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Stellenabbau bei Dura: Runder Tisch bringt nichts Konkretes

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Von: Michael Sauer

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Düstere Zeiten kommen auf die Belegschaft der Firma Dura – hier das Werk in Selbecke – zu. Bis zu 900 Arbeitsplätze sind in Gefahr.
Düstere Zeiten kommen auf die Belegschaft der Firma Dura – hier das Werk in Selbecke – zu. Bis zu 900 Arbeitsplätze sind in Gefahr. © Dieter Dörrenbach

Selbecke/Lenhausen. Die Beschäftigten beim Automobilzulieferer Dura müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Auch ein „Runder Tisch“ am Standort des Unternehmens in Plettenberg brachte keine konkreten Informationen.

Fest steht bisher: Die Unternehmensleitung in den USA will über zwei Jahre rund 900 der 1350 Stellen streichen. Bereits im November hatte Jerry Lavine die Belegschaft davon in Kenntnis gesetzt – kurz nachdem er die Leitung in Plettenberg übernommen hatte. Unklar ist allerdings, was mit den einzelnen Standorten genau geschieht. Rund 120 Beschäftige in Selbecke und etwa 30 in Lenhausen wären betroffen. Im Raum stehen Gerüchte von Werkschließungen und Zusammenlegen der Betriebe, offizielle Statements der Unternehmensführung fehlen. Einen Zeit- oder Sozialplan für den Stellenabbau gibt es auch nicht.

Um die offenen Fragen zu klären, gab es nun einen „Runden Tisch“ am Standort Plettenberg. Mit dabei waren Vertreter aus Politik und Verwaltung, von der IG Metall und dem Betriebsrat – es fehlte aber die Arbeitgeberseite. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, geriet während der Veranstaltung in Harnisch: „Es ist unverschämt, sich ohne klares Konzept dahinzustellen und sich dann zu verpissen, ohne zu sagen wie es weitergeht.“ Mit Blick auf mögliche Streiks sagte er: „Im Moment reichen wir die Hand zum Gespräch. Aber wir sind hier gut vertreten und beherrschen die gesamte Klaviatur.“

Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinéry wies darauf hin, dass sich die Parteien jetzt schnellstmöglich an einen Tisch setzen müssen. Das Gespräch habe „die Dringlichkeit unmissverständlich auf den Punkt gebracht, schnellstens mit der Unternehmensführung ins ehrliche Gespräch zu kommen.“ Und weiter: „Wir sind einig und entschlossen alle Optionen zu gehen, einschließlich der Erstellung zukunftsfähiger betrieblicher Alternativ-Konzeptionen, um die Unternehmensführung endlich an den Verhandlungstisch zu bekommen, so wie es unsere deutsche Wirtschaftsrechtslage vorsieht.“

„Plettenberger Erklärung“

Trotz allem führte der „Runde Tisch“ zu Ergebnissen, die die Teilnehmer in der sogenannten „Plettenberger Erklärung“ zusammengefasst haben. Hier die Erklärung im Wortlaut:

„1. Die deutsche Betriebsverfassung ist ein hohes Gut. Die Mitbestimmung durch betriebliche Arbeitnehmergremien ist ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Wirtschaftsmodells. Die Dura-Unternehmensführung wird aufgefordert, die gesetzlich garantierten Informations- und Mitbestimmungsrechte der betrieblichen Gremien zu achten.

2. Seit der kurzfristig anberaumten Ankündigung des Personalabbaus bei Dura sind nunmehr zwei Monate verstrichen. Seitdem sind von Seiten der Unternehmensleitung keinerlei Anstrengungen unternommen worden, hier weitere Klarheit bezüglich der weiteren Vorgehensweise zu schaffen. Die Unternehmensleitung wird aufgefordert, zügig über die weiteren Schritte zu informieren, damit auf Grundlage dieser Informationen in Verhandlungen eingetreten werden kann.

3. Es bleibt erklärtes Ziel, viele Arbeitsplätze bei Dura zu erhalten. Der erste 'Runde Tisch' vom 19. Januar hat verschiedene Akteure zusammengebracht, die bei der Begleitung der weiteren Schritte eine Rolle spielen können. Wir setzen weiterhin auf die Kultur des Dialogs. Deswegen halten wir an unserem Gesprächsangebot gegenüber der Unternehmensleitung fest.“

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