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Vollmert attackiert Heß und CDU

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Als es am Dienstagabend um die Schulsituation ging, war sich der Großteil des Gemeinderates einig: Die Vorzüge der Gesamtschule, an der für das kommende Schuljahr bislang lediglich 67 Anmeldungen eingegangen sind, sollen künftig intensiver beworben werden (siehe Infokasten). Für Misstöne sorgte Christian Vollmert von den Freien Wählern für Finnentrop). Er warf Bürgermeister Dietmar Heß und der CDU-Fraktion vor, die Entwicklung der Schullandschaft falsch eingeschätzt und die Gründung der Gesamtschule „beratungsresistent“ durchgesetzt zu haben.

Im Dezember 2011 hatte der Rat beschlossen, die Gemeinschaftshauptschule und die Nikolaus-Kopernikus-Realschule bis 2017 auslaufen zu lassen. Dafür sollte ab dem Schuljahr 2012/13 der Betrieb an der neuen Gesamtschule aufgenommen werden. Es war seinerzeit ein laut Heß einstimmiges Votum.

Davon wollte Vollmert am Dienstag allerdings nichts mehr wissen. Zum Zeitpunkt der rund dreieinhalb Jahre zurückliegenden Abstimmung hätten bereits die Schulentwicklungspläne bis 2017/18 vorgelegen, anhand derer die aktuell schwierige Situation der Gesamtschule absehbar gewesen sei. „Angesichts dieser Analyse hätte die Verwaltung damals dem Rat der Gemeinde Finnentrop folgen dürfen“, sagte Vollmert.

Und weiter: „Ohne Not haben Sie (Bürgermeister Heß, Anm. d. Red.) Haupt- und Realschule, zwei gut funktionierende weiterführende Schulen, auslaufen lassen.“ Sollte es zukünftig keine weiterführende Schule mehr geben im Gemeindegebiet, falle dieses „schulkommunalpolitische Desaster“ auf Heß und die Christdemokraten zurück.

Mit seiner Meinung stand Vollmert allerdings ziemlich allein auf weiter Flur. So hielt Jens Nagel (SPD) dem Chef der Freien Wähler ebenso wie Heß entgegen, „schlichtweg einige Fakten verwechselt“ zu haben. Der Schulplan der Gemeinde sei vielmehr sinnvoll und habe Zukunft.

Heß nannte für den Rückgang der Anmeldezahlen mehrere Gründe. So habe sich die Gründung der Sekundarschulen in den Nachbarkommunen Lennestadt, Kirchhundem und Attendorn für den Standort Finnentrop nachteilig ausgewirkt, ebenso wie der Erhalt der Realschule Grevenbrück. Auch das „geänderte Elternwahlverhalten“ und die Aspekte Inklusion, vergleichsweise früher Schulbeginn (7.30 Uhr) und kostenloses Schülerticket seien nicht zu vernachlässigende Faktoren der aktuellen Entwicklung.

Petra Krempel (UWG) rief die Ratsmitglieder dazu auf, die Gesamtschule nicht schlechtzureden, sondern der Öffentlichkeit deren Vorzüge deutlich aufzuzeigen – und zwar mit einer gemeinschaftlichen Marketingstrategie. Dafür erntete Krempel nicht nur Zuspruch, sondern auch Applaus aus den anderen Fraktionen.

Ausnahme: Die Freien Wähler. Die attackierten wiederum in Person von Vollmert den Bürgermeister und seine „schlechte Politik“. Daraufhin flogen einige verbale Giftpfeile zwischen Heß und Vollmert, die in folgendem Finale endeten: „Jetzt hören Sie doch endlich auf, hier solchen Unsinn zu erzählen“, forderte Heß sichtlich verärgert. Vollmert schnaubte verächtlich, winkte ab. „Macht ihr nur alle eure CDU-Politik, und die Schule hier wird vor die Hunde gehen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, ehe er aufstand und mit dem Smartphone am Ohr den Ratssaal verließ. (Von Sven Prillwitz)

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