Wilfried Schröder nimmt Abschied

Ostentroper als Organist in Schliprüthen „dreimal um die Welt gefahren“

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Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand und Pfarrverbundleiter Raimund Kinold bedankten sich bei Wilfried Schröder (2.v.r.) und seiner Frau Anne.

Schliprüthen/Ostentrop. Es waren bewegende Momente. Das „Lourdes-Lied“, das sich Wilfried Schröder zum Abschluss seiner Tätigkeit als Organist im Frettertal selbst gewünscht hatte, wollte gar nicht enden.

Nach dem letzten Ton und einigen versteckten Tränen weiter, erlebte man Pfarrer Raimund Kinold und Pater Joachim Wrede sowie die Kirchenbesucher in ungewohnter Position: Mit Blick zur Orgelbühne gab es in der St.-Georgs-Pfarrkirche Schliprüthen lang anhaltenden Applaus.

Wilfried Schröder hatte schon vor einigen Wochen angekündigt, dass er nach 62 Dienstjahren als Kirchenorganist (der SauerlandKurier berichtete in Teilen seiner Ausgabe) am 1. Advent endgültig das Notenbuch beiseite legt. „Unser Organist hat die Kirchenorgel bis zu ihrer Renovierung oft als Schlaglochstraße bezeichnet. So geht es uns auch manchmal im Leben, trotzdem führt der Weg hin zu Gott. Wilfried Schröder hat uns dabei gut, ordentlich und festlich begleitet.“ Pfarrer Kinold dankte dem Mann an der Orgel noch während des Sonntagsgottesdienstes, zahlreiche Freunde, Bekannte, Vereinsvertreter und Wegbegleiter verabschiedeten sich nach der Messe in einer kleinen Feierstunde im Jugendheim des Ortes von ihrem liebgewonnen Organisten.

36 der insgesamt 62 Dienstjahre „verbrachte“ Wilfried Schröder, der in Ostentrop zu Hause ist, an der historischen Kirchenorgel von 1681.

31.104 Lieder gespielt

Küsterin Änne Mette hatte zwischen Altar eindecken und Kerzen anzünden den Taschenrechner bemüht: „Wenn man davon ausgeht, dass er in den 36 Jahren rund drei Messen pro Woche gespielt hat, kommt man auf die Gesamtzahl von 5184 Gottesdiensten. Rechnet man dann die gespielten Lieder zusammen, ergibt das die unvorstellbare Zahl von 31.104 Lieder – die vielen Hallelujahs nicht eingerechnet.“

Die findige Küsterin, die sich auch im Namen der gesamten Dorfgemeinschaft bedankte, ging aber noch einen Schritt weiter. „Wilfried fuhr jedes Mal von Ostentrop nach Schliprüthen und zurück, das ergibt für einen Einsatz zusammen 22 Kilometer. Alles addiert, komme ich auf 123.552 Kilometer. Da der Äquator 40.000 Kilometer misst, ist Wilfried also in den 36 Jahren dreimal um die Welt gefahren.“

Nicht eingerechnet in diese Zahlenspiele sind die 26 Jahre, die er vor seiner Schliprüthener Zeit bereits als Organist unterwegs war.

Stefan Adami dankte dem Musiker „mit dem gewissen Extra“ im Namen von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat.

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