Bürgerversammlung: 17 Anlagen in Planung - "RothaarWind" sichert Transparenz zu

Windkraft-Debatte nimmt Fahrt auf: Viele Heinsberger in Sorge um die Dorfgemeinschaft

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Bürgermeister Andreas Reinéry (l.) und Konrad Schlechtinger informierten im Heinsberger VfL-Clubhaus unter anderem über den Planungsstand in Sachen Windkraftanlagen bei Heinsberg.

Heinsberg – Verweht die Windenergie die Heinsberger Dorfgemeinschaft? Mit dieser Sorge verließen die meisten der 70 Teilnehmer die Bürgerversammlung im VfL-Clubhaus. Bürgermeister Andreas Reinéry mahnte zu gegenseitigem Respekt und zum "offenen, ehrlichen Dialog" zwischen Befürwortern und Gegnern.

Er machte aber auch unmissverständlich klar: "Wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die es jedem gestattet, mit seinem Land zu machen, was er will. Dazu zählt auch die Verpachtung von Flächen für Windräder. Manche Waldbesitzer sind vielleicht gar keine Befürworter der Windenergie, sondern müssen damit einfach Geld verdienen.“ Die Gesetzeslage verpflichte die Gemeinde zum Ausweisen "substanzieller Windenergieflächen", eröffnete Reinéry die Diskussion.

 Der Bürgermeister verwies zugleich darauf, dass „nichts entschieden ist“ und nur für Rahrbach der Antrag auf Errichtung einer Windenergieanlage (WEA) vorliege. „Mit 150 Quadratkilometern besitzt Kirchhundem die größte Grundfläche im Kreis mit viel Wald und damit auch ,substanzieller Windenergiefläche`. Auf dieser Basis müssen wir planen, und zwar schnellstens." Eine Größenordnung dieser Fläche sei nicht definiert. "Der Rat legt schlussendlich die endgültigen Vorrangflächen fest." Falls aber ein Antrag auf Bau ohne vorherige konkrete Planungen gestellt werde, "sind wir gezwungen, zuzustimmen". Reinéry weiter: "Wir wollen eine Verspargelung der Gemeinde verhindern." Das Ausweisen möglicher Flächen in der Gemeinde sei durch einen Gutachter bereits 2014 geschehen. Dass seit 2016 wenig passiert ist, so Reinéry, sei auf die "Steigerung der Rechtsunsicherheit bei allen Beteiligten" zurückzuführen.

Reinéry: "Es wird keine Umzingelung von Dörfern geben"

"Seit einem halben Jahr tut sich aber wieder was." Die potenziellen Flächen sind auf einer Karte unter www.kirchhundem.de einsehbar, wie Christoph Henrichs, Vorsitzender der Dorf-AG Heinsberg und zugleich Fraktionschef der UK im Gemeinderat, ergänzte. Henrichs zeigte den Ausdruck einer solchen Karte, was bei vielen zum Eindruck führte, der Ort werde "umzingelt", da rund um Heinsberg, aber auch bei Albaum und dem Höhenzug um Kohlhagen laut Karte die "wirtschaftlich günstigsten Windverhältnisse" herrschen.

Dem widersprach der Bürgermeister: "Es wird keine Umzingelung von Dörfern geben." Geplant werden müsse „für die ganze Gemeinde, nicht nur für Heinsberg“. Die "Planungskorridore" müssten noch mit Fachplanern und -juristen erarbeitet werden. Aber: "Es wird weder eine Verhinderungs-, noch eine Befürwortungsplanung geben." Die Skepsis gegenüber den kolportierten bis zu 17 Windrädern auf dem Rothaarkamm zwischen Siegerland und Heinsberg konnte allerdings auch Reinéry nicht ausräumen. 

Günther Pulte, Geschäftsführer der "RothaarWind GmbH", die bereits den Bürgerwindpark Hilchenbach in der Nachbarschaft Heinsbergs betreibt, bestätigte die Absicht, sieben WEA auf Hilchenbacher und zehn auf Kirchhundemer Seite errichten zu wollen. Pulte wandte sich gegen den Einwand, "nur wenige profitieren von der Windkraft". Pulte: "Sinn des Bürgerwindparks ist es, dass die Bürger der Standortgemeinde Miteigentümer werden."

Alle gesetzlichen Vorgaben würden durch die RothaarWind "übererfüllt". Kein Rad stehe "näher als 2200 Meter zum ersten Heinsberger Haus", im Schnitt seien es "3300 Meter". Und Schattenwurf und Beeinträchtigungen durch Lärm ("Wir unterschreiten die festgelegten Schallgrenzen deutlich") "verhindern die Höhenzüge zwischen Anlagen und Dorf". Zudem, so erklärte der Rahrbacher, werde es "Transparenz" geben, unter anderem in Form einer Informationsveranstaltung in Heinsberg. "Die Windenergie ist ein emotionales, hochexplosives Thema. Es zerreißt Orte und Familien. Wir brauchen den Dialog über alle Fragen", appellierte Andreas Reinéry eindringlich. 

Skepsis ist angebracht: "Das Pro und Contra geht los, wenn wir hier heraus gehen", so der Kommentar eines Teilnehmers.

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