Freie Wähler erteilen Windkraft in Finnentrop klare Absage

Verringerte Lebensqualität

Ostentrop. Nach den Diskussionen um die Errichtung eines Windparks in Ostentrop (wir berichteten) ist nun auch Serkenrode in dieser Thematik um ein Kapitel reicher.

Die Freien Wähler für Finnentrop (ehemals FÜR Finnentrop) hatten ihre Fraktionssitzung in die Freizeit- und Bildungsstätte verlegt – und erhielten überraschenden „Besuch“. Clemens Bernemann legte gleich seinen Standpunkt offen – und den der gesamten Fraktion: „Ich bin nicht gegen Windkraft, aber ich bin gegen Windkraft in Finnentrop.“

Der zweite Vorsitzende der „Freien Wähler“ hatte sich akribisch auf die öffentliche Sitzung vorbereitet und führte die Besucher aus Serkenrode, Fretter, Ramscheid und Schliprüthen mittels Powerpoint-Präsentation in die Welt der Kontrapunkte gegen Windkraft. „Windräder zerstören die Harmonie einer Landschaft und verschlechtern die Lebensqualität der Anwohner. Grundstücke in der Nähe von Windrädern verlieren erheblich an Wert, Profit gibt es nur für die Grundbesitzer und Betreiberfirma. Unsere Gemeinde verfolgt dabei imaginäre Geldversprechungen“, kritisierte Bernemann.

Seinen Berechnungen zufolge kann ein Windrad einem Grundbesitzer pro Jahr bis zu 70.000 Euro an Pachtkosten einbringen.

Als weiteres Argument gegen die Anlagen führte Bernemann Risiken für die Umwelt an. „In der Gondel eines Windrades befinden sich mehr als 1000 Liter Hydrauliköl. Nicht auszudenken, wenn das mal brennt. Nicht zu vergessen: der Schwarzstorch, den es zu schützen gilt. Ich habe ihn schon selber hier in den Wiesen vor Serkenrode stehen sehen“, so Bernemann. Windräder verursachten Lärm, veränderten das Landschaftsbild im negativen Sinne, erzeugten für den Körper spürbaren ungesunden Ultraschall und könnten für unkontrollierten „Eisschlag“ sorgen.

Durch einen Zufall nahm die Sitzung dann noch einen gänzlich unerwarteten Verlauf. Zum Erstaunen der „Freie Wähler“-Vertreter und Besucher gesellte sich mit Stefan Reimering ein hochrangiger Vertreter der „Gegenseite“ in die Runde. Der Projektentwickler der Firma „SL Windanlagen“ aus Gladbeck hatte eine Stunde zuvor im Sportheim des Ortes ebenfalls zu einer Versammlung eingeladen. Dort trafen sich Besitzer und Anlieger des „Suchraums 6 B.“

„Rededuell“ mit Energieversorger

Die Firma „SL“ möchte rund um den „Hexenstein“ (Schöndelter Höhe) ihre Windräder aufstellen. Bisher war nur bekannt, dass die Stadtwerke Aachen (STAWAG) mit ihrem Windradvorhaben zwischen Serkenrode und Schliprüthen (Suchräume 3 und 4) eifrig tätig sind.

Es kam, wie es kommen musste: Bernemann und Reimering, der auch für die politische Kommunikation seiner Firma tätig ist, lieferten sich ein wortreiches Gefecht zum Thema Windpark. Als die Kontrahenten sich in Fachbegriffe verrannten, beendete der Zuruf eines Besuches aus Fretter („Darum geht es doch gar nicht!“) das Rededuell. Daraufhin ging es ans Eingemachte, die Besucher brachten ebenfalls ihre Bedenken gegen die Errichtung von Windkraftanlagen und die (Vor-)Planungen vor.

Als Bernemann einmal mehr Bürgermeister Dietmar Heß in die Pflicht nahm – der „endlich die Bürger offen und ehrlich über den Stand der Dinge informieren“ müsse, gab es aus der Zuhörerschaft Widerspruch: „Es ist falsch, immer den Bürgermeister vorweg zu schicken. Anscheinend haben wir hier im Ort Grundbesitzer, die das Netz privatwirtschaftlich aufbauen wollen und schon lange Vorverträge mit Windparkbetreibern abgeschlossen haben, von der die Gemeinde nichts wusste“, sagte ein Zuhörer.

Nach fast drei Stunden beendete das Schlusswort von „Freie Wähler“-Vertreter Christian Vollmert die öffentliche Fraktionssitzung. „Alle Beratungen und Verhandlungen sind in öffentlicher Sitzung vorzunehmen. Es darf keine Absprachen hinter verschlossenen Türen geben“, forderte er.

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