Gemeinde Kirchhundem zeichnet Hansjörg Weißbrich aus

Lust am visuellen Erzählen

Tobias Middelhoff (l.), Beigeordneter der Gemeinde Kirchhundem, gratulierte Filmeditor Hansjörg Weißbrich zum erneuten Gewinn des Filmpreises „Lola“. Foto: Helena Penner

Im Mai dieses Jahres hatte er zum zweiten Mal den Filmpreis „Lola“ gewonnen. Gold für den besten Schnitt erlangte er mit seiner kreativen Arbeit für den Film „Zwei Leben“.

Am Freitagnachmittag wurde der in Hofolpe aufgewachsene Hansjörg Weißbrich von der Gemeinde Kirchhundem für seine herausragenden Leistungen in der Filmbranche geehrt.

Aus Berlin reiste der Filmeditor an, um die Ehrung entgegenzunehmen. Vielen verschieden Filmen hat er bereits seine Sicht geschenkt. Bei seiner Tätigkeit gehe es darum, aus dem gesamten vorliegenden Filmmaterial den Film zu gestalten, erklärte Weißbrich. Szenen richtig zu ordnen, aus mehrfach gedrehten Ausschnitten den passenden auszuwählen, bestimmte Perspektiven auszusuchen. Zeigt man etwas aus der Nähe oder Weite, wann soll ein Blick sichtbar werden und für wie lange?

Fragen, die der Filmeditor visuell beantwortet. Der Schnitt des Tons und die Auswahl von Musikstücken sind aber auch Bestandteil der „Schneidearbeiten“. Das ganze habe mit Rhythmusgefühl zu tun. Im Schneideraum entsteht der Film. „Oder er entsteht neu“, sagt Weißbrich.

Er hat bereits mit namhaften Regisseuren zusammengearbeitet wie beispielsweise Roland Emmerich („Independance Day“), und man lässt ihm für seine Arbeit alle Freiheit, weil er das Vertrauen der Filmleiter genießt.

Der Einstieg in die Filmbranche fand recht spät statt, aber Filme waren schon früh ein wichtiges Thema für Weißbrich. In der Oberstufe fuhr der Hofolper oft gemeinsam mit Freunden ins Kino „Viktoria“ in Dahlbruch. Mit einem Lehramtsstudium wollte er zuerst in die Fußstapfen seines Vaters treten. Französisch und Musik wählte Weißbrich. Bei einem Auslandsaufenthalt als Assistenzlehrer in Frankreich bekam er eine Praktikumsstelle als Filmvorführer. So hatte er die Möglichkeit, ein bis zwei Filme pro Abend zu sehen – und gleichzeitig knüpfte er Kontakte zur Filmszene.

Vorliebe für das Anspruchsvolle

Die Liebe zum Film setzte sich am Ende durch bei der Wahl der wissenschaftlichen Ausbildung. Es folgte ein Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Praktika und Schnittassistenzen, bis der Editor 1995 begann, freiberuflich zu arbeiten.

Seitdem folgten viele Auszeichnungen. Der bescheiden und authentisch wirkende Weißbrich bevorzugt nach eigenen Angaben schöne und anspruchsvolle Projekte, auch wenn für diese das Budget oft begrenzter sei. Dies sei auch bei dem Film „Zwei Leben“, für den er die „goldene Lola“ erhielt, der Fall gewesen. Die Fertigstellung wurde nur dadurch möglich, dass das Team auf einen Teil des Honorars verzichtete.

Leidenschaft sei es, die ihn antreibe, die Lust am visuellen Filmerzählen, sagt Weißbrich. Eine große Rolle spielt für ihn auch die Musik, die schon in früher Kindheit Teil seiner Erziehung gewesen sei. Auch die Freude daran, Filme nur zu sehen, konnte sich der Künstler, der über die Jahre hinweg viele analytische Filmkenntnisse erwarb, trotzdem bewahren. (Von Helena Penner)

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