Tabormesse mit Weitsicht

Kapuzinerpater Joachim Wrede rechnet mit Raubbau ab

Pater Wrede nahm die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus als Grundlage zu einer Generalabrechnung in Sachen Raubbau an der Natur.
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Pater Wrede nahm die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus als Grundlage zu einer Generalabrechnung in Sachen Raubbau an der Natur.

Weuspert – Anschauungsunterricht, Meditation oder schlichtweg Sternstunde: Die Definition lag im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall war es ein Gottesdienst mit Weitsicht: Die „Tabor-Messe“ in Erinnerung an das Geschehen am Berg Tabor in Israel, als Jesus seinen Jüngern erstmals in göttlicher Gestalt erschien, belebte Geist und Sinn. Kapuzinerpater Joachim Wrede (Schliprüthen) zeigte vor der eindrucksvoller Kulisse, das Kirche fernab von weltfremden, hierarchischen Erlassen durchaus begeistern kann.

Vom Sportplatz in Weuspert ging es steil bergauf und es war brütend heiß. Trotzdem trafen sich zur Messfeier auf der Bergwiese von Familie Knoche (Klingelborn), viele naturverbundene Zeitgenossen, denen Glaube und Umwelt nicht egal sind. Pater Wrede, der die nicht immer in der Amtskirche vorhandene Gabe besitzt, Worte der Sonntagspredigt auch alltags in die Tat umzusetzen, nahm die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus als Grundlage zu einer Generalabrechnung in Sachen Raubbau an der Natur. 

„Unsere Lebensmittel haben nicht mehr die Qualität, wie zur Zeit unserer Vorfahren, die – ob sie es wollten oder nicht – Bioprodukte erzeugten, da sie keinen Kunstdünger und keine Pestizide und Herbizide zur Verfügung hatten. Wir müssen zurück zur gesunden Ernährung. Schnell produzierte Lebensmittel machen uns zu lebenden Mülleimern, da gewisse Chemikalien nicht vom Körper abbaubar sind.“ 

Und weiter, mit Blickrichtung an die politischen Vertreter: „Nur zu sehr haben Politiker auf die Wirtschaft gesetzt und darauf vertraut, dass die Wirtschaft allein einen Weg finden wird. Der Papst fordert dazu auf, dass alle Kräfte zu Wort kommen und sich zu einem „interdisziplinären Dialog“ zusammenfinden.“ 

Steckenpferd "Windkraft"

Der Gottesmann, der sich auch privat sehr für den Naturschutz einsetzt, kam im Lauf seiner Predigt seinem Steckenpferd „Windkraft“ immer näher. „Die Fridays-for-future-Bewegung, auch wenn man sie kritisch sehen kann, Coronakrise und die langanhaltende Dürre machen nachdenklich. Windindustrie im Wald, noch dazu in einem Naturpark, ist ein unerhörter Tabubruch. Der Wald als Sauerstoffspender und CO2-Senker darf unter keinen Umständen durch eine Übergangs- und Nischentechnik, die überdies nicht grundlastfähig ist, nachhaltig zerstört werden. Den Politikern möchte ich sagen: Bitte kommt zur Vernunft.“ 

Bekanntlich planen Investoren, in der Gemeinde Finnentrop 240 Meter große Windkraftanlagen zu errichten. Bei freien Blick auf die Kämme des Rothaargebirges muss es den politisch engagierten in den Ohren geklingelt haben: „Lasst euch nicht von Lobbyisten bestimmen, die nur ihr eigenes Schäfchen ins Trockene bringen wollen! Auch kommende Generationen sollen noch Wald unversehrt erleben dürfen.“ 

Die Besucher der „Tabormesse“, die sich aufgrund der 35 Grad Hitze weitgehend unter schattenspenden Bäumen platziert hatten, spendeten nicht nur Pater Wrede Applaus. Auch Norbert Libera (Schönholthausen), dessen Trompetenklänge weit über Berg und Tal schallten und die Organisatoren des außergewöhnlichen Gottesdienstes, bekamen nach dem eucharistischen Segen ihren verdienten Beifall.

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