Küsterin „kann“ auch Pastor

Änne Mette bereitet seit 20 Jahren angehende Messdiener vor

Ungleiches Trio am Altar: „Azubi“ Marcel Aufmkolk (l.) wurde bei den Proben von Benedikt Wüllner zum „Pastor“ Änne Mette dirigiert. Foto: Friedhelm Tomba

Schliprüthen. Auch Messdiener sein will gelernt sein. Nach den Sommerferien beginnen in den Pfarrgemeinden üblicherweise die Vorbereitungen für die Aufnahme neuer Altarhelfer. Ungewöhnliches tut sich in Schliprüthen.

Zu zweit nebeneinander in die Kirche einziehen und gemeinsam Kerzen tragen, Gaben bringen und Klingeln: die Ministrantenausbildung baut auf Partnerarbeit. In den meisten Pfarrgemeinden wird der „Nachwuchs“ am Altar nicht von Priestern, sondern von Laien ausgebildet.

In Schliprüthen, das mal mehr oder weniger an der 150 Einwohnerzahl kratzt, wird das Problem des „Priesterlosen Übens“ seit 20 Jahren auf ortsübliche Weise gelöst.

Küsterin Änne Mette schlüpft bei den Übungsstunden kurzerhand in die Rolle des Pastors und bestätigt damit einmal mehr, wie wichtig die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche geworden ist.

50 Messdiener hat Änne Mette in den zwei Jahrzehnten ausgebildet; diesmal kam jedoch eine weitere Herausforderung hinzu: Mit Marcel Aufmkolk stand nur ein „Lehrling“ im Aufgebot der Nachwuchsgilde. Üben ohne Partner?

Das geht nicht. Der angehende Ministrant holte kurzerhand seinen Nachbarn Benedikt Wüllner mit ins Boot; der erfahrene Messdiener kennt sich beim Dienst am Altar bestens aus.

Zwei Monate lang traf sich jeden Mittwoch nach der Abendmesse ein ziemlich ungleiches Trio in der altehrwürdigen St. Georgs-Kirche. Ausbilder Benedikt Wüllner (15) dirigierte „Azubi“ Marcel Aufmkolk (10) durch den Altarraum zu Küsterin Änne Mette (67), die als „Pastor“ Wein und Wasser entgegennahm.

„Wir haben meistens drei Messen in einer halben Stunde geschafft.“ Nach (un)bestätigten Meldungen soll die rührige Frau im Dienst der Kirche allerdings auf die Predigt verzichtet haben... Marcel Aufmkolk haben die Proben auf jeden Fall viel Spaß gemacht – zumal es „nach der dritten Messe“ immer etwas Leckeres aus dem großen Schrank in der Sakristei gab.

Am Sonntag stand Änne Mette – nachdem sie lange vor dem ersten Kirchenbesucher alle Vorbereitungen für die Messfeier abgeschlossen hatte – wieder im Hintergrund. Pfarrer Raimund Kinold konnte dem neuen Messdiener als Pastoralverbundleiter in einem feierlichen Gottesdienst Plakette und Ausweis aushändigen.

Erst nach den Sommerferien, wenn die Kommunionkinder des folgenden Kirchenjahres zur ersten Messdienerübungsstunde kommen, wird die Frau in der Kirche wieder als „Pastor“ aktiv werden.

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