„Werden weiter kämpfen“

BürgerBus-Verein plant Streckenerweiterung - ZWS ist dagegen

Der BürgerBus-Vorstand mit Michaela und Manfred Klein sowie Margret Hennecke (m) will auch weiter für seine Streckenerweiterung kämpfen.
+
Der BürgerBus-Vorstand mit Michaela und Manfred Klein sowie Margret Hennecke (M.) will auch weiter für seine Streckenerweiterung kämpfen.

Kirchhundem/Altenhundem – Seit 2017 fährt der 2009 gegründete Verein BürgerBus Kirchhundem vorwiegend ältere oder sozial benachteiligte Menschen unter anderem auch zum Busbahnhof in Altenhundem, hat dort sogar eine eigene Haltestelle. Im März dieses Jahres stellte der Verein der Stadt Lennestadt und der Gemeinde Kirchhundem ein neues Streckenangebot vor. Es soll die Bereiche Jammertal-Lindenstraße-Hochstraße, Vogelwarte-Timmerbruch, Krankenhaus/Josefinum-Auf der Ennest-Rosbecke mit Zielhaltestellen Blumen-Kremer, Lidl, Hit und ZOB erschließen. Doch daraus dürfte nach Lage der Dinge zumindest vorerst nichts werden.

Im März, so Margret Hennecke (Vorsitzende) und Manfred Klein (Stellvertreter) in einem Pressegespräch, waren die Vertreter der Kommunen noch Feuer und Flamme für diese Idee, sogar eine zustimmende Pressemitteilung sei formuliert worden. 

Margret Hennecke: „Im April haben wir alle erforderlichen Antragsunterlagen an die VWS (Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd, die Red.) geschickt. Sie ist Konzessionsträger, unser Ansprechpartner und verantwortlich für Antragstellungen.“ Am 5. Mai haben die VWS mitgeteilt, dass nach Rücksprache mit dem Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) kein Antrag auf Streckenerweiterung bei der Bezirksregierung in Arnsberg gestellt werde. 

BürgerBus-Verein: „Bieten benachteiligten Menschen einen echten Halt“

Der ZWS ist als ÖPNV-Träger in den Kreisen Siegen und Olpe auch „Mobilenn“-Projektträger. Dieser zunächst für Altenhundem geltende und auf zwei Jahre angelegte Projektversuch mit einer Mitfahr-App für das Smartphone wird vom Landesverkehrsministerium mit 712.000 Euro bei Gesamtkosten von rund 950.000 Euro gefördert. Im August zogen dann ZWS und Stadt Lennestadt endgültig ihre Unterstützung für den neuen BügerBus-Fahrplan zurück.

Hennecke und Klein sehen ihren Verein nicht als Konkurrenz zu „Mobilenn“, denn: „Unsere Klientel ist zu mehr als 75 Prozent im Rentenalter, im Schnitt sogar älter als 70. Das sind keine Kunden für eine Mitfahr-App, das machen Jüngere. Viele haben kein Smartphone, ohne das die App nicht funktioniert. Wir haben einen festgelegten Fahrplan, eine App nach ,Trampermanier` ist eher auf Zufall abgestellt, dass jemand genau zum richtigen Zeitpunkt zum gewünschten Ziel und vor allem auch danach wieder zurückfährt. Solche Fahrten können Nachbarn auch untereinander vereinbaren. Wir hingegen bieten mit unserem Angebot, Straßen anzufahren, die nicht vom ÖPNV erreicht werden, diesen benachteiligten Menschen einen echten Halt. Nach diesen festen Zeiten können sie ihren Tag und ihre Woche einteilen. Die meisten kennen außerdem unsere Fahrer, haben in ihnen eine Bezugsperson.“ 2019 nutzten 1919 Fahrgäste diesen Service.

Günter Padt: „Das Formale muss eingehalten werden“

Günter Padt, Geschäftsführer des ZWS, sieht die Situation anders: „Dass Ältere kein Smartphone besitzen, stimmt so nicht. ,Mobilenn` ist ein Pilotprojekt über zwei Jahre, das mit viel Steuergeld gefördert wird und ausdrücklich alle Bürger einschließt. Wir können es nicht dadurch konterkarieren, dass wir als Träger in dieser Zeit zugleich andere Systeme zulassen. Das wird in Düsseldorf niemand verstehen. In zwei Jahren wird das Ergebnis geprüft, dann wird man weitersehen. Falls es Erfolg hat, werden wir es eventuell auf das gesamte Verbandsgebiet ausweiten.“ Padt mit Blick auf den Verein: „Wir unterstützen jeden Bürgerbusverein im ZWS-Gebiet. Wir sind froh, dass es dieses ehrenamtliche Engagement als Ergänzung für Bereiche, die der ÖPNV nicht abdecken kann, aber das Formale muss eingehalten werden.“

Der BürgerBus-Verein glaubt hingegen an eine „friedliche Koexistenz“ (Manfred Klein) beider Systeme. Margret Hennecke: „Wir gehen einen geraden Weg und haben die Lennestädter Ratsfraktionen und Bürgermeisterkandidaten angeschrieben. Wir wollen die vorgeschlagene ,Einkaufstour`, die wir auf Wunsch der Betroffenen anbieten, und werden weiter für sie kämpfen.“

Über „Mobilenn“ 

  • Smartphone-basierte Mitfahr-App 
  • Pilotprojekt: Dauer zwei Jahre; NRW-Verkehrsministerium fördert es mit 712.000 Euro; Start im Jahr 2021
  • soll keine Konkurrenz für Taxiunternehmen sein, keine zusätzlichen Fahrten generieren 
  • Fahrer geben Mitfahrangebot (A nach B und Uhrzeit) ein
  • Interessenten tragen nach vorheriger Registrierung ihren Fahrtwunsch ein
  • App koordiniert Angebot und Nachfrage/berechnet Strecke und Fahrpreis
  • Fahrer/Mitfahrer bestätigen Fahrt in der App 
  • Fahrer erhält 35 Cent/km

Über den Verein BürgerBus Kirchhundem e.V.

  • gegründet 2009 
  • Fahrten in der Gemeinde Kirchhundem seit 2012 
  • 2017 Anbindung des ZOB Altenhundem an Fahrplan 
  • Fahrgäste 2019: insgesamt 1919 
  • Förderung durch NRW-Verkehrsministerium.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare