"Wenn es ein Mädchen ist, töte es!"

Karl-Josef Simon mit den Schwestern des Ordens 'Daugherts of Mary' beim Besuch in einem Dalit-Dorf. Foto: SK

Seit zwölf Jahren unterstützen Christa und Karl-Josef Simon Projekte in Südindien. Indien ist ein Land mit vielen Gesichtern. Auf der einen Seite steht Indien als ständig wachsender Markt - auf der anderen Seite herrscht in den verstreuten Dörfen bitterste Armut.

Die Indienhilfe Simon unterstützt über das konvent "Daughters of Mary" ständig ein Krebskrankenhaus, ein Tuberkulose-Hospital und ein Lepradorf im Staate Kerala und Tamil Nadu.

Im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr werden die Spenden, die das Ehepaar zusammenträgt, für den Bau einer "Mehrzweckhalle" verwendet. Dieses Gebäude erhält einen Raum mit offenen Wänden für abendlichen Schulunterricht, zwei geschlossene Räume, die als Behandlungsraum und Apotheke genutzt werden sowie einen Seminarraum für Frauen, in dem die Frauen Bildung erhalten und wo ihnen Selbstwertgefühl vermittelt wird.

Wie wichtig es ist, die Frauen in Indien zu unterstützen, erlebten die Simons auch wieder bei ihrer Indienreise im vergangenen Jahr, als sie Dalit-Dörfer, die Dörfer der Unberührbaren besuchten.

"Die Menschen leben in Hütten ohne Tür und Fenster, nur ein Türloch. Es ist stockfinster in dem einzigen Raum. An der Wand liegen zusammengerollte Schlafmatten, daraus kann man schließen, wie viele Menschen in solch einem Raum schlafen müssen, meist sind es mehrere Familien", erklärt Christa Simon.

"Die Menschen dort verrichten kleinere Arbeiten, viele arbeiten für wenig Geld für reichere Hindus oder Moslems. Unfälle sind an der Tagesordnung." Mädchen und Frauen haben keinerlei Rechte.

Mädchen sind für die Familien eine große Belastung, da der Vater bei der Heirat seiner Tochter eine große Aussteuer mitgeben und die teure Hochzeit finanzieren muss. Dafür müssen Kredite aufgenommen werden. Diese zurückzuzahlen ist für manche Väter unmöglich, so dass sich die Männer dann umbringen. Um ein solches Unglück von der Familie fernzuhalten, entscheiden sich auch heute immer noch Frauen, ihre Töchter gleich nach der Geburt sterben zu lassen. Christa Simon erzählt, was sie über dieses Mädchentöten von den Ordenschwestern in Indien erfahren hat. "Viele Mädchen werden nach der Geburt getötet. Und zwar nicht mit roher Gewalt. es geht wie folgt vor sich: Die Gebärende sagt der Hebamme: ,Wenn es ein Mädchen ist, töte es.' Die Mutter sieht das Kind erst gar nicht. Die Hebamme legt dem Neugeborenen etwas gekochten Reis oder ein giftiges Blatt auf die Zunge, legt den Säugling auf das Gesicht und lässt ihn dort liegen. Nach einiger Zeit ist das Kind tot. Die Regierung kümmert das nicht, niemand weiß, wann in diesen vergessenen Dörfern ein Kind geboren wird. Es ist einfach Schicksal, wenn man nicht in der Lage ist, mehrere Mädchen aufzuziehen."

Sterilisation ist keine Frage

Sterilisation ist keine Frage, das lehnen Frauen und Männer ab.

In dem neuen Gebäude, das den Namen "Josef-Simon-Hall" tragen wird, werden Seminare stattfinden, um die Frauen aufzuklären und durch Bildung ihre Gesamtsituation zu verbessern. Am Mittwoch erhielt Christa Simon eine Spende in Höhe von 250 Euro von Verwaltungsmitarbeiterinnen der Firma Mennekes in Kirchhundem. Die jungen Frauen gehen an Altweiber singend durch die Firma und sammeln Geld, das immer für einen guten Zweck gespendet wird.

In diesem Jahr soll damit der Bau eines Heims für Behinderte Kinder unterstützt werden. Die Indienhilfe stockte den Betrag auf und so wurden 1000 Euro für dieses Projekt überwiesen. "Behinderte Kinder werden in Indien - und das ist eine erschreckende Tatsache - in ihrem privaten Umfeld missbraucht, misshandelt oder einfach nur vernachlässigt. Da der Bau nur sehr langsam voranschreitet, würde sich das Ehepaar Simon über weitere Spenden (selbstverständlich mit Spendenquittung) freuen.

Das Spendenkonto lautet : Indienhilfe Simon, Konto: 24070351, Bankleitzahl 44251630, Sparkasse ALK.

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