Gemeinde Kirchhundem und Dorf-AG prämieren vier studentische Entwürfe

Masterplan lenkt Welschen Ennests dynamische Entwicklung in geordnete Bahnen

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Blick auf die vier Preisträgergruppen, prämiert durch (v.l.): Reinhard Hesse (Dorf-AG Welschen Ennest), Bürgermeister Björn Jarosz, Prof. Dr. Thorsten Ehl und Steffen Baumhoff (Dorf-AG).

Welschen Ennest befindet sich in einer bemerkenswerten dynamischen Entwicklung. „Hier passiert unheimlich viel“, lobt Kirchhundems Bürgermeister Björn Jarosz den Ort. „Welschen Ennest ist gewachsen und gewachsen.“ - zu sehen an Wohnungs- und Gewerbebau. Damit die Entwicklung „in geordneten Bahnen“ verläuft, „haben wir professionelle Hilfe gesucht und an der Universität Siegen gefunden“. Dorf-AG Welschen Ennest und Gemeinde initiierten mit dem Lehrbereich Städtebau im Masterstudiengang „Bauen im Bestand“ unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thorsten Erl einen studentischen Ideenwettbewerb „Grüße aus Welschen Ennest – Masterplan für die Entwicklung des Dorfkerns“. Dessen vier beste Entwürfe wurden am Samstag, dem„Tag der Städtebauförderung“, in der Schützenhalle des Ortes präsentiert und prämiert.

Welschen Ennest – Die Aufgabenstellung lautete, Strategien und Maßnahmen zu finden, den Ortskern „auf detaillierter Ebene sowie das Zusammenspiel mit den benachbarten Orten auf Rahmenplanebenen aufzuwerten und zukunftsfähig zu machen“. Von elf Entwürfen wurden vier prämiert und mit insgesamt 2500 Euro dotiert; die ursprünglichen 2000 Euro Preisgeld hatte die Dorf-AG „Impulse für Welschen Ennest“ um 500 Euro aufgestockt.

Im Ortskern von Welschen Ennest, heißt es in einem Begleitschreiben der Gemeinde, „treffen zunehmend verschiedene Nutzungsansprüche aufeinander, die eine geordnete und zukunftsfähige Strukturierung erforderlich machen“. Ausgehend von „Komplexität und umfänglicher Problemlage im Ortskern“ ermögliche die Kooperation mit der Uni Siegen, „den Blick für Lösungsansätze zu erweitern sowie für die weitere Aufgabenstellung zu schärfen“. Jarosz lobte ebenso wie Prof. Erl das große Engagement von Dorf-AG und Welschen Ennester Bürgern. Es habe eine „starke Beteiligung mit vielen Ideen und Anregungen gegeben“.

Alle elf Entwürfe wurden auf Stellwänden in der Schützenhalle präsentiert.

Erl lenkte den Blick auf generelle Entwicklungen in der Stadtplanung. Die Planungen „beziehen immer die Generationen mit ein, die heute noch gar nicht leben, denn Entwicklungen in den Orten brauchen ihre Zeit“.

„Leben und Arbeiten“ an einem Ort

Vor allem die Identität von „Leben und Arbeiten“ – getreu des Sauerland-Slogans: „Leben und Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ – habe durch Corona „die Entwicklung im ländlichen Raum sehr stark in den Fokus gerückt“. Es gelte daher, „schon jetzt, Leben und Arbeiten in neue Konzeptionen und Vernetzungen mit der umgebenden Landschaft einzubringen, die heute noch gar nicht in unseren Köpfen sind“. Die Studentengruppen hätten daher „einerseits Teile unter die Lupe genommen, andererseits aber auch den Gesamtort in seiner landschaftlichen Einbindung und Vernetzung untersucht“. Wohnen, Arbeiten, Baukultur, Infrastruktur, Landschaft und Vernetzung waren nach Erl Vorgaben für der Arbeiten.

Auf neuen Wegen durch Welschen Ennest

Platz 1 und 1000 Euro erhielten Julia-Elisabeth Schander und Isabell Pazmann für ihren Entwurf „Auf neuen Wegen durch Welschen Ennest“. Die Arbeit, so die Jury aus, „thematisiert sehr stark die fußläufige Vernetzung und Verbindung sowohl großräumig über die gesamte Ortslage Welschen Ennest und auch kleinräumig (Ortsmitte) und wird zum konzeptionellen Ansatz der Arbeit. Die Vernetzung zwischen Ortsmitte und dem Rahrbach wird über neue Wegeverbindungen, ebenso der Ausbau bestehender Wegeverbindungen als Stärke der Arbeit empfunden. Darüber hinaus werden die Naturräume in Zusammenhang gebracht, wobei der Rahrbach als Gewässer thematisiert und als Erlebnisraum herausgestellt wird. Die Vernetzung mit den umgebenden Landschafträumen wird angedeutet. Besonderen Fokus legt die Arbeit auf die freiräumlichen Qualitäten. Unterschiedliche Nutzungs- und Gestaltungsansätze schaffen eine Sequenz von attraktiven Angeboten für Freizeit und Erholung“.

750 Euro und Platz 2 gab es für Annika Slenzka und Louisa Gail und ihren „ErlebnisRaum Welschen Ennest“, in den sie „Verbesserungs- und Gestaltungsvorschläge“ einbringen, beispielsweise für die innerörtlichen Wegeführungen im alten Dorfkern, die Einbindung des Schulhofs sowie des Geländes der Caritas, die „eine gute Ausgangsbasis für die Entwicklung des Ortskerns bilden“. Weiter: „Eine neue und starke grünräumliche Verbindung der Ortsmitte mit dem Rahrbachtal stärken insgesamt den Fuß- und Radverkehr vor Ort. Begleitet werden diese Maßnahmen mit der Ausbildung neuer Attraktionen entlang dieser Wegeverbindungen. Es entsteht ein neuer Kirchplatz mit hoher Aufenthaltsqualität, der zur stärkeren Identifikation mit dem Ortskern und seinem öffentlichen Raum beiträgt. Mit einem gastronomischen Angebot entsteht ein lebendiges und erlebbares Zentrum. Dabei ist die vorgeschlagene Bebauung maßstäblich gut gewählt, fügt sich in den bestehenden Kontext ein und bietet darüber hinaus neue Möglichkeiten einer Erdgeschossnutzung, die in den Ortskern hinaus strahlt.“

Einen anderen Ansatz verfolgen Anna-Sophie Schlosser und Lisa Bäumer mit ihrem „Erlebnispfad Rahrbachtal“, für den es den 3. Platz und 500 Euro gab. „Im Fokus der Arbeit steht der Landschaftsraum entlang des Rahrbachs. Das gesamte Tal verbindet gleich mehrere Orte miteinander. Diese natürliche Vernetzung nehmen die Verfasserinnen auf und inszenieren einen Erlebnispfad entlang des Rahrbachs. Die Arbeit besticht dabei durch ihre konzeptionelle Klarheit und ihrer stringenten Bearbeitung in den unterschiedlichen Maßstabsebenen. Die schon in Teilen begonnene Renaturierung des Rahrbachs wird als wesentliche Zukunftsaufgabe weitergeführt und sorgt so einerseits für mehr Attraktivität des Wohn- und Arbeitsortes Welschen Ennest und andererseits für mehr Klimaschutz vor Ort. Darüber hinaus bietet die Arbeit auf der gesamtörtlichen Betrachtung Hinweise zu Nachverdichtung und der Schaffung von mehr Wohnraum an ausgewiesenen Stellen. Auf sogenannten ,Aktionsflächen` werden die Themen Wasser, Wiese, Wald und Straße bearbeitet. In drei Ausschnitten werden Gestaltungs- und Nutzungvorschläge verständlich konkretisiert. Im Bereich des Gewerbegebietes werden die aktuell öffentlich begehbaren Bereiche respektiert und mit attraktiven Elementen, wie Sitzstufen und Wassertrittsteine gestaltet. Den Verfasser*innen ist die Verknüpfung von Freizeitangeboten mit edukativen Elementen im Landschaftsraum wichtig. Im Bereich des historischen Zentrums inszeniert die Arbeit einen Erlebnisweg vom Bahnhof bis zur Schule. Mit der Vergrößerung des Dorfplatzes, einer neuen Bushaltestelle und weiteren Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sowie zusätzlichen Baumpflanzungen im öffentlichen Raum kann zukünftig eine attraktive Ortsmitte entstehen“, so die Jurybegründung.

Ideen des Wettbewerbs sukzessive realisieren

Last but not least wurde die Arbeit von Husna Parwani und Elena Künz mit Platz 4 und 250 Euro gewürdigt. Das Duo widmete sich dem „Leben im zukunftsfähigen Dorf“. Der Entwurf fußt „auf einem Maßnahmen-Dreiklang von Wohnen, Verkehr und Freiraum und bearbeitet vor allem zwei konkrete Bereiche. Gemäß Aufgabenstellung werden unterschiedliche Angebote zur Stärkung des Ortskerns gemacht. Darüber hinaus und im Unterschied zu vielen anderen Arbeiten zeichnet sich die Arbeit durch die konzeptionell starke räumliche Verbindung von Welschen Ennest mit Rahrbach aus. Die Umbau- und Gestaltungsvorschläge für den Ortskern sind tragfähig und zukunftsfest. Gerade die Kombination von ,shared-space-Abschnitten` und Einbahnstraßen im Ortszentrum kann für ein Höchstmaß an Barrierefreiheit und inklusiven öffentlichen Raum sorgen. Richtig dabei scheint auch die neue Fußgängerbrücke neben den Werthmann- Werkstätten, die den Bahnhof mit dem Ortskern wesentlich angenehmer verbindet. Die Arbeit setzt wichtige Aspekte in Bezug auf die Inklusion von Kindern und Jugendlichen in das Dorfgeschehen. Zum Beispiel wird der Schulhof zu einem attraktiven Außenbereich mit Sitzmöglichkeiten, Grasflächen, Sandflächen mit Spielgeräten und einem bespielbaren Hügel transformiert. Die Arbeit schlägt zudem die Pflanzung von zusätzlichen Bäumen vor, die der Klimaanpassung in den Sommermonaten dienen. Die moderate Nachverdichtung, die für den aktuellen Parkplatz entworfen wurde, wird von der Jury in Form, Gestalt und Maßstäblichkeit gelobt. Es soll ein integratives Wohnangebot entstehen. Die Idee eines inklusiven Cafés in Verbindung mit einem Co-Working-Space erweitert die Angebotspalette um neue und zukunftsfähige Nutzungen im Ortszentrum. Die Arbeit bietet einen interessanten Beitrag in Bezug auf die konzeptionelle Weiterentwicklung Richtung Rahrbach und der damit verbundenen räumlichen Integration der Sportflächen, der in die weiteren Überlegungen mitgenommen werden sollte“.

„Der Grundstein ist gelegt“

An der Gemeinde sei es nun, so Björn Jarosz in seinem Schlusswort, „diese tollen Ideen in die Realität umzusetzen“. Die Dorf-AG und die Gemeinde „bleiben am Ball“, um den Masterplan sukzessive zu verwirklichen. Der Bürgermeister: „Der Grundstein ist gelegt.“ Auch der Dorf-AG-Vorsitzende Reinhard Hesse äußerte sich ähnlich: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wir hoffen und wünschen uns weiterhin die Unterstützung und positive Begleitung von Verwaltung, Kommunalpolitik und der Bürger unseres Ortes.“ Mit der Preisverleihung sei ein „erstes Etappenziel“ im Gesamtprojekt „Masterplan für die Dorfkernentwicklung“ erreicht, sehr zur Freude der Dorf-AG.

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