Viele Leser unterzeichnen ai-Petition

Ildar Dadin lebt - in einem Straflager in Sibirien

Ildar Dadin wurde in das Straflager Nr. 5 in in der Region Altai Krai verlegt. Dort scheinen die Haftbedingungen etwas besser zu sein.

Lennestadt/Altai Krai. Es gibt Lebenszeichen von Ildar Dadin. Der junge Russe war vom Inlandsgeheimdienst FSB wegen einer friedlichen Anti-Putin-Aktion verhaftet und in das „Straflager Nr. 7“ in Karelien gebracht worden (der SauerlandKurier berichtete). Dadins Fall war von amnesty international (ai) und der Lennestädter ai-Gruppe aufgegriffen worden. Die Appelle vieler Menschen auch aus dem Kreis Olpe und der vielfältige öffentliche Druck haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Dennoch ist Dadins Situation nach wie vor untragbar.

Oleg Mishechkin, in Brachthausen wohnender Freund von Ildar Dadin, der seinerzeit mit ihm in Moskau verhaftet worden war, und Jochen Pfeiffer aus Meggen (ai Lennestadt) haben neue Informationen über Dadins Schicksal erhalten. Der Verdacht von Pfeiffer und Mishechkin, dass Ildar Dadin in ein anderes Lager verlegt worden sei, um ihn mundtot zu machen, hat sich bestätigt. Er befindet sich jetzt im „Straflager Nr. 5“ in der Region Altai Krai östlich des Ural. 

Zum Glück haben sich aber die Haftbedingungen für den politischen Häftling durch die Publizität des Falles ein wenig verbessert. Oleg Mishechkin, anerkannter politischer Flüchtling, schreibt nach Rücksprache mit Dadins Ehefrau und Anwalt: „Ildar Dadin hat mit seiner Frau Anastasia Zotova telefoniert und berichtet, dass er im „Straflager Nr. 5“ in der Region Altai Krai festgehalten wird, wie Anastasia Sotova am 8. Januar in den sozialen Medien bekanntgegeben hat. Es gibt ein Audio seines Telefonats mit der Ehefrau, aber das Gespräch wurde abgebrochen. Ildar berichtet, dass er sich schuldig fühlt, dass er die Anklage der Schuldigen an den Folterungen in der karelischen Strafkolonie nicht verfolgen konnte. Seine Ehefrau versicherte ihm, dass sie und andere Aktivisten diesen Fall zu Ende führen würden. Wie es mit Dadins Gesundheit steht und unter welchen Bedingungen er sich in der neuen Zelle befindet, ist nicht bekannt. Angeblich wird Ildar mehr nicht gefoltert oder geprügelt.“ 

Pfeiffer: „Die Feder ist unsere Waffe“ 

Am 14. Januar gab es dann, so Oleg Mishechkin, ein weiteres Lebenszeichen von Dadin: „Das Gespräch wurde von Wachmännern abgebrochen, sonst hätte Ildar darüber mehr erzählt. Zum Glück hat aber der Anwalt von Ildar ihn in Sibirien neulich besucht und Ildar hat ihm wieder diktiert. Ildar beschwert sich nicht mehr, es geht ihm definitiv gut und er ist mit den neuen Bedingungen im ganzen genommen zufrieden. Die Polizisten und das Wachpersonal gehen mit ihm seit einem Monat völlig korrekt um. Im Interview hat Ildar davon erzählt, wie er in das neue Gefängnis verlegt wurde, Gott sei Dank war der Weg nach Sibirien nicht schwer. Es ist alles absolut reibungslos verlaufen, er war in verschiedenen Städten. Was die Gesundheit betrifft, hat Ildar einige Probleme, aber er bekommt regelmäßig Hilfe und das tut ihm gut. Wir können einen kleinen Sieg feiern, obwohl Ildar noch nicht in Sicherheit ist, weil er sich im Gefängnis und überhaupt in Russland befindet.“ 

Dass aber auch die Lagerleitung in Sibirien nicht mit sich spaßen lässt, erfuhr Anastasia Sotova vor zwei Tagen: Sie hatte bereits eine Zugfahrkarte gekauft, als ihr ohne Angabe von Gründen der zuvor zugesagte Besuch bei ihrem Mann verweigert wurde. Sotova und Dadins Anwalt vermuten dahinter eine „Retourkutsche wegen der Veröffentlichungen über das Schicksal Ildar Dadins“. Im Namen aller Beteiligten bedankt sich Jochen Pfeiffer dennoch für die Unterstützung aus dem Kreis Olpe. 

Nach der Veröffentlichung des Artikels im SauerlandKurier am Sonntag, 18. Dezember, haben viele Leser die Petition von ai („urgent action“/dringende Aktion) im Internet unterzeichnet. Jochen Pfeiffer: „Für mich und meine Freunde von der Lennestädter ai-Gruppe ist es erfreulich zu sehen, dass die gemeinsame Brief-, Appell- und Presseaktion Wirkung gezeigt hat und zumindest zu einer Verbesserung der ursprünglichen Situation geführt hat. Das ist ein erster Schritt. Wir werden uns weiter bemühen, mit unseren Möglichkeiten, getreu dem ai-Motto ,Die Feder ist unsere Waffe‘, die ungerechte Haft von Ildar Dadin entweder zu beenden oder zumindest zu verkürzen.“ 

www.amnesty.de/urgent-action/ua-247-2016/foltervorwuerfe-haft

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