Von Finnentrop bis Finnland

Jule Ullrich fährt mit Hündin Lee zur Agility-Weltmeisterschaft 

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Jule Ullrich mit ihrer Sheltie-Hündin. 

Finnentrop - Agility (zu Deutsch Behändigkeit) ist eine beliebte, aus England stammende, Hundesportart, die Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Gehorsamkeit eines Hundes auf die Probe stellt. Geduld und Ruhe lauten die Zauberwörter eines langen Lernprozesses. Das weiß auch Jule Ullrich aus Finnentrop, die seit ihrem neunten Lebensjahr mit den Vierbeinern zusammenarbeitet.

Die 18-Jährige nimmt im Sommer mit ihrer Hündin Lee an der Agility-Weltmeisterschaft im finnischen Turku teil. Bis zur Qualifikation für Meisterschaften auf nationaler Ebene ist es ein langer Weg. Die Leidenschaft für Hunde und ein harmonisches Verhältnis zwischen Tier und Mensch sind Grundvoraussetzungen, um das intensive Training die herausfordernden Parcours zu bewerkstelligen.

Ihre Liebe zum Agility-Sport wurde früh geweckt: „Ich bin mit Hunden großgeworden, meine Eltern hatten immer welche.“ Schon als Neunjährige begleitete sie ihren Vater regelmäßig auf einen Hundeplatz in Lenhausen. „Wir hatten früher einen Rettungshund, mein Vater hat dort trainiert und ich war oft dabei.“ Parallel wurden Agility-Kurse angeboten, die die Aufmerksamkeit von Jule Ullrich weckten. Seit 2009 trainiert die junge Frau die Vierbeiner — anfangs noch mit einem Leihhund des Hundetrainers. Mit zwölf Jahren gab es dann die erste eigene Sheltie-Hündin namens Lee und eine ganze Menge Verantwortung.

Lee im Parcour.

Die Bindung des Tieres zum Menschen kostet viel Zeit: „Man muss früh mit dem Training anfangen“, rät die Finnentroperin, das erleichtere den Lernprozess. Dazu zähle die Fütterung aus der Hand und das Abrufen von Tricks wie Sitz oder Platz, bevor es Mahlzeiten oder Leckeren gibt. Konsequenz und Langatmigkeit haben sich ausgezahlt: Schon 2015 sicherte sie sich den Europameistertitel der Junioren. Ihr Erfolg setzt sich in der Erwachsenen-Liga fort: Im Juni nimmt sie abermals an der Europameisterschaft teil, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Finnland ist ebenfalls gesetzt.

Die Voraussetzungen

Gesunde Knochen und Gelenke, Normalgewicht und eine gültige Tollwutimpfung sind Pflicht. Die Tiere müssen mindestens 18 Monte alt sein. Hundebesitzer müssen zudem eine Hundebegleitprüfung vorweisen. Je nach Rasse und Größe sollten Hunde dem Sport maximal bis zum neunten Lebensjahr (umgerechnet 63 Menschenjahre) nachgehen. „Danach ist die Belastung einfach zu groß“, weiß Ullrich.

Das Procedere

Für die Europameisterschaft finden an drei Wochenenden Qualifikationsturniere statt, an denen Punkte gesammelt werden. Nach dem zweiten Wochenende stehen die EM-Teilnehmer fest. Dabei gibt es drei Gewichtsklassen: small, medium und large. Die besten acht der small- und medium-Klasse sowie die besten 16 der Kategorie large qualifizieren sich für die Europameisterschaft. Austragungsort ist in diesem Jahr im holländischen Arnheim. Am dritten und letzten Wochenende qualifizieren sich die besten 16, in der Klasse large die besten 32 für die Weltmeisterschaft.

Titelchancen bei der WM rechnet sich Jule Ullrich zwar nicht aus, mit einem 15. Platz wäre sie dennoch „mehr als zufrieden.“ Eine Top-Platzierung sei aber kein Muss. Bei dem Training dürfe letztendlich der Spaß nicht zu kurz kommen.

Kritikpunkt: Hunde stehen unter Zwang

„Ich merke, dass die Hunde wirklich Spaß an der Sport haben, immerhin werden sie von klein auf mit Futter und Spielzeug ausgebildet“, versichert Jule Ullrich. Viele Tiere könnten es kaum abwarten, loszusprinten und den Parcour zu durchlaufen. Die Motivation sei auf beiden Seiten hoch. Diese nehmen einige Hundebesitzer jedoch zu ernst. Wie auch beim menschlichen Leistungssport werden die Hunde Dopingtests unterzogen. Ihre Sheltie-Hündin Lee darf bald in „Rente“ gehen, für Nachwuchs hat Jule Ullrich dagegen schon gesorgt – vor wenigen Wochen adoptierte sie einen Welpen.

Hintergrund 

Der Sport ist kostspielig, Reisen sind Eigenleistung. Die Agility-Nationalmannschaft ist auf Spenden angewiesen. 

  • WM-Team Alexander Beitl 
  • IBAN: DE45577615910528817002 
  • BIC: GENODED1BNA
  • Volksbank RheinAhrEifel

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