Schliprüthen erstrahlte 

100 Jahre Strom: ein Grund zum Feiern

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Laura und Co. wissen Bescheid: Da kommt unser Strom her. Wie vor 100 Jahren kommt der Strom über die Höhe aus Richtung Fehrenbracht nach Schliprüthen.

Schliprüthen - Gemütlich war‘s. Die Ofenhexe knackte vor sich hin und zauberte leuchtende, bizarre Figuren an die Decke. Wenn es dunkel wurde, saß man in der Küche zusammen. Kerzenschein sorgte für ein weiteres, damals „unfreiwilliges“ Ambiente. So muss es gewesen sein – vor 100 Jahren in Schliprüthen.

Ende Oktober 1919 änderte sich die abendliche Programmgestaltung: Der kleine Ort an der östlichen Kreisgrenze wurde an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. „100 Jahre Strom in Schliprüthen“ – für die Dorfbewohner ein Grund zum Feiern. 

Das dörfliche Organisationsteam um Änne Mette ließ dazu die alte Zeit im Jugendheim des Ortes wieder aufleben. „Es brannten nur Kerzen. Musik gab es auch nicht, denn CD-Spieler laufen nun mal mit Strom. Und den hatten wir ja noch nicht.“ 

Dafür gab es zünftige Speisen. Nicht a la carte, sondern a la „anno dazumal“. Aber lecker: Strammer Max mit Schinken und Spiegelei, Pfannkuchen und Schmalzbutterbrote standen zur Auswahl. Moment Mal – zubereitet ohne Strom? Änne Mette klärt auf: „Nicht unbedingt. Wir haben die Herdplatten in der kleinen Küche nebenan benutzt. Aber wir haben die Tür zugemacht, hat keiner gesehen.“ Wie dem auch sei: Mehr als 70 Einwohner futterten und klönten bei Kerzenschein bis weit nach Mitternacht. Beim anheimelnden Dorfabend waren auch die Jüngsten des Ortes mit dabei. „Wir mussten den Kindern immer wieder erklären, wie der Tagesablauf ohne Strom war.“ 

In der alten Schulchronik von Schliprüthen hat Lehrer Josef Beyer den denkwürdigen, ersten Stromtag dokumentiert. „Der Strompreis wird auf 20 Pfennig pro Kilowattstunde festgelegt. Der richtet sich wiederum an die Abnahmestellen im Haus.“ Will heißen: Je mehr Steckdosen, desto höher die Stromrechnung. Ältere Zeitgenossen werden sich erinnern: An der Lampe über dem Küchentisch befand sich eine „Zusatzentnahmestelle.“ Dadurch konnten kostenpflichtige Steckdosen gespart werden. Apropos Kosten: Eine Handliste aus dem Nachbarort Salwey im Hochsauerlandkreis, das ein Jahr später ans Netz ging, lag auch in Schliprüthen aus. Dort war nachzulesen, wofür man eine Kilowattstunde nutzen konnte: Entweder 15 Koteletts braten, 60 Tassen Kaffee kochen, sieben Pfund Kartoffeln rösten oder 120 Eier zubereiten.

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