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Volksbanken Sauerland und Bigge-Lenne fusionieren - was sich für den Kunden ändert

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Von: Sebastian Schulz

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Diese Grafik zeigt das künftige Geschäftsgebiet der fusionierten Volksbank Sauerland.
Diese Grafik zeigt das künftige Geschäftsgebiet der fusionierten Volksbank Sauerland. © Volksbank Sauerland

Ein großer Zusammenschluss steht bevor: Die Volksbanken Bigge-Lenne und Sauerland planen für den Sommer 2022 eine Fusion. Damit wird sich auch für die Kunden beider Banken etwas ändern. Was? Das erfragte der SauerlandKurier im großen Interview.

Kreis Olpe/ HSK - Das Gebiet beider Banken zwischen Neheim über Meschede bis Olsberg im Norden und zwischen Schmallenberg und Medebach im Süden des Hochsauerlandkreises sowie von Attendorn über Finnentrop bis nach Lennestadt im Kreis Olpe soll unter einem Dach zusammengefasst werden. Die dann neue Volksbank Sauerland wird mit einer Bilanzsumme von über 4 Milliarden Euro zu einer der stärksten Genossenschaftsbanken der Region wachsen. Große Pläne also, die da geschmiedet worden sind und werden. Sebastian Schulz sprach mit den Vorständen Dr. Florian Müller (Volksbank Sauerland) und Michael Griese (Volksbank Bigge-Lenne) über das Vorhaben und ermittelte dabei auch, was die Fusion für Kunden und Mitarbeiter bedeutet.

Herr Griese, Herr Müller, die Fusionspläne für die Volksbank Sauerland sind weit vorangeschritten. Wenn der Zusammenschluss im Sommer kommenden Jahres erfolgt, bedeutet das für den ganz normalen Volksbank-Kontoinhaber, dass er künftig neue Ansprechpartner aufsuchen muss?

Griese: Nein, für die allermeisten Kunden werden sich die Ansprechpartner auch nach der Fusion nicht verändern – unseren Kundenberatern kommt weiterhin eine Schlüsselrolle zu. Sie werden auch weiterhin wie gewohnt in der Region bei den Kunden präsent sein.

Fusion: Michael Griese und Dr. Florian Müller von den Volksbanken Bigge-Lenne und Sauerland im Interview mit dem Sauerlandkurier.
Michael Griese und Dr. Florian Müller von den Volksbanken Bigge-Lenne und Sauerland im Interview mit dem Sauerlandkurier. © Volksbank Sauerland

Auch Filialschließungen und Kündigungen soll es „fusionsbedingt“ nicht geben, wie man einer Mitteilung von August entnehmen kann?!

Müller: Richtig, zu diesem Satz stehen wir. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein, und dies ist ein Versprechen, an dem wir uns messen lassen wollen.

Wie definieren Sie diesen Zeitraum, wenn Sie von „fusionsbedingt“ sprechen?

Müller: Wir haben uns schon seit Monaten intensiv auf den Fusionsprozess vorbereitet. Innerhalb von drei Jahren wollen wir inklusive aller Nacharbeiten mit der Fusion durch sein. Was in fünf oder zehn Jahren ist, müssen wir dann sehen.

Griese: Wir werden alles dafür tun, dass das Kundengeschäft so gut und stabil weiterläuft wie bisher; das wollen wir auf gar keinen Fall aufs Spiel setzen.

Das dürften viele Kunden und Mitglieder gerne hören – zumal ja gerade die Volksbank Bigge-Lenne in den letzten Jahren viele Schließungen von Geschäftsstellen schon hinter sich hat.

Griese: Uns hat wirklich das Herz geblutet, als wir die Standorte in den letzten zweieinhalb Jahren von 23 auf zehn reduziert haben. Aber das Kundenverhalten hat sich bedingt durch die Digitalisierung total verändert. Hinzu kommt die seit Jahren anhaltende Null- und Negativzinsphase. Es ist ein gefährlicher Kreislauf: Banken sind verdammt dazu, Gewinne zu erwirtschaften. Das Eigenkapital ist die Grundlage für das Geschäft. Und wenn die Margen immer enger werden, müssen Sie immer mehr Geschäft machen und nach Möglichkeit die Kosten senken, um das Eigenkapital auszubauen. Alle Banken stehen somit vor großen Herausforderungen. Unsere Antwort darauf ist, dass wir fusionieren wollen, um in der neuen großen Bank besser die Zukunft gestalten zu können.

Darum also die Fusion.

Griese: Das Umfeld für Banken war noch nie so herausfordernd. Dauerhafte Negativzinsen, Nachhaltigkeit, Digitalisierung – all das sind Themen, die den Bankbetrieb verändern. Und die Konkurrenz schläft nicht und rollt den Markt auf.

Wer ist denn Ihre Konkurrenz? Im Wettbewerb hat sich doch sicher im Laufe der Jahre auch vieles verändert...

Griese: Es sind längst nicht mehr nur die Regional-, Groß- oder Direktbanken, sondern es sind auch PayPal, Check 24, Apple und Google. Die Kunden suchen rund um die Uhr nach Angeboten. Das ist der Wettbewerb für uns.

Sie wollen nun auf diesen Wettbewerb mit einer neuen großen Volksbank – oder wie Sie es in den bisherigen öffentlichen Mitteilungen sagen: mit mehr Schwungmasse – reagieren. Was meinen Sie, wenn Sie von Schwungmasse sprechen?

Griese: Es bedeutet, neue Kunden anzusprechen, ein größeres Gebiet abzudecken, noch mehr in Mitarbeiterqualifikationen und Zukunftsthemen investieren zu können, die Digitalisierung weiter voran zu treiben – das sind alles Themen, die wir uns dann eher erlauben können als kleinere Banken.

Stichwort Digitalisierung: Die Deutschen und auch die Sauerländer lieb(t)en ihr Bargeld. Dann kam Corona – und möglichst überall sollte man bargeldlos zahlen. Haben Sie das auch in Ihren Volksbanken gespürt?

Müller: Ja, Corona hat da wie ein Beschleuniger gewirkt, die Digitalisierung hat einen richtigen Push bekommen. Die Bargeldnutzung ist eingebrochen, die bargeldlosen Zahlungen haben sich innerhalb von 18 Monaten verdoppelt. Banking-App, elektronisches Postfach – all das wird noch stärker genutzt und wird uns auch in Zukunft intensiv beschäftigen.

Warum ist es zu einer Fusion Ihrer beiden Banken und nicht mit einem anderen Partner gekommen? Es gibt ja auch noch andere Volksbanken im Kreis Olpe und im HSK...

Müller: Weil wir uns gut kennen, wir Projekte zusammen durchgeführt und schon gemeinsam dicke Brocken aus dem Weg geräumt haben.

Griese: Eine Fusion können Sie vergleichen mit einer Hochzeit. Wenn einer sagt „Ich will“ und der andere „Ich weiß nicht“, dann hat es keinen Zweck. In diesem Fall wollten es beide und die neue Volksbank Sauerland ist die richtige Antwort für diese Zeit.

Müller: Für uns war die Volksbank Bigge-Lenne der absolute Wunschpartner. Wir wussten, dass wir das Traumpaar sind.

Was hat der einzelne Kunde letztlich von der Fusion?

Müller: Wir werden neue Geschäftsbereiche haben. Ein Beispiel: Erneuerbare Energien werden das Thema des Jahrzehnts sein. Für Fragen nach E-Autos, Wärmepumpen oder Solarstrom haben wir sowohl für Privat- als auch Geschäftskunden Lösungen parat. Es wird sehr spezialisierte Ansprechpartner geben. Das Gleiche bei Immobilien. Wenn Sie sich zum Beispiel für eine Eigentumswohnung interessieren, wird es einen Immobilien-Anlaufpunkt für alles geben, sodass Sie nicht mehr von Pontius zu Pilatus laufen müssen.

Griese: Dabei läuft alles über die bisherigen persönlichen Berater bzw. Beraterteams, die bei Bedarf die Experten hinzuziehen.

Der Kunde muss also nach Ihren Aussagen keine zusätzlichen Wege in Kauf nehmen. Wie sieht es bei den Mitarbeitern aus?

Müller: Die Berater bleiben natürlich vor Ort, die anderen Bereiche wollen wir dezentral organisieren und dabei auch die digitalen Möglichkeiten nutzen. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter in den neuen Bereichen als Team zusammenwachsen.

Wie haben die Angestellten und die Mitglieder grundsätzlich reagiert, als sie Ende August die Fusionspläne öffentlich gemacht haben?

Müller: Die Mitarbeiter freuen sich darauf, schließlich gibt es nun auch neue Möglichkeiten für alle. Wir haben von allen Seiten eine ganz breite Zustimmung für das Fusionsvorhaben bekommen. Uns war es wichtig, zu einem frühen Zeitpunkt zu informieren, um uns mit den Vertretern Auge in Auge austauschen zu können. Das ist Genossenschaft.

Wie geht es jetzt in Sachen Fusion weiter?

Griese: Mit den Betriebsräten beider Banken verhandeln wir derzeit eine Betriebsvereinbarung zur Fusion. Wir stehen im ständigen Dialog mit Mitgliedervertretern, Mitgliedern und Kunden und haben seit dem 6. Dezember auch eine Extraseite auf unserer Internetseite eingerichtet, um weiter zu informieren. Organisatorisch und technisch starten die Vorbereitungen Anfang des neuen Jahres. Die Beschlussfassung liegt dann im Sommer 2022 bei den über 600 Mitgliedervertretern in den jeweiligen Vertreterversammlungen.

Blick in die Zukunft: Wie reagieren Sie, wenn in ein paar Jahren ein weiterer Partner für eine Fusion anklopfen würde?

Müller: Gespräche können immer geführt werden. Aber wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Volksbank Sauerland zum Erfolg zu führen. Und machen wir uns nichts vor; das wird eine Menge Arbeit und unsere volle Kraft benötigen.

Zahlen bitte

Rechnet man die bisherigen Zahlen der beiden Volksbanken zusammen, dann kommt die neue Volksbank Sauerland auf 613 Mitarbeiter, 82. 180 Mitglieder und rund 136.000 Kunden. Die Bank hält 22 Filialen vor, hinzu kommen 41 Kontoauszugs- und/oder Geldautomaten-Standorte. Die Bilanzsumme wächst auf 4,01 Milliarden Euro, das bilanzielle Eigenkapital auf 357 Mio. Euro.

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