Lebensmotto: „Aufgeben gilt nicht“

Brigitte Grotmann erhielt 2014 ein neues Herz - jetzt hat sie an den „World Tranplant Games“ teilgenommen

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Brigitte Grotmann mit einigen ihrer Medaillen, Ausdruck des Lebensmottos „Aufgeben gilt nicht“. 

Hofolpe - Ende November 2014 gab es im Leben von Brigitte Grotmann aus Hofolpe ein einschneidendes Erlebnis: Die heute 33-Jährige erhielt ein neues Herz. „Ich feiere dann sozusagen meinen fünften Geburtstag“, sagt sie – nicht ohne Bedauern, denn: „Ich muss damit klarkommen, dass ein Mensch für hirntot erklärt werden musste, damit ich weiter leben kann.“

Kurz vor „Ultimo“ war es bei ihr damals: Acht Jahre lang musste sie auf ein Spenderherz warten, erst im vierten Anlauf war sie auf das höchste Dringlichkeitslevel gesetzt worden. In Deutschland angesichts des Mangels an Organspendern ein unbedingtes Muss, um überhaupt die Chance auf eine Transplantation zu bekommen. „Ich vermute, dass ich ein Herz aus größerer Entfernung habe“, erläutert sie. In Bad Oeynhausen wurde Brigitte Grotmann operiert. Therapie und Rehabilitation verliefen gut, ihr Körper nahm das neue Herz an.

„Für uns Transplantierte gilt das Motto ,Aufgeben gibt es nicht‘.“ Relativ schnell trieb sie danach wieder Sport. Seit 2016 nimmt sie an den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten teil: Allein in diesem Jahr gewann sie in Murr Gold in Pétanque und Kugelstoßen, Silber in 2km Gehen und Kegeln sowie Bronze im Weitsprung. Zudem ist sie regelmäßig  bei Europa- und Weltmeisterschaften am Start,

Vom 17. bis 24. August dieses Jahres war Newcastle in England Austragungsort der „World Tranplant Games“, wie die WM offiziell genannt wird. „1700 Athleten waren am Start, man kann sich das wie Paralympics vorstellen, das trifft zwar nicht ganz, da wir ja nicht behindert sind. Aber es gibt auch eine Art olympisches Dorf und das Motto ,Dabei sein ist alles‘, hat für uns eine ganz besondere Bedeutung“, blitzt ein Funke schwarzen Humors aus ihren Augen.

 „Wir sind eine Familie, teilen im Großen und Ganzen das gleiche Schicksal, wenn auch Nierentransplantierte auf andere Dinge achten müssen als ein Mensch mit einem neuen Herzen.“ 

„Zeigen, was auch mit neuen Organen möglich ist“

Platz 10 in der Teamwertung gab es für Deutschland mit Brigitte Grotmann, die Silber im Kugelstoßen und Bronze in Pétanque beisteuerte. „39 Nationen waren in Newcastle am Start. Ganz vorn sind die Länder im Medaillenspiegel zu finden, in denen Organspenden und -transplantationen etwas völlig Alltägliches sind. Dazu zählt Deutschland nicht – leider.“ 

Aus dieser Tatsache ergibt sich auch als eine Folge, dass es aus dem Bundesinnenministerium, das für die Sportförderung verantwortlich ist, nur einen Pauschalbetrag für eine WM gibt. „Wir zahlen einen Teil der Kosten selbst, einen Teil übernimmt der Verein Transdia, der auch nationale Meisterschaften veranstaltet.“ 2020 stehen wieder European Games auf ihrer Liste, bis Deutschland Gastgeberland wird, vergehen mindestens weitere fünf Jahre, die Bewerbung ist erfolgt. 

Brigitte Grotmann stellt klar: „Es geht mir gar nicht darum, Medaillen zu sammeln. Ich möchte mit meinem Beispiel in erster Linie zeigen, was auch mit neuen Organen möglich ist. Zugleich möchte ich Aufmerksamkeit für das Thema Organspende wecken. Denn – man denke nur an einen Unfall – es kann wirklich jede und jeden treffen, dass ein Spenderorgan benötigt wird. Dabei geht es nicht nur um Herz oder Leber!“ 

Schweigeminute für die Organspender

Die Herzkrankheit, die dank der Transplantation ein Ende nahm, hat das Leben von Brigitte Grotmann natürlich nachhaltig verändert. Ein Lehramtsstudium musste sie abbrechen, eine Ausbildung zur Physiotherapeutin scheiterte letztlich ebenfalls an ihrer Physis.  „Aufgaben gibt es nicht, das ist keine Floskel, sondern unser aller Lebensmotto. Ich kombiniere jetzt meine bisherigen Ziele und schule zur Lehrerin für Physiotherapie um. Das ist mit meiner Physis und Medikation absolut möglich.“

Die junge Frau blickt noch einmal zurück: „Eines möchte ich noch zu den ,Games‘ sagen: Am Ende der Schlussfeier gibt es eine Schweigeminute für die Spender. Da haben alle, ob Mann oder Frau, Tränen in den Augen und gedenken derjenigen, denen sie ihr Leben verdanken. Da kann man eine Stecknadel fallen hören.“

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