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Testen, was das Zeug hält

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Von: Hartmut Poggel

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Edeltrud Neu nimmt vor der Tür den Nasenabstrich ab.
Edeltrud Neu nimmt vor der Tür den Nasenabstrich ab. © Hartmut Poggel

Petra Hesse, Leiterin der Corona-Teststelle in der Kirchhundemer St. Valentin-Apotheke, sieht recht entspannt aus – trotz allem: „Wir machen, was wir können. Aber wir sind die einzige Teststelle in der Gemeinde Kirchhundem.“ Das bedeutet Arbeit am Anschlag.

Kirchhundem - Mittwochnachmittag ist die Apotheke geschlossen. Die Mitarbeiterinnen opfern ihre Freizeit. Normalerweise laufen Geschäfts- und Testbetrieb parallel: „Wir haben einen Versorgungsauftrag. Wir können die Apotheke nicht schließen, um zu testen. Heute testen wir von 15 bis 18.30 Uhr, es wäre auch locker bis 20 Uhr möglich, wenn ich unsere Liste sehe.“

Seitdem Ungeimpfte einen täglichen – für Personen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik kostenlosen – Test für ihre Arbeit benötigen, herrscht „Daueralarm“: Mehr als 200 Tests pro Tag sind da keine Seltenheit.

15 Uhr: Die vierköpfige Testcrew geht in Stellung. Das Frauenquartett ist eingespielt. Und das, obwohl eine Neue dabei ist. Kurze Einweisung, kurze Besprechung. Es schellt an der Tür. Dort warten schon die ersten „Testpersonen“.

Der Vorgang an sich ist schnell erledigt. „Nehmen Sie bitte die Maske runter. Nun schauen Sie bitte geradeaus“, sagt Edeltrud Neu.

Mit ihrem Glasvisier, der obligatorischen Maske, dem grünen Kittel und den Einweghandschuhen könnte sie auch im Thriller „Outbreak“ mitspielen. Für den Getesteten ist in Sekunden alles vorbei. „Wir testen uns jeden Morgen, durchgeimpft sind wir natürlich auch“, erläutert Simone Beckmann.

Der gesamte Test dauert 15 bis 20 Minuten
Der gesamte Test dauert 15 bis 20 Minuten. © Hartmut Poggel

Die benutzten Stäbchen werden ein Stockwerk höher zur Auswertung gebracht. Eva Aßmann steht schon bereit mit dem Testkit. Der Prozess dauert nur wenige Minuten, dann erscheint auf dem PC-Monitor das Ergebnis. „Und wenn unsere Kunden im Vorfeld alles richtig gemacht haben, erhalten sie in 15, 20 Minuten per Mail das Ergebnis“, erläutert Petra Hesse. Wer es schriftlich will, muss halt so lange warten.

„Wir bitten um Online-Terminbuchung.“ Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. „Viele Menschen haben immer noch keinen Internetanschluss, oder verstehen die Vorgehensweise nicht. Bei der engen Taktung ist es kaum möglich, Leute, die glauben, sie können spontan vorbei kommen, dazwischen zu schieben.“

Pro Minute ein Test

In Spitzenzeiten werden vier bis fünf Personen binnen fünf Minuten getestet, da bleibt keine Zeit für Verzögerungen. „Wir wechseln uns an der Tür zwar regelmäßig ab. Aber wenn wir nicht die eine oder andere Freiminute einplanen, bleibt kaum Zeit zum Luftholen“, sagt Edeltrud Neu. Dies ist wörtlich zu verstehen.

Zu Beginn Tumult

„Die Frauen machen, was sie können. Vor ihnen muss man den Hut ziehen“, erläutert einer der Wartenden draußen. Diese Gelassenheit war nicht selbstverständlich: „Am ersten Tag, nachdem die 3G-Regel am Arbeitsplatz eingeführt wurde, gab es ein wenig Tumult. Es kam zu Beleidigungen. Ungeimpfte konnten nicht verstehen, dass sie warten mussten. Die Politik beschließt, aber wir können nicht in wenigen Minuten eine ganze Handlungskette hochfahren. Das beginnt bei der Bestellung von Kits und endet bei einem minuziösen Dienstplan. Aber wir haben unsere Arbeit im Griff, lange Schlangen wie zu Beginn sind jetzt eher die Ausnahme.“

Petra Hesse spricht den Kolleginnen aus der Seele, wenn sie sich wünscht, dass das Rote Kreuz sein ehemaliges Testzentrum an der Kirchhundemer Schützenhalle ebenfalls wieder „hochfährt“.

Und wie geht es weiter? Simone Beckmann: „Es ist auffällig, dass sich viele Geimpfte oder Genese testen lassen, bevor sie zu einer Veranstaltung oder Ähnlichem wollen. Die Vorsicht ist da, aber leider gibt es auch noch Ungeimpfte. Und die müssen dann halt täglich zu uns kommen. Einige verstehen dann nicht, dass sie sich nicht mal eben schnell einen Termin für den Folgetag geben lassen können.“

Sorge wegen 2G plus


Und noch etwas ist für die Crew sehr aufwändig und hat auch schon seinen Niederschlag auf der Apotheken-Website gefunden: „Bitte nur in Notfällen in der Apotheke anrufen und einen Testtermin machen. Wir lassen niemanden hängen. Es hilft uns einfach sehr, wenn sich die Leute online einbuchen unter www.apotheke-kirchhundem.de.“

Apotheken klagen im Lande über Versorgungsengpässe: „Es geht noch, wir haben noch einen Puffer bei den Testkits.“ Angst um die eigene Gesundheit haben die „Vier von der Teststelle“ nicht, aber eine andere Sorge treibt sie um: „Wenn 2G plus kommt, dann können wir hier übernachten.“

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