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Müll in der Natur: Städte im Sauerland bekommen immer mehr zu tun

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Von: Miriam Hubmayer

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Es kommen einige volle Müllsäcke zusammen – Straßen.NRW-Mitarbeiter David Battaglia und Thorsten Schweinsberg (v. l.) packen mit an.
Es kommen einige volle Müllsäcke zusammen – Straßen.NRW-Mitarbeiter David Battaglia und Thorsten Schweinsberg (v. l.) packen mit an. © Privat

Der Frühling nimmt Fahrt auf. Im Wald trifft man Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker – seit Beginn der Corona-Pandemie in stetig wachsender Zahl. Was will man sonst auch unternehmen als einen Ausflug in die heimische Natur? Eine nicht so schöne Begleiterscheidnung: Müll. Abfall, wohin das Auge blickt. Von simplen Dosen über gefüllte Müllsäcke bis hin zu Altreifen oder ganzen Kücheneinrichtungen.

Kreis Olpe - In den Kommunen des Kreises gibt es allerdings ein unterschiedliches Bild.

Attendorn

„Die Mitarbeiter des Bauhofes wurden kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass eine komplette Küche im Wald entsorgt wurde – wir waren fassungslos“, sagt Percy Kreis, Leiter des Baubetriebshofes der Hansestadt Attendorn. „Viele nutzen die Pandemie zum Renovieren – und leider landet ein Teil davon auch in unserer Natur.“ Das sei absolut unverständlich und sorge für viel Kopfschütteln. Denn: „Bauabfälle können Attendorner völlig kostenlos einfach zum Recyclinghof bringen.“ Leider sei auch im Bereich der Skater-Anlage sowie auf dem Wanderparkplatz zwischen Oberveischede und Mecklinghausen oft reichlich Müll zu finden. „Es ist leider nahezu unmöglich, die Umweltsünder aufzuspüren und ein entsprechendes Bußgeldverfahren einzuleiten“, sagt Danica Struck, Leiterin des Ordnungsamtes. „Das geht nur, wenn wir zufällig eine Adresse finden oder ähnliches.“

Da aufgrund der Corona-Pandemie der traditionelle „Frühjahrsputz“ ausfällt, hat die Hansestadt aber ein ganz besonderes Angebot für alle, die gerne helfen möchten, die Natur sauber zu halten: „Beim Bauhof können sich zum Beispiel Familien Müllsäcke abholen und Greifzangen ausleihen. Wenn die Säcke gefüllt sind, reicht ein Anruf und die Mitarbeiter des Bauhofs holen diese ab“, sagt Tom Kleine, Pressesprecher.

Lennestadt

„Gefühlt wird es gerade mehr – umso wichtiger ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren“, sagt Martin Steinberg, Pressesprecher der Stadt Lennestadt. Rund 800 Abfallkörbe und -tonnen stehen im Stadtgebiet, die Ortsreinigung ist täglich im Einsatz. „Trotzdem gibt es tatsächlich Auffälligkeiten: zum Beispiel am Siciliaplateau ,Haldengarten‘ in Meggen oder an der Rastanlage ,Madonna der Straße‘ bei Oedingen. Hier stehen Müllbehälter, wenn sie leer sind, werden die wohl nicht gesehen, wenn sie voll sind, ist es meist Hausmüll oder kleines Sperrgut“, so Steinberg.

Die Stadt Lennestadt geht regelmäßig mit dem Thema an die Öffentlichkeit – zuletzt war Bürgermeister Tobias Puspas gemeinsam mit Thomas Kruse, Betriebsleiter beim Landesbetrieb Straßen.NRW in Bonzel, unterwegs. „Seit 18 Jahren initiieren wir außerdem den ‚Tag der Sauberkeit‘“, erläutert Steinberg. Sperrmüll kann man einfach anmelden: „Es ist doch einfacher, den Abfall am Tag der Abfuhr einfach vor das Haus zu stellen, als ihn abends im Halbdunkeln auf einen Anhänger zu laden und in den Wald zu fahren.“ Falls es gelingt, die „Müllsünder“ zu finden, drohen durchaus Strafen: Der Bußgeldrahmen richtet sich nach der ordnungsbehördlichen Verordnung der Stadt Lennestadt und liegt je nach Umfang der Verunreinigung zwischen 150 und 1000 Euro.

Finnentrop

„In Pandemie-Zeiten wird entrümpelt! Das zeigt sich insbesondere bei der Anzahl der Anmeldungen für die Sperrmüll-, Altholz- und Elektroschrottabholung. Auch die schwarzen Tonnen sind oftmals überfüllt, der Deckel geht kaum zu“, sagt Brigitte Kümhof, Umweltbeauftragte der Gemeinde Finnentrop. „Wir verkaufen auch viele schwarze Restmüllsäcke, die zusätzlich zur Abfuhr neben die Tonne gestellt werden.“

„Entlang von Straßen gab es schon immer Müll, der einfach aus fahrenden Autos oder Lkw geworfen wird. Dieser Müll fällt besonders im Frühjahr auf“, erläutert Brigitte Kümhof von der Gemeinde Finnentrop. „Wir können nicht feststellen, dass dieser Abfall zugenommen hat. Aber an einigen hoch frequentierten Wander- und Radwegen können wir eine Zunahme verzeichnen.“

Es gebe allerdings natürlich auch in Finnentrop aber auch glücklicherweise viele Personen, die weggeworfenen Müll einsammeln – losgelöst von jährlichen Müllsammelaktionen vieler Orte.

Essensreste und Verpackungen: Diese findet man leider derzeit an vielen Bänken und Plätzen im ganzen Kreisgebiet.
Essensreste und Verpackungen: Diese findet man leider derzeit an vielen Bänken und Plätzen im ganzen Kreisgebiet. © Hubmayer, Miriam

Wenden

Erst in der vergangenen Woche haben Freiwillige im Wendebachtal und am Bachlauf der Albe zwischen Schönau und Wenden Müll aufgesammelt – insgesamt sind dabei mehr als zwei Pkw-Ladungen Müll zusammen gekommen. „Der Bauhof betreibt mittlerweile einen großen Aufwand für die Entsorgung solcher wilden Müllkippen.“ Das unterstreichen Wolfgang Grimstein, Ordnungsamt der Gemeinde Wenden, und Yvonne Buchen, die für den Bereich Müllentsorgung zuständig ist.

„Weiterhin macht es uns Sorgen, wenn man den Müll rund um die Abfallbehälter sieht, obwohl diese regelmäßig geleert werden“, so Wolfgang Grimstein. „Da kommt es auch oft vor, dass der Weg von der Bank zum Abfalleimer zu weit ist.“ In der Gemeinde Wenden stehen mehr als 180 Abfallbehälter/ Dog Stations. „Wir verstehen, dass Pandemie-bedingt mehr Menschen im Wald unterwegs sind, dies darf aber nicht zulasten der Umwelt gehen.“ Das Ordnungsamt schaut ebenfalls ganz genau hin, wenn illegal Müll abgeladen wurde: „Wir schauen den Ablageort an und versuchen, noch Hinweise auf den Verursacher zu finden. Dann wird der Abfall fachgerecht entsorgt. Sollten Hinweise gefunden werden, beispielsweise alte Rechnungen oder Briefbögen mit Adresse, wird der Verursacher zur Rechenschaft gezogen.“

Drolshagen

„Die Pandemie wird definitiv zum Ausmisten genutzt“, beschreibt auch Claudia Heite, Amt für Sicherheit und Soziales der Stadt Drolshagen. „Der Hausmüll hat deutlich zugenommen, und es wird erheblich mehr Altholz und Sperrmüll angemeldet.“ Leider zeige sich auch hier: Mehr Menschen sind an der frischen Luft unterwegs, mehr Müll liegt in unserer Natur.

„Es scheint so, als ob viele einfach die Autotür öffnen und den Müll rauswerfen. Fanden wir diesen früher eher an versteckteren Orten, werden heute sogar einfach Wiesen zugemüllt. Es ist traurig.“ Auch dort, wo Abfallbehälter stehen, wird der Müll oft einfach daneben geworfen. Auch in der Rosestadt wird versucht, die Verursacher zu ermitteln. „Wir haben tatsächlich durchaus schon mal Kontoauszüge in den Müllsäcken gefunden und ein Bußgeldverfahren eingeleitet“, erzählt Claudia Heite. Da auch im Drolshagener Stadtgebiet der traditionelle „Frühjahrsputz“ ausfallen muss, wird derzeit überlegt, ob es hier andere Möglichkeiten gibt: „Im letzten Jahr haben wir Familien oder Corona-konforme Kleingruppen zum Müll sammeln aufgerufen – ich denke, das werden wir in diesem Frühjahr ähnlich machen.“

Kirchhundem

„Das Problem der illegalen Abfallentsorgung ist natürlich nicht neu“, heißt es seitens der Gemeinde Kirchhundem von Sprecherin Christina Rump. „Dass die Müllberge im Wald aber stetig wachsen, können wir aus unserer Sicht aber so nicht bestätigen, auch nicht in der derzeitigen Corona-Pandemie.“ Entlang der Wanderwege und auch an den Wanderparkplätzen sei bislang kein deutlich erhöhtes Müllaufkommen zu verzeichnen. Es sei vergleichbar mit dem Müllaufkommen der vergangenen Jahre. Im Gegensatz zu den anderen Kommunen hat die Gemeinde Kirchhundem keinen Anstieg im Müll- und Sperrmüll-Aufkommen zu verzeichnen.

Dieser Einkaufswagen wurde offensichtlich beim nahen Supermarkt entwendet und kurzerhand im Wendebach „geparkt“.
Dieser Einkaufswagen wurde offensichtlich beim nahen Supermarkt entwendet und kurzerhand im Wendebach „geparkt“. © Privat

Olpe

„Der städtische Bauhof der Kreisstadt Olpe hat verstärkt mit illegalen Müllkippen zu kämpfen“, bestätigt Silke Albus aus dem Büro des Bürgermeisters der Stadt. „Leider werden selbst Orte, an denen Abfalleimer aufgestellt sind, vermehrt vermüllt hinterlassen – häufig aus vermeintlicher Achtlosigkeit und nicht, weil die Mülleimer überfüllt sind.“ Die Erfahrungen zeige, dass mehr Abfallbehälter leider auch keine Patentlösung sind, weil sich in vielen Fällen einfach neue Müll-„Hotspots“ entwickeln. Aktuell befinden sich diese im Bereich Saßmicker Hammer und Raiffeisenstraße in Dahl-Friedrichsthal. Darüber hinaus werden Glascontainerplätze oft zu Ablageplätzen für Müll.

„Es ist zu erwarten, dass das Müllaufkommen mit zunehmend wärmeren Temperaturen ansteigen wird“, so Silke Albus. „Günstige Grills oder Rückstände eines Grillfests bleiben vielfach am Ort des Geschehens zurück. Sofern Informationen über die Verursacher bekannt werden, geht eine Meldung an das Ordnungsamt. Im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens erfolgt eine Anhörung und ein Bußgeldbescheid wird erteilt.“

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