Organspende: Herztransplantierte bezieht Stellung

„Viele Träume und Hoffnungen sind geplatzt“

Brigitte Grotmann und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, auf dessen Entwurf sie große Hoffnungen gesetzt hatte.

Hofolpe - Brigitte Grotmann aus Hofolpe ist Herztransplantierte, Mitglied des Transplantierten-Sportvereins „TransDia“, mit dem sie an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen hat.Die junge Frau schildert ihre Einschätzung zur Entscheidung des Deutschen Bundestags zum Tham Organpende.

„Mit großem Entsetzen haben sowohl ich, als auch mein Transplantierten-Sportverein TransDia, um 11.38 Uhr am Donnerstag, 16. Januar, die Nachricht über die Ablehnung der Widerspruchslösung des Bundestages empfangen.

Zu diesem Zeitpunkt sind viele Träume und Hoffnungen geplatzt.

Damit auch die Hoffnung, dass nicht jeden Tag drei Menschen auf der Warteliste allein in Deutschland sterben müssen.

Die Hoffnung, dass die betroffenen Angehörigen und Freunde um einen geliebten Menschen trauern müssen, die mit der doppelten Widerspruchslösung nicht hätten sterben müssen.

Die Hoffnung, dass die christliche Leitkultur der Nächstenliebe auch in der Organspende wiederzufinden wäre.

Der Traum, dass nicht die Diagnose einer akut fortschreitenden Immunerkrankung auf kurz oder lang den Tod bedeutet.

Der Traum, dass den unschuldig Betroffenen geholfen werden kann, weit bevor sie palliativ versorgt werden müssen.

Der Traum, dass man offen über Organspende, Patientenverfügung und den Tod sprechen kann, weil man damit seinen Angehörigen viel Trauerarbeit abnehmen kann und keine Fragen unbeantwortet lässt.

Persönliche Entscheidung bleibt

Mit der doppelten Widerspruchslösung wird niemand zur Organspende gezwungen, dies widerspricht allein dem Begriff ,Spende‘, jeder kann jederzeit seinen Widerspruch beim Arzt auf seiner Krankenkassenkarte speichern lassen. Es erleichtert allerdings das organisatorische Vorgehen, ohne die Angehörigen in ihrer Trauer mit weiteren Entscheidungen zu belasten.

Das Gegenargument der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock, den Bürgern die Entscheidung selbst zu überlassen, läuft für mich ins Leere, da die Entscheidung bei den Bürgern auch mit der doppelten Widerspruchslösung liegt – und auch liegen muss.

Es bliebe jedem, der nicht spenden möchte, die Möglichkeit nicht zu spenden und das ist auch gut und richtig. Es ist schade, dass der Bundestag nicht die Meinung der Bevölkerung vertritt, die nach der letzten Umfrage zu 61 Prozent den Vorschlag von Jens Spahn unterstützt.

Im September erhielten die Teilnehmer der Weltmeisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten von TransDia die Einladung von Jens Spahn ins Gesundheitsministerium nach Berlin. Dort konnten wir uns persönlich für seinen Einsatz um die Belange der Organspende bedanken und seine Wertschätzung unseres Einsatzes und Erfolges bei der Weltmeisterschaft in Newcastle, England, entgegennehmen.

Leider war sein langes Engagement für unsere Sache nicht von Erfolg gekrönt. Deutschland bleibt somit Importeurspitzenreiter und das einzige Land bei Eurotransplant (Verbund von Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn), das nicht die doppelte Widerspruchslösung umgesetzt hat.

Europaweit sind wir Schlusslicht bei den Transplantationen.

Ich selbst trage seit meinem 16. Lebensjahr, genauer seit meinem Krdführerschein, einen Organspendeausweis, weil es für mich eine Selbstverständlichkeit ist, im Falle meines Hirntods Menschen durch eine Organspende nicht nur ein Überleben, sondern ein würdiges Leben zu schenken. Zu diesem Zeitpunkt war für mich eine eigene Transplantation noch bei weitem nicht angedacht!

Schon der emeritierte Papst Benedikt hat vor Jahren die Organspende als höchsten Ausdruck der Nächstenliebe bezeichnet. Auch Papst Franziskus hat noch am Samstag dazu aufgerufen, sich für Organspende einzusetzen, da er sie als einen ,Akt der sozialen Verantwortung‘ sieht. Dem kann ich mich nur anschließen.

Aber egal für was man sich entscheidet, jeder sollte für sich eine Entscheidung treffen und diese entweder schriftlich festhalten, optimalerweise in seiner/ihrer Patientenverfügung, oder sie den Angehörtigen mitteilen und darauf vertrauen, dass dieser Wille im traurigen Fall umgesetzt wird.

Die Frage nach der Organspende an die Angehörigen nach dem Tod des potentiellen Spenders, ist die schwierigste Frage zum ungünstigsten Zeitpunkt and die unglücklichste für die Familie. Daher ist die Freiheit der Entscheidung die Einsicht in die Notwendigkeit.

Es sollte sich nur jeder selbst fragen, ob er im Falle eines Falles auch ein Organ empfangen wollen würde – denn es kann auch gesunde Menschen jeder Zeit treffen.“

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