerlandkreis gehörten. „Wir wollen die erneuerbare Energie nicht in Frage stellen. Es hat sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir mit dem Bau von beliebig vielen Windädern an beliebig vielen Stellen nicht mehr weiter machen können. Wir müssen die berechtigten Interessen von Anwohnern schützen, unsere Umwelt und Natur bewahren und unsere Heimat erhalten.“

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