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Bei Metten in Finnentrop: Die „Dicken“ sind echte Frühaufsteher

Das Brät wird verfüllt. Metten verwendet dafür ausschließlich Naturdarm.
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Das Brät wird verfüllt. Metten verwendet dafür ausschließlich Naturdarm.

Finnentrop. Flinke Finger greifen in ein Meer aus Würstchen. Es sind hunderte, die sich da auf dem Förderband immer wieder im Kreis drehen und wenden. Irgendwann kommt jede dran. Die Finger schnappen sich genau fünf Stück und lassen sie gekonnt in einer Dose verschwinden. Direkt nebenan dasselbe Spiel. Acht Hände packen so rund 20.000 Würstchen pro Stunde in die Dosen. Die Morgenproduktion der „Dicken Sauerländer“ bei Metten in Finnentrop ist in vollem Gang.

Knapp eine Stunde zuvor, es ist Punkt vier Uhr: Ich schlüpfe in einen weißen Ganzkörperanzug, ziehe eine Haube über den Kopf und verstecke meine Schuhe in einem Überzieher. Nachdem ich ein Blatt Papier mit wichtigen Hygiene-Vorschriften und Verhaltensregeln unterschrieben habe, muss ich auch den Ehering ablegen. Keime können schließlich überall lauern, lehrt mich das Blatt. Dann geht es zum Händewaschen. Zuletzt durchlaufe ich noch eine Art Schleuse. Die reinigt die Schuhe quasi im Vorübergehen. Oben stecke ich meine Hände in ein Metallgehäuse, das mir einen Desinfektionsspritzer auf alkoholischer Basis verpasst. Kräftig verreiben – und wir können die Produktionsräume betreten.

„Die Bude schläft nie“

Die rund 60 Mitarbeiter in den verschiedenen Produktionsabteilungen sind gerade dabei, die Maschinen für die neuen Chargen einzurichten. Der Edelstahl blitzt. Die Nachtschicht hat alles sauber hinterlassen, so wie es sein soll. Es kann also von vorne losgehen. „Die Bude schläft nie. Wir haben keinen Stillstand“, lacht Produktionsleiter Peter Schipper auf unserem Weg in die Produktionsräume. Gerade verlässt der letzte Lkw die Laderampe am Wareneingang. Neues Roh-Material ist frisch eingetroffen, selbst geschlachtet wird in Finnentrop schon länger nicht mehr. Von der Laderampe wird das Fleisch in gut gekühlte Lagerräume transportiert. Von hier holen sich die einzelnen Abteilungen ihren Bedarf dann ab.

Echte Handarbeit: Die Mitarbeiterinnen packen immer fünf Würstchen in eine Dose.

Brühwurst, Rohwurst, Kochpökel und Aspikprodukte werden in den Abteilungen hergestellt, erzählt Peter Schipper. Aha… Beispiele gefällig? In den Bereich Brühwurst fallen die „Dicken Sauerländer“ oder die klassische Fleischwurst. Hitze und Wasser spielen bei der Herstellung eine wichtige Rolle. Ganz im Gegenteil zur Rohwurst, bei deren Produktion Salze und Bakterien zum Einsatz kommen. Salami oder Mettwürstchen sind klassische Beispiele für eine Rohwurst. Bekanntester Vertreter der Kochpökelwaren dürfte der Schinken sein. Aspikprodukte zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus. Erlaubt ist, was schmeckt und so finden sich zum Beispiel Hähnchenteile gepaart mit Mandarinen und Ananas in dem Gelee wieder. Bis zu zehn Tonnen Rohwurst und rund 30 Tonnen Brühwurst werden am Standort in Finnentrop täglich hergestellt. Außerdem rund 25 Tonnen Kochpökel und rund 5 Tonnen Aspikprodukte, klärt mich der Produktionsleiter auf.

Über 100 verschiedene Produkte werden hier insgesamt hergestellt. Wir gehen weiter Richtung Brühwurst-Abteilung – dem Klassiker aus dem Hause Metten, der „Dicken Sauerländer“, auf der Spur. Erst als wir an den leeren, frisch gereinigten Raucherzeugern – Laien würden wohl Räucherkammern sagen – vorbei kommen, meldet sich zum ersten Mal meine Nase bei mir. Und das nicht gerade nett – schon gar nicht für diese Uhrzeit. Kaum zu beschreiben, auf jeden Fall penetrant unangenehm riecht das Gemisch aus Rauch- und Reinigungsrückständen. „Manchen wird hier tatsächlich schlecht“, weiß Peter Schipper. Ich halte durch und schon im nächsten Raum ist der Geruch verflogen. Überhaupt hätte ich mir die Düfte in einer Fleischwarenproduktion intensiver – um nicht zu sagen schlimmer vorgestellt. Doch von Gestank in der Luft keine Spur. Erst als wir uns der Produktion der „Dicken Sauerländer“ nähern, schleicht sich ihr typischer Geruch in die Nase.

Der ist deutlich angenehmer als der von eben. Auffällig auch: Jeder Kollege, den wir auf unserem Weg bis hierher getroffen haben, hatte ein freundliches „Guten Morgen“ für uns übrig. So klingt es uns auch in dem Raum entgegen, in dem der Kutter steht. Diese Maschine zerkleinert und vermischt die verschiedenen Zutaten für die „Dicken Sauerländer“ bis eine ganz feine Masse entsteht.

Während die Maschine arbeitet, ist Gelegenheit für ein Gespräch mit dem Produktionsleiter. Peter Schipper feiert im kommenden Jahr sein 30-jähriges Jubiläum im Hause Metten. Der gelernte Metzger hat hier viele Stationen durchlaufen und ist seit rund sieben Jahren Produktionsleiter. Die Freude an seinem Job ist ihm anzumerken.

„Wurst machen, das ist einfach mein Ding“

„Es ist die Kreativität. Was man aus einem Lebensmittel alles machen kann, begeistert mich“, beschreibt er seine Leidenschaft für den Job. „Wurst machen, das ist einfach mein Ding.“ Ein Mitarbeiter schiebt Nachschub an den Kutter. Wieder ein nettes „Guten Morgen“. Peter Schipper entgegnet ihm den Wunsch und ergänzt unser Gespräch: Wir haben hier eine sehr familiäre Atmosphäre und ein gutes Betriebsklima. Das spielt natürlich auch eine Rolle.

Zum Schluss wird noch Salzlake in die Würstchendosen gefüllt, bevor sie verschlossen und haltbar gemacht werden. Fotos: Christian Weber

Inzwischen ist die Masse im Kutter fertig. Eine Station weiter wird sie in Naturdärme gefüllt. Das passiert nur zum Teil automatisch, immer sind auch Menschen im Spiel. Es ist überhaupt erstaunlich, wie viel Handarbeit in der gesamten Produktionskette steckt. Jetzt kommen wir in die Halle, in der die „Dicken“ ihren Weg in die Dose finden. Vier Mitarbeiterinnen stehen vor dem Fließband und packen unermüdlich Würstchen in Dosen. Immer fünf Stück. Wieder und wieder und wieder. In Spitzenzeiten – das ist vor Weihnachten und zum Karneval – verlassen täglich über 50.000 Dosen die Firma. Zum Schluss werden die Dosen verschlossen und in so genannten Autoklaven haltbar gemacht. Über die Kommissionierung geht es dann zur Verladerampe und von hier aus in die Welt. Die weiteste Reise einer Palette führte sogar bis Japan. Hauptumsatzgebiet der „Dicken Sauerländer“ ist allerdings NRW. Das Erfolgsgeheimnis der deutschen Nummer eins unter den Markenwürstchen? „Der knackige Biss. Der leicht rauchige Geschmack und eine gute Würzung“, weiß Peter Schipper. Er ist Teil eines hausinternen Teams, das die Qualität der Waren täglich per Verkostung überprüft. Die Zahlen geben dem Kurs des Finnentroper Unternehmen recht: Entgegen dem Markttrend wachsen die Absätze der „Dicken“ seit Jahren an. Beste Aussichten also, dass sich das Meer aus Würstchen wohl noch lange weiterdrehen und wenden wird.

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