Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien beginnt am Sonntag

Christa Gattwinkel gibt „vergessenen Kindern“ eine Stimme

Kirchhundem Kreis Olpe Christa Gattwinkel Smily-Kids Aktionswoche 2021
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Christa Gattwinkel macht mit einem Plakat auf die Aktionswoche aufmerksam. Im September feiert die engagierte Kirchhundemerin mit den „Smily-Kids“ 25-jähriges Jubiläum.

Unter dem Motto „Vergessenen Kindern eine Stimme geben“ steht die Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien von Sonntag, 14. Februar, bis Samstag, 20. Februar. Im Kreis Olpe gibt Christa Gattwinkel aus Kirchhundem diesen Kindern eine Stimme - eine unüberhörbare Stimme.

Kirchhundem/Kreis Olpe - Suchtkrank zu sein ist immer noch ein Thema, bei dem viele gerne weg schauen. So kommt etwa jedes sechste Kind in Deutschland aus einer Familie, in der Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit herrschen. Annähernd sechs Millionen Erwachsene sind als Kinder in Suchtfamilien aufgewachsen. Kinder suchtkranker Eltern oder Elternteile sind selbst „Risikokandidaten“ für Sucht, psychische oder soziale Störungen. „Aber diese Kinder sind auch extrem widerstandsfähig, haben vielfältige Begabungen und Kompetenzen. Mit der richtigen Art von Unterstützung können sie sich zu gesunden, lebenstüchtigen Erwachsenen entwickeln“, sagt Christa Gattwinkel.

Die Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien lenkt jedes Jahr in der Woche um den Valentinstag (14. Februar) die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit auf die mehr als 2,6 Millionen Kinder, die in Deutschland unter einem Suchtproblem ihrer Eltern leiden.

Christa Gattwinkel aus Kirchhundem weiß, wovon sie spricht. Seit fast 25 Jahren arbeitet die 79-jährige ehrenamtlich für den Kreuzbund, eine Selbsthilfegemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. Der Kreuzbund gehört zur Caritas, ist aber ein eigener Fachverband. Seit 1996 kümmert sich die Kirchhundemerin vorwiegend um die Kinder aus suchtkranken Familien - aber auch um deren Eltern. Da die Kinder noch sehr jung sind, müssen die Eltern mit einbezogen werden. Zumindest müssen sie es erlauben. Bei Jugendlichen ist das nicht notwendig.

„Ich will den Menschen ein wenig die Angst nehmen, eine solche Gruppe zu besuchen, denn es herrscht absolute Schweigepflicht. Hier wird nur etwas weiter gesagt, wenn es gewünscht wird. Es werden allerdings Wege aufgezeigt, wie der Vater oder die Mutter aus der Sucht herauskommen kann“, betont Christa Gattwinkel, die es für sehr wichtig ansieht, den Kindern beizustehen, wenn das Thema akut ist, oder kurz danach, und nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Anlaufstellen im Kreis Olpe sind in Altenhundem und Olpe. Wenn Eltern ihre Kinder begleiten, sitzen diese in einem Nebenraum und sprechen ebenfalls über ihre Probleme. Später kommen alle wieder zusammen, es wird dann gebastelt, gemalt und es werden Gedanken ausgetauscht.

Christa Gattwinkel und ihre Helferinnen möchten erreichen, dass die Kinder später nicht selbst abhängig werden. Sie vermitteln aber auch, dass die Eltern, wenn sie nicht trinken, gute Eltern sind. „Der Alkohol ist der Stärkere, er lässt sie alles vergessen, sogar ihre Kinder“, bedauert die engagierte Ehrenamtlerin, die sich von ganzem Herzen wünscht, „dass der trockene Elternteil oder eine Bezugsperson das Kind an die Hand nimmt und einfach mal den Schritt wagt, eine solche Gruppe zu besuchen. Spätestens dann werden sie merken, dass es allen nur gut tut. Kinder können bei uns in einem geschütztem Raum über ihre Ängste und Nöte sprechen und werden ernst genommen.“

Zu den positiven Effekten zählen das wieder gewonnene Selbstvertrauen und das wieder aufgebaute gegenseitige Vertrauen. Christa Gattwinkel: „Man braucht, nach den Gesprächen nur in die Augen der Kinder zu schauen, die alles sagen. Ich würde mich freuen, wenn wir einige Hilfesuchende erreichen würden und auch die Öffentlichkeit sensibilisieren könnten.“

Die Gruppen nennen sich „Smily Kids“, die Treffen finden alle vier Wochen statt und werden immer in der Presse bekannt gegeben. Weitere Informationen unter www.smily-kids.de, bei Christa Gattwinkel unter Tel. 02723/3152,christa-gattwinkel@t-online.de und bei Facebook.

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