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Campingfreizeit in Houplines

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Die Camping-Truppe vor der V2-Raketen-Stellung „La Coupole“ mit mehrsprachlichem Museum in Wizernes.
Die Camping-Truppe vor der V2-Raketen-Stellung „La Coupole“ mit mehrsprachlichem Museum in Wizernes.

Bereits zum sechsten Mal seit 2009 ging es unmittelbar zu Beginn der Sommerferien mit zehn Jugendlichen von 13 und 17 Jahren und vier Begleitpersonen aus Heinsberg, Albaum, Würdinghausen, Oberhundem, Marmecke, Rinsecke und Hofolpe in Kirchhundems Partnerstadt Houplines, die im französischen Flachland nördlich der Großstadt Lille unmittelbar an der belgischen Grenze liegt.

Im Vordergrund standen zahlreiche Aktionen mit den Houpliner Freunden. Bereits nach dem Zeltaufbau am Samstag wurde der Abend bei einem Barbecue mit dem Houpliner Verein der „Freunde von Kirchhundem“ und den „Motards des 3 Monts“, die erst kürzlich am Himmelfahrtswochenende das Sauerland mit ihren Motorrädern erkunden konnten, gestaltet. Auch ein erstes improvisiertes deutsch-französisches Fußballspiel konnte im Verlauf des Abends auf dem Campingplatz organisiert werden.

Nach einer ersten Erkundung der Stadt Houplines und des Grenzflusses Lys am Sonntag veranstalteten die Freunde des Vereins „Pétanque Houplinoise“ das traditionelle Pétanque-Turnier (ähnlich Boccia), an dem 14 Mannschaften mit je 3 Spielern teilnahmen. Sieger wurde die Mannschaft von Nadine Jung aus Heinsberg, die mit ihren beiden französischen Mitspielern den Pokal aus den Händen des Pétanque-Vereinsvorsitzenden Serge Devos entgegennehmen konnte.

Die Entscheidung bereits am Montag bei trockenem Wetter und 23 Grad einen Ausflug zum Strand in der Nordsee bei Calais zu unternehmen, erwies sich angesichts einer etwas regnerischen Woche als richtig. Daneben konnte noch die weitverzweigte Festungsruine „Oldenburg“ aus dem 2. Weltkrieg und das multimediale und mehrsprachige Geschichts- und Raketentechnik-Museums „La Coupole“ in einer alten V2-Raketenproduktionsanlage bei Wizernes, die direkt unter einer betonierten Betonkuppel in die Kreidefelsen bei Wizernes getrieben worden war, besichtigt werden.

„Tour de France“ war Highlight

Am folgenden Tag kam der Sport zum Einsatz. Am Morgen in Form von Kleinfeld Fußball- und Basketballspielen, gefolgt von Tischtennis und einer speziellen auf weicher Matte und auf Knien gespielten Rugby-Art, einer kurzen Tanzeinlage und einem gemeinsamen Mittagessen in der neuen Houpliner Schulkantine mit den von Ludovic Jovenet betreuten jugendlichen französischen Mitspielern. Danach ging es zur Live-Besichtigung der „Tour de France“. Nur wenige Meter von der mehr als 160 Werbewagen umfassenden Karawane der Tour zu sein und Marcel Kittel unmittelbar an der Spitze erleben zu dürfen, bevor innerhalb von nur 37 Sekunden das gesamte Feld der Tour de France mit anschließendem Begleittross durchfuhr, war sicherlich ein Highlight der Woche.

Zur Entspannung folgte am Mittwoch ein Ausflug in den Freizeitpark Bellewaerde bei Ypern, der mit zahlreichen Fahrgeschäften und Stuntshows neben einem Tierpark von allen Jugendlichen mit Begeisterung angenommen wurde. Die Rückfahrt erlaubte dann noch einen Besuch im Museum „Hooge Crater“, das den menschenfressenden Wahnsinn des 1. Weltkriegs im Ypernbogen zeigt.

Zum bessern Kennenlernen von Houplines und seinen Bewohnern startete donnerstags die traditionelle Stadtrallye, bei der die Campingteilnehmer in drei Kleingruppen zu Fuß die Stadt Houplines und seine Bewohner anhand einer Liste von 15 Fragen erkundeten und auch Befragungen durchzuführen hatten. Aufgrund des wechselhaften Wetters wurde die Stadtrallye, bei der auch Hausbesuche bei Houpliner Freunden und beim Tankstellenbesitzer auf der anderen Seite der Grenzbrücke nach Belgien gemacht werden mussten, etwas abgekürzt und damit Zeit für einen Besuch vom 22km entfernten Ypern in Belgien gefunden. Sieger der Rallye war die Gruppe mit Lara Tigges, Aileen Fischer, Patrick Triester und Stefanie Pott.

Am Nachmittag wurde die im 1. Weltkrieg vollständig in Schutt und Asche gelegte heutige „Friedensstadt“ Ypern angesteuert, wo am 26. Juni 2014 die Teilnehmer des EU-Gipfels dem Beginn des 1. Weltkrieges gedachten. Das mit modernster, multimedialer Technik neu gestaltete und interaktive Museum „In Flanders Field“ in der ehemaligen Tuchhalle, die wie die ganze Stadt nach alten Plänen im Laufe der 20-er und 30-er Jahre wiederaufgebaut wurde, machte den Besuchern in beeindruckender Weise das ganze Grauen des Ersten Weltkrieges bewusst. Neuerdings kann man auch den 70m hohen Turm besteigen, der einen freien Ausblick auf die ehemaligen Schlachtfelder und das nur einige 100m entfernte Menen-Tor bietet, welches die Namen von 54.896 vermissten Soldaten des britischen Commonwealth trägt. Nach diesem Ausflug folgte im Pavillon des Campings eine Einführung in Western-Tänze durch die Houpliner Tanzgruppe „Ch’ti Country“, die auch im Sauerland bereits durch Auftritte wie zuletzt beim 1. Gemeindeschützenball 2011 in Oberhundem bekannt ist und auch im September in Heinsberg auftreten wird.

„Friedensstadt“ Ypern angesteuert

Für den letzten Tag stand eine Fahrt zu Finnentrops Partnerstadt Diksmuide im Westen Belgiens auf dem Plan mit einem Abstecher auf den deutschen Soldatenfriedhof Langemark (B), den an diesem Morgen auch eine englische Schulklasse besuchte. Auf ihm ruhen 44.304 deutsche Gefallene, von denen ein bedeutender Teil junge, unerfahrene Schüler, Studenten und Auszubildende waren, die 1914 in einem sinnlosen Stellungskrieg zu abertausenden verheizt wurden. Nach Besichtigung des mächtigen Yzer-Turms in Diksmuide (B) konnte in Vladslo noch die bekannte Statue von Käthe Kollwitz „Die trauernden Eltern“ auf dem dortigen Friedhof besucht werden. Zum Abschluss warteten die Houpliner Motorradfahrer „Les Motards des 3 Monts“ auf dem Campingplatz darauf, die Jugendlichen auf dem Sozius in einer Rundfahrt zu ihrem 5km entfernten Treffpunkt in einem Café in Armentières zu fahren.

Nach einer wie im Flug vergangenen Woche, die trotz regnerischem Wetter ein abwechslungsreiches Programm bieten konnte, wurden die Zelte abgebaut und nach einem letzten Gruppenfoto mit den Houpliner Freunden die Heimfahrt ins Sauerland angetreten. Ein großer Dank gilt auch der evangelischen Gemeinde in Altenhundem und der Firma Tracto-Technik, die ihre Kleinbusse zur Verfügung gestellt haben.

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