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Gutachten zum sexuellen Missbrauch sorgt auch im Kreis für Aufsehen

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Von: Inge Schleining

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Pater Siegfried Modenbach, Leiter des Geistlichen Zentrums an der Wallfahrtskirche Kohlhagen
Pater Siegfried Modenbach, Leiter des Geistlichen Zentrums an der Wallfahrtskirche Kohlhagen © Privat

Das neue Gutachten zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche im Erzbistum München hat für Aufsehen gesorgt – auch in unserer Region. Pater Siegfried Modenbach vom Geistlichen Zentrum Kohlhagen hat Stellung bezogen. Sein Beitrag auf Facebook wurde über 200 Mal geteilt und hat viel positives Feedback bekommen. 

Kirchhundem - „Ich schäme mich dafür, dass Amtskollegen Menschen diese Gewalt antun konnten“ und weiter „Ich schäme mich dafür, dass bis zum heutigen Tag gelogen wird, um die eigene Haut zu retten und einen guten Ruf zu wahren, der schon lange keiner mehr ist! Und dass dies jetzt sogar ein emeritierter Papst versucht. Wie tief ist er – und damit die Kirche als Ganze – gesunken! Warum kann er nicht einfach zugeben, dass er Fehler gemacht und falsch gehandelt hat.“

Aber nicht nur das Missbrauchsgutachten, auch der Umgang der katholischen Kirche mit lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender oder queeren Menschen ist Thema: „Ich schäme mich dafür, Teil eines Systems zu sein, in dem Priester wegen ihrer Liebesbeziehungen oder wegen ihrer Homosexualität oder auch nur, weil sie homosexuellen Menschen einen Segen spenden wollen, verfolgt und ausgeschlossen wurden und immer noch werden, während andere Priester gleichzeitig unter dem Mantel des Schweigens und Vertuschens ihre Verbrechen begehen konnten.“ Aktuell haben sich in einer ARD-Dokumentation 125 Mitarbeiter der katholischen Kirche geoutet und von ihren Erfahrungen berichtet (noch zu sehen in der ARD-Mediathek).

Wie kann der Pallottiner dann weiter in der Kirche arbeiten? „Ich bin nach wie vor überzeugt von der Botschaft des Evangeliums“, so Modenbach im Gespräch mit dem SauerlandKurier. „Diese Botschaft dient der Würde und dem Heil des Menschen, wenn sie glaubwürdig gelebt und verkündet wird. Aber ich leide – wie viele andere – unter dem Widerspruch: einerseits in einem kranken System zu arbeiten und es damit am Leben zu erhalten, andererseits dieses Macht- und Missbrauchssystem zutiefst abzulehnen.“ Wichtig für ihn: „Es geht mir um die Menschen, mit denen ich lebe, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite“.

Vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Skandale in der katholischen Kirche treten viele Menschen aus der Kirche aus oder fragen sich, ob sie guten Gewissens in der katholischen Kirche bleiben können. Auch der Pallottiner-Pater wird mit diesen Fragen konfrontiert, stellt sich diese auch selbst. „Immer noch glaube ich, dass die Kirche nicht einfach deckungsgleich ist mit dem System, das ich ablehne. Nur deshalb kann ich mit den Fragen leben, die immer wieder zu Recht an mich gestellt werden und die meine eigenen Fragen sind: Wie kannst Du in einer Kirche arbeiten, die Täter mehr schützt als Opfer?“

Doch wie kann man das System verändern? Es sei wichtig, das eigene Schweigen abzulegen und sich deutlich auf die Seite der Menschen zu stellen, „die von Tätern zu Opfern gemacht wurden“, so Modenbach. Eine Chance für Veränderung sieht er im Synodalen Weg. Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals haben die deutschen Bischöfe 2019 diesen Synodalen Weg beschlossen, der die Kirche aus der Krise führen soll. Themenschwerpunkte sind die Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche, die Sexualmoral, priesterliche Lebensform und die Rolle von Frauen in der Kirche. Es gibt Forderungen nach der Aufhebung des Zölibats oder der Zulassung von Frauen zur Diakoninnen- oder Priesterinnenweihe. „Die Chancen stehen gut, dass es eine Mehrheit gibt und die Forderungen nach oben getragen werden“. Doch auch wenn diese Forderungen in der Weltkirche nicht umgesetzt werden, sieht der Pallottiner die Chance auf eine Verbesserung der Situation: „Wir könnten vieles auch in Deutschland regeln, ohne die Weltkirche. Einige wenige Bistümer leben dies bereits vor, zum Beispiel das Bistum Essen.“ Hier versuche man eine offene Kirche zu leben und gehe mit einem guten Weg voran.

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