"Genossenschaftsmitglieder im Vorfeld nicht informiert"

Schließung des Raiffeisenmarkts in Welschen Ennest stößt auf Unverständnis

Der Slogan auf vielen Raiffeisen-Fahnen scheint für Welschen Ennest nicht mehr gültig.

Welschen Ennest - Die Schließung des Raiffeisenmarkts in Welschen-Ennest lässt den Unmut vieler Bürger, vor allem aber der Genossenschaftsmitglieder und Landwirte hochkochen.

"Die bevorstehende Schließung des Raiffeisenmarktes ist ein herber Schlag für die Bewohner des Rahrbachtals", meint beispielsweise Klaus Pulte aus Rahrbach. Er führt aus: Eine Genossenschaft, die über Jahrzehnte Gewinne gemacht hat, rutscht auf einmal in die Unwirtschaftlichkeit. Laut Geschäftsführer Schwarz sei das unter anderem auf ein verändertes Konsumverhalten der Kunden zurückzuführen. 

"Natürlich hat sich dieses geändert, aber der Hauptgrund liegt ohne Zweifel an dem in den letzten Jahren immer unattraktiveren, fehlenden, nicht der Kundschaft angepassten Warenangebot im Markt", hält Pulte dagegen. Trotz dieser Misswirtschaft habe der Welschen Ennester Raiffeisenmarkt auch in den letzten Jahren noch einen, wenn auch kleinen, Gewinn erzielen können. Pulte fragt sich: "Was ist los mit dieser Genossenschaft? Sind Geschäftsführung und Vorstand jetzt der Gewinnmaximierung verpflichtet, wie man es von Aktiengesellschaften kennt?"

Eine Genossenschaft sei laut Genossenschaftsgesetz nicht dem Ziel verpflichtet, Gewinne zu erwirtschaften, das heißt die Gewinnerzielung darf nicht zum Selbstzweck werden. Das solle natürlich nicht bedeuten, dass sie keine Gewinne erwirtschaften darf, sondern die Gewinnerzielung müsse letztlich dazu dienen, die Förderfähigkeit der eG zugunsten ihrer Mitglieder langfristig zu gewährleisten.

Landwirte besonders betroffen

Besonders betroffen von der Schließung sind die Landwirte, zum größten Teil auch Mitglieder der Raiffeisengenossenschaft. Gerade diesen Mitgliedern gelte laut Genossenschaftsgesetz die Verpflichtung sie „wirtschaftlich oder in deren sozialen und kulturellen Belangen zu unterstützen“. Hier werden die Kritiker besonders deutlich: "Wie das aussieht, kann man daran erkennen, dass die Geschäftsführung es noch nicht einmal für nötig erachtet, ihre Mitglieder im Vorfeld über die drohende Schließung zu informieren. Das Argument von Herrn Schwarz zur Perspektivlosigkeit des Raiffeisenmarktes, es gäbe auch in Zukunft keine größere Anzahl an Landwirten, kann man so nicht hinnehmen. Der Umsatz an landwirtschaftlichen Produkten hängt zum Großteil von der bearbeiteten Fläche ab und die bleibt, unabhängig von der Anzahl der Landwirte, gleich. Betroffen sind natürlich auch sehr viele Einwohner, die jetzt für ein Paket Nägel oder einen Eimer Sand nach Olpe, Attendorn oder Kirchhundem fahren müssen. Was jedoch alle Bewohner unseres Tales betrifft und betroffen macht - und hier besonders die Älteren -, ist die damit verbundene Schließung der Poststelle."

Thema für bevorstehende Wahlen?

Pulte abschließend: Da der Verkauf des Grundstücks an die Firma Mennekes wohl schon in trockenen Tüchern sei, könne man von Geschäftsführung und Vorstand wahrscheinlich nicht erwarten, dass sie "ihrer sozialen Verantwortung sowie dem Grundgedanken der Raiffeisenbewegung nachkommt und zumindest für den Verbleib bzw. für einen alternativen Standort der Poststelle sorgt. Daher wäre dies doch sicher eine lohnende Thematik für unsere lokalen Politiker, angesichts der anstehenden Kommunalwahlen."

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