Klänge Teil der Region

Die Musik als „Eisbrecher“: Trompeter Norbert Libera über seine Wahlheimat

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Nobert Liberas Trompetenspiel verleiht den Gottesdiensten der Region seit 20 Jahren musikalischen Glanz.

Schönholthausen. Norbert Libera, ursprünglich aus Polen, gelang vor 20 Jahren am Heiligen Abend der „Durchbruch“, der ihn näher an die Menschen in der Region heranführte. Auf seiner Trompete spielte er seine Version von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Eine Weihnachtsgeschichte.

Vor genau 200 Jahren trugen Franz Gruber und Joseph Mohr in einer kleinen Kapelle in Oberndorf bei Salzburg den Kirchgängern ein neues Weihnachtslied vor. Der Startschuss zur Reise um die Welt war gefallen: „Stille Nacht, heilige Nacht“ gilt als das weltweit bekannteste und beliebteste Weihnachtslied. Der Zauber von Hoffnung und Trost erklingt mittlerweile in über 300 Sprachen und wurde somit einer Brücke zwischen den Kontinenten. 

So eine Brücke schlug auch Norbert Libera, der mittlerweile hier in der Region beheimatet ist. „Es war nicht einfach, hier im Sauerland dazwischen zu kommen. Ich war ein Fremder und sprach kaum Deutsch.“ Der Mann aus der Region Oppeln/Polen hatte neben jeder Menge Zuversicht auf ein neues, glückliches Leben in Deutschland auch seine Trompete mit im Gepäck. 

Wie für die „Macher“ des Liedes vor 200 Jahren, stand auch diesmal eine kleine Kirche im Mittelpunkt des Geschehens. In der Christmette der St. Georgs Kirche Schöndelt machte es keinen Unterschied, das auf den Notenblättern des Trompeters nicht „Stille Nacht, heilige Nacht“ sondern „Cicha noc, swieta noc“ stand. Die „polnische“ Variante traf das Herz der Gläubigen. 

Vermieterin musste beim Üben zuhören 

Den Weg zur Gottesdienstgestaltung ebnete Marlene Küthe aus Fretter. Dort hatte Familie Libera nach ihrem Umzug aus Polen eine Mietwohnung bezogen. „Die hat mir wohl oder übel beim Üben auf der Trompete zuhören müssen. Irgendwann hat sie mich gefragt, ob ich nicht mal in der Kirche spielen könnte.“ Der damalige Pfarrer Pastor Josef Klenz wurde damals auf den polnischen Virtuosen aufmerksam und zur Heiligen Nacht 1998 erklang im kleinen Bergdorf an der östlichen Kreisgrenze erstmals Liberas Trompetenversion der Heiligen Nacht: „Das hat mir Türen geöffnet“. 

Norbert Libera: „Ich bin Gott und den Menschen von ganzen Herzen dankbar, dass ich hier so gut aufgenommen worden bin.“ Die musikalische „Kontaktbrücke“ erleichterte der Familie aus dem Osten das neue Leben im unbekannten Westen. Trompetenklänge Liberas gehören seit 20 Jahren zum Gemeindeleben der Region. 

Die Familie zog später nach Schönholthausen, die Verbindung zur Kirche blieb. Wenn es irgendwo festlich wird, ist Nobert Libera mit seiner Trompete dabei. Egal ob Wallfahrt in Eslohe oder Messfeiern in polnischer Sprache. „Ich verstehe mein Trompetenspiel als Dienst für Gott in der Kirche und den Menschen. Besonders bedanken möchte ich mich bei meinem Pastoralverbund Bigge-Lenne-Fretter-Tal. Dort darf ich oft bei der Gottesdienstgestaltung mitwirken.“ Aber auch „weltliche Verantwortliche“ haben Liberas Können entdeckt, so wirkte er beim Konzert des Männergesangsverein Bamenohl mit. 

Der gelernte Dreher aus Polen denkt an sein erstes Aufspielen im Frettertal vor 20 Jahren zurück. „Ich glaube, dass ich mich besonders bei meiner damaligen Vermieterin bedanken muss. Die hat viel Geduld gehabt, denn auf einer Trompete zu üben ist ja nicht gerade geräuschlos.“ Pastor Jochen Andreas (Heggen) fasst zusammen, was sich wie ein roter Faden durch Liberas Tonfolgen zieht: „Aus seiner Trompete ertönt ein tiefer Glaube, der sein Innerstes und sein ganzes Leben prägt. Sein Trompetenspiel ist überzeugt und überzeugend.“

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