Springläuse sorgen für guten Ton auf Schrabben Hof

Dieses Quartett will doch nur spielen

Mit diesem Motiv warben die Springläuse seinerzeit im Crowdfunding für das Projekt Tonanlage (v.l.) Leah Hufnagel, Mannon Umlauf, David Assmann und Saskia Mertens.

Silberg/Kirchhundem. David gibt erst „den Gebärenden“ und anschließend „die Leiche“: Kann alles passieren, wenn „Die Springläuse“ Yoga auf ihre ganz eigene Weise interpretieren. Dabei wollen die vier doch eigentlich nur eins: spielen.

Die Springläuse“ sind inzwischen so etwas wie das Aushängeschild der Jugendarbeit auf dem Kulturgut Schrabben Hof in Silberg. Das Gemäuer beherbergt Theater und Café, auch die Trödelscheune öffnet regelmäßig. MuT-Sauerland hat hier eine Heimat gefunden; der Verein will Menschen der Region Kunst und Kultur mit Künstlern aus nah und fern bieten. Zum Programm zählt auch die sogenannte MuT-Probe. 

Dank dieser offenen Bühne, auf der junge Leute sich mit Musik- und Wortbeiträgen, Liedern, Popsongs, Rap, Poetry, Sketchen, eigenen Texten etc. austoben können, fand vor rund zwei Jahren auch dieses Quartett zusammen. Der heute 16-jährige David Assmann, Leah Hufnagel (16), Mannon Umlauf (15) und Saskia Mertens (15) sind Schülerinnen bzw. Schüler am Gymnasium Maria Königin, wo sie in der Theater-AG von Ulrike Wesely mitwirken. Sie ist als Pädagogische Fachkraft am MK beschäftigt und zugleich Künstlerische Leiterin bei MuT-Sauerland. Und hier schließt sich der Kreis. 

Inzwischen sind „ihre“ Springläuse flügge geworden. Deren Spezialität ist Improtheater – Theater in Bewegung, kein stures Auswendiglernen, stattdessen schnell reagieren und vieles ausprobieren, das Publikum mitnehmen und sich mitnehmen lassen. Die zwei MuT-Proben, die jährlich am Schrabben Hof stattfinden, managen und moderieren die Springläuse inzwischen selbstständig: als MuT-TV, als MuT-Airlines oder, wie zuletzt, im satirischen „Wahlkampf“ mit „Make MuT great again!“ 

Mit Augenzwinkern und Köpfchen 

Die vier, die der SauerlandKurier zwischen Unterricht und Theaterprobe in der Schule erwischt, lachen jetzt noch, wenn sie daran denken. Sie lachen überhaupt gern gemeinsam. Es war am Ende übrigens Leahs Schlagerbündnis Deutschland (SBD) mit einer gewissen Helene Fischer als Vorsitzender, das sich gegen Die Seeräuber, Die Grauen Pandas und die AfT (Alle für Trump) durchsetzte. Alles mit Augenzwinkern, aber nicht ohne Köpfchen, wie Ulrike Wesely feststellte: „Es war eine richtig anspruchsvolle Show, ihr habt das Thema durchdrungen“, lobt sie die Jugendlichen. Alle Texte waren wie immer selbstgeschrieben. Im vergangenen Jahr haben sie den Wiki-Preis des Kreisjugendrings geholt. Aktuell in Arbeit ist ein MuT-sical, wobei es sich gut trifft, dass einige Springläuse auch singen und Klavier spielen können. Zusammen mit Ulrike Wesely planen sie ein Jugendtheaterprojekt mit Hochzeitskeid und Fallschirmseide, das unter anderem vom Kultursekretariat NRW Gütersloh gefördert wird. 

Überhaupt sind die Springläuse in Sachen Unterstützung gut unterwegs: Sie waren als Galeonsfiguren für den Schrabben Hof beim Crowdfunding der Volksbank Bigge-Lenne erfolgreich (siehe ges. Text) und spülten mithilfe pfiffig inszenierter Bilder 6821,11 Euro, satte 2000 Euro mehr als benötigt, in die Kasse. Von dem Geld wurde eine Tonanlage für das Kulturgut angeschafft. „Es ist toll, in eine andere Rolle schlüpfen zu können, vor interessiertem Publikum zu stehen“, muss Saskia nicht lange überlegen, was sie an ihrem Hobby so reizvoll findet. David mag einfach die Atmosphäre im Schrabben Hof, „das ist so retro“. Leah genießt es, sich selber auf der Bühne nicht so ernst nehmen zu müssen, und Mannon verdankt dem Hobby mehr Selbstbewusstsein: „Mir persönlich hat es sehr geholfen.“ 

Ulrike Wesely ist immer noch ganz verblüfft über das, „was sich am Anfang getan hat und was sich jetzt tut“. „Man will mit dem Publikum spielen!“, wirft David ein, das Wörtchen „will“ betonend. „Das ist die beste Methode, sich stark auf die Bühne zu stellen, ein Training für Präsenz“, sieht Wesely auch einen Mehrwert fürs Leben. Die vier verabreden sich per WhatsApp, die Treffen finden mal hier, mal da statt. Dann machen sie Übungen, die sie aus Büchern kennen, holen sich Anregungen aus dem Internet, probieren und improvisieren. Tische, Stühle, Keyboard und Gitarre – viel mehr Spiel-Zeug brauchen sie nicht, um sich neue neue Geschichten auszudenken. Die fließen, wer weiß, in die nächste MuT-Probe, bei der das Publikum zwar seinen Spaß haben soll, aber nicht verschont wird. 

„Kleiner peinlicher Traum“ 

Und dann gibt es da noch das, was Saskia „einen kleinen peinlichen Traum“ nennt: einmal mit dem bekannten Improtheater Springmaus „was machen“. Gesehen haben sie sie schon, vor einiger Zeit im PZ Meggen. Immerhin haben auch die Springläuse dort schon auf der Bühne gestanden, erst neulich beim Jugendkulturfestival. Also die selben Bretter, die die Welt bedeuten, wenn auch – vorerst noch – getrennt.

Stichwort Crowdfunding 

Neben den Springläusen gehörte auch die katholische Grundschule zu den Kirchhundemer Abräumern des Crowdfundings: Für ihr Zirkusprojekt sammelten sie 4387,81 Euro (der SauerlandKurier berichtete bereits). Die Höhe des Co-Fundings der Volksbank belief sich hier auf 1000 Euro, bei den Springläusen waren es 1400 Euro. Co-Funding bedeutet, dass die Volksbank Bigge-Lenne für jeden Unterstützer, der mindestens zehn Euro einzahlt, 10 Euro obendrauf legt. Im vergangenen Jahr waren das insgesamt 6.000 Euro, für 2017 stellt das Kreditinstitut 60.000 Euro für die Region bereit. Weitere Informationen unter voba-bigge-lenne.viele-schaffen-mehr.de an. 2016 und 2017 haben sich insgesamt zehn Vereine am Crowdfunding beteiligt bzw. beteiligen sich noch. 

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