Grundstücksbesitzer wehren sich gegen Vorwürfe

Windpark für alle Bürger

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Das Thema Windpark erhitzt in der Gemeinde Finnentrop weiter die Gemüter.

Finnentrop. Ein anonymes Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde Finnentrop und einige Grundstücksbesitzer aus Ostentrop: Danach sollen beide Parteien mit dem Energieversorger Mark E Einigung über den Bau eines Windparks mit fünf Windrädern erzielt haben. Andere Eigentümer seien übergangen und die Bürger bewusst nicht informiert worden – mit dem „Ziel der eigenen Gewinnmaximierung“, wie es in dem Schreiben heißt. Der SauerlandKurier hat mit einem Beschuldigten gesprochen.

Der weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Es ist richtig, dass Vertreter von Mark E ein Konzept zum Bau von fünf Windrädern vorgestellt haben. Das war im September 2013 im Rahmen einer Versammlung für Grundstückseigentümer und Waldbauern auf Einladung der Gemeinde Finnentrop und im Beisein von Bürgermeister Dietmar Heß“, sagt der Grundbesitzer, der anonym bleiben möchte.

Zusammen mit zwei anderen Eigentümern habe er die Rolle des Ansprechpartners für die Politik und den Energieversorger übernommen. Die Mehrheit der Grundstücksbesitzer stehe dem Bau von Windrädern positiv gegenüber. „Auf Geld ist jedoch keiner von uns angewiesen“, sagt der Sprecher. Und betont, dass grundsätzlich alle Eigentümer an der Pachtausschüttung, die für Bau und Betriebs eines Windrads auf Privatgrund fällig wird, beteiligt werden sollen. Ebenso wie interessierte Bürger, die etwa die Chance haben sollen, in Form von Windparkbriefen an dem Projekt teilzuhaben.

Eigentümer sind für Fragen offen

„Anders schafft man keine Akzeptanz, sondern tritt nur eine Neiddebatte los. Krach will keiner haben“, sagt der Grundbesitzer. Mit Gegenwind hätten er und die anderen Eigentümer gerechnet, zumal die Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr nicht öffentlich gewesen sei. Allerdings seien seine Mitstreiter und er von Anfang annach außen „offen und ehrlich“ mit der Thematik umgegangen: „Wir sind schließlich kein Geheimbund, und hier kennt jeder jeden. Wer Fragen hat, soll uns ansprechen.“

Vorteile bei der Vergabe von Flächen hätten sich die Ansprechpartner durch ihre Funktion nicht verschaffen können. „Wo die Windräder hinkommen, bei denen es sich um moderne Anlagen handeln soll, weiß keiner von uns“, erklärt der Eigentümer. Und gibt zu bedenken, dass grüner Strom, den jeder haben will, schließlich auch irgendwo herkommen muss“.

Dass Grundstücksbesitzer Vorverträge über die Verpachtung infrage kommender Flächen unterschrieben hätten, entspreche der Wahrheit. Damit sicherten sich Energieversorger das Kaufrecht und gleichzeitig zivilrechtlich ab – für den Fall, dass entsprechende Gutachten die Flächen in ökologischer, technischer und wirtschaftlicher Hinsicht als geeignet ausweisen. Grünes Licht für das Vorhaben könnten schlussendlich aber erst planungsrechtliche und politische Entscheidungen geben.

Damals waren Vorwürfe laut geworden, dass in Serkenrode unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Windpark entstehen solle. Auch für die neuen Anschuldigungen bringt Heß keinerlei Verständnis auf.

„Ich weise nochmals darauf hin, dass wir in der Ratssitzung im Dezember 2012 beschlossen haben, drei Vorrangzonen für einen Windpark mit bis zu acht Anlagen auszuweisen. Von Geheimhaltung kann also gar keine Rede sein“, sagt das Gemeindeoberhaupt und bekräftigt das „nachhaltige Interesse“ der Kommune an der Realisierung und dem gemeinsamen Betrieb eines Windparks mit Grundstückseigentürmern und dem Energieversorger Mark E. Einen hierfür gültigen Vorvertrag habe die Gemeinde noch nicht unterzeichnet.

Die Entstehung eines Bürgerwindparks, an dem sich alle Einwohner beteiligen können, sei ein mögliches Modell, erklärt Heß weiter. „Allerdings sprechen wir hierbei von Investitionen im sicherlich zweistelligen Millionenbereich. Angesichts der derzeit günstigen Zinssituation macht es daher eher wenig Sinn, von Bürgern Fremdkapital zu beziehen, die dann auch das Risiko mittragen müssten“, so der Bürgermeister. Weil ein Windpark Gewinne für die Gemeinde bedeute, die wiederum auch zugunsten aller Bürger investiert werden könnten, sei der Begriff Bürgerwindpark also ohnehin angebracht.

Die Gemeinde hat Heß zufolge Vorrangflächen für einen Standort rund um das Oberbecken und angrenzende Bereiche in Ostentrop sowie im Bereich Serkenrode ausgewiesen. „Und wir müssen auch handeln, wenn wir uns nicht fremdbestimmt vorschreiben lassen wollen, wo Windräder zu stehen haben“, so Heß. Das Land Nordrhein-Westfalen nämlich treibe mit dem Regionalplan Windenergie die Suche nach Standorten zur Produktion erneuerbarer Energien aus Windkraft voran – und übe erheblichen Druck auf die Kommunen aus.

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