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Kegelclub aus dem Sauerland feiert besonderes Jubiläum

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Kegelclub „Gut Holz“ Lennestadt Grevenbrück im Jahr 1982
Ein Gruppenfoto aus dem 60. Jubiläumsjahr 1982 mit dem 92-jährigen Schneidermeister Heinrich Griese (Mitte): (unten v.l.) Klaus Born, Heinrich Griese, Josef Zimmermann, (oben v.l.) Ferdi Fieseler, Heinz Kaiser, Eduard Dietermann, Paul Hüttemann, Walter Stupperich, Manfred Keller, Karl-H. Heinemann, Heinz Griese, Herbert Güth. © Privat

Der Grevenbrücker Kegelclub „Gut Holz“ konnte in der vergangenen Woche sein 100-jähriges Bestehen feiern. Er dürfte damit wohl der älteste Kegelclub Grevenbrücks, wenn nicht sogar von Lennestadt sein.

Grevenbrück - Seit 100 Jahren wurde zunächst jede Woche, später alle 14 Tage, mittwochs gekegelt, seit 2020 hat allerdings die Corona-Pandemie einen Strich durch diese alte Tradition gemacht.

Walter Stupperich blickt auf die Geschichte des Clubs:

Alles begann am 28. Dezember des Jahres 1921. Es fanden sich zusammen die Herren Eduard Dietermann sen., Peter Kurzenacker, Leo Schramek, Alexander Frede und Gustav Lörwald, um über die Gründung eines Kegelklubs zu beraten. Nach einiger Beratung nahm das Vorhaben eine feste Form an. Man wurde sich einig, den neu gegründeten Klub „Gut Holz“ zu nennen. Die eigentliche Gründungsversammlung wurde auf den 4. Januar 1922 anberaumt. Man begann dann nach dieser Einigung auch sofort mit dem Kegelspiel. Zu der eigentlichen Gründungsversammlung am 4.1.1922 erschienen neben den genannten fünf Initiatoren noch die Herren Joseph Hahn, Ludwig Kiprowski, Wilhelm Marquardt, Otto Frede, Eugen Heydorn, Vinzenz Würde und Wilhelm Statius. Der guten Ordnung halber wurden auch sogleich die Statuten des neuen Kegelclubs festgelegt, die von jedem Mitglied zu unterschreiben waren, Als Vorsitzender wurde einstimmig Eduard Dietermann und als Schriftführer Alexander Frede gewählt. Auf der Gründungsversammlung bestimmte man den Mittwochabend als Kegelabend, und der ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Gekegelt wurde von Anfang an im Hotel „Zur Post“.

Die ersten Mitglieder des Kegelclubs waren allesamt selbstständige Handwerker. So blieb es auch über etliche Jahrzehnte, dann aber stand der Club allen Berufsgruppen offen. „Wer als Mitglied aufgenommen werden will“, so heißt es im § 2 der Satzung, „muss erst an drei aufeinanderfolgenden Kegelabenden am Kegelspiel teilnehmen. Für die Aufnahme ist entscheidend, wenn sich alle anwesenden Mitglieder einstimmig dafür aussprechen.“ Im § 5 wurde aber auch eindeutig geregelt, „...daß ein Mitglied nach dreimaligem unentschuldigtem Fehlen ausgeschlossen wird, ohne daß vorher eine Benachrichtigung stattfindet“. Wie aus verschiedenen Protokollniederschriften hervorgeht, erfolgten die geheimen Abstimmungen immer per „Ballotage“, d.h. durch verdeckte Abgabe von schwarzen und weißen Kugeln.

Der Monatsbeitrag wurde in den neuen Statuten auf fünf Mark festgesetzt. Für verspätetes Erscheinen zum Kegelabend hatten die Mitglieder pro halber Stunde 0,50 Mark zu berappen, für vollständiges Fehlen 10 Mark. Aber durch die bald nach der Gründung einsetzende Inflation wurden alle Beiträge und zu zahlende

Gelder entsprechend angepasst. Die Monatsbeiträge beliefen sich auf 50 Mark und für „Pumpen“ (d.i. wenn eine Kugel in die Rinne geht) mussten 50 Mark gezahlt werden. Gastkegler, die zu Anfang 1922 noch 3 Mark Gastgeld zu entrichten hatten, mussten ab April 1923 600 Mark zahlen. Praktisch ging man in dieser Zeit der Inflation mit der Festlegung von Partiegeldern (Gelder für verlorene Spiele) vor: sie wurden aber Juni 1923 auf den Wert von 1/10 Glas Bier festgesetzt. Gastgelder und Strafen wurden im Dezember 1923 auf die Höhe des Wertes von einem Glas Bier festgesetzt. Als im Januar 1924 der Inflationsspuk vorbei war, wurde der monatliche Beitrag auf 50 Goldpfennig festgesetzt.

Sicher waren auch die damaligen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ein Grund, die Mitgliedschaft in einem Club, der nur dem Vergnügen diente, zu überdenken. Aus etlichen Protokollniederschriften geht aber auch hervor, dass man Kegelbrüder, die in wirtschaftliche Not geraten waren, von Partiegeldern freistellte. Sie hatten nur die Monatsbeiträge zu bezahlen. Allerdings wurden auch etliche Mitglieder wegen „dauernder Abwesenheit“ aus dem Verein ausgeschlossen. Der Kegelclub scheute sich aber auch nicht, einen Kegelbruder „wegen ungebührlichen Benehmens“ aus dem Verein auszuschließen

Der letzte Eintrag vor dem 2. Weltkrieg datiert vom 16.1.1929 mit der Aufzählung der Tagesordnungspunkte für die Jahreshauptversammlung, unterschrieben vom Vorsitzenden Hugo Schröder. Der nächste Eintrag datiert dann erst wieder vom 10. April 1949. Darin heißt es u.a.: „...wurde heute, nachdem der Krieg beendet, die Besatzung aus dem Hotel zur Post abgerückt und die Kegelbahn wieder in bester Verfassung ist, wieder mit dem Kegeln begonnen, da seit Kriegsbeginn nicht gekegelt war.“ Neun Kegelbrüder unterschrieben dieses Protokoll mit Franz Hüttemann als 1. Vorsitzenden.

Kegelclub „Gut Holz“ Lennestadt Grevenbrück Berlin
Beim Kegelausflug in Berlin: (v.l.) Karl-Theo Duwe, Othmar Schneider, Günther von Schledorn, Lothar Knoll und der Vorsitzende Dieter Freund. Es fehlt der seinerzeit 92-jährige Ferdi Fieseler, der an dieser Tour altersmäßig nicht teilnehmen konnte. © Privat

Alsdann normalisierte sich auch wieder das Kegler-Leben. Es fanden wieder die traditionellen Fastnachtsfeiern statt, und 1950 führte der erste Kegelausflug ins Hochsauerland. 1951 zählte der Kegelclub 14 Mitglieder. Im November 1951 gab es ein erstes Wettkegeln mit einem anderen Kegelclub.

Ferdi Fieseler Kegelclub „Gut Holz“ Lennestadt Grevenbrück
Ferdi Fieseler konnte an der Berlin-Reise altersbedingt nicht teilnehmen. © Privat

Im Hotel „Zur Post“ wurde seit der Gründung 1922 gekegelt. Das Hotel des Kegelbruders Rudi Heydorn war mittlerweile in die Jahre gekommen und wurde bekanntlich in den 1970er Jahren abgerissen. Nach 50 Jahren fand am 26.9.1962 hier der letzte Kegelabend statt. Neues Vereinslokal wurde der Gasthof Born des Kegelbruders Klaus Born.

Heinz Kaiser, Mitglied des Kegelclubs seit 1957 und 1.Vorsitzender seit 1965, war nach 30 Vorstandsjahren im Jahr 1995 amtsmüde geworden. Heinz Kaiser übte das Amt des Vorsitzenden immer mit Freude und großem Engagement aus. Mit seiner stets ausgleichenden und sachlichen Art war er ein Vorbild an Kameradschaft, Treue, Beständigkeit und Fröhlichkeit. Über viele Jahre hinweg zählte er zu den besten Keglern des Vereins. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung den Kegelbruder Walter Stupperich.

Aufgrund einer schweren Erkrankung legte der 1.Vorsitzende Walter Stupperich im Jahr 2001 sein Amt nieder. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung den Kegelbruder Herbert Güth. Dieser leitete bis zum Jahr 2007 die Geschicke des Vereins. Dann übernahm Dieter Freund von ihm das Amt des 1. Vorsitzenden. 27 Jahre lang führte Ferdinand Fieseler als Schriftführer die Protollbücher des Vereins. Nach seinem Eintritt 1981 in den Verein wurde er bereits 1982 zum Schriftführer gewählt. Im Jahr 1984 übernahm er auch gleichzeitig das Amt des Kassierers, das zuvor 23 Jahre Paul Hüttemann inne gehabt hatte. Mit der ihm eigenen Akribie legte Fieseler in den Protokollbüchern in seiner ausgeprägten unnachahmlichen Handschrift alle für den Verein wichtigen Ereignisse sehr umfänglich nieder. Auf der Generalversammlung 2009 übergab er dann sein Amt als Schriftführer an den Kegelbruder Lothar Knoll. Den Vorstandsposten als Kassierer hatte Fieseler bereits 2003 an den Kegelbruder Günther von Schledorn übergeben. Karl-Theo Duwe fungiert seit 2012 als 2.Vorsitzender und unterstützt den Vorsitzenden Dieter Freund nach Kräften.

Eine lange Tradition des Clubs ist es, die Zusammengehörigkeit außer dem Kegeln durch gemeinsame Wanderungen, Fahrradtouren und Kegelausflüge, teilweise zusammen auch mit den Ehefrauen, zu fördern. Besonders die Kegeltouren unter anderem nach Berlin (dreimal), Paris, Como, Mallorca, Monaco, Prag und Sylt sind im Club unvergessen.

Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen hat nun die Corona-Pandemie einen großen Bruch dem Vereinsleben beschert. Dieserhalb fand im März 2020 der letzte Kegelabend statt. Wann und wie es weiter geht, kann man noch nicht sagen. Hinzu kommt auch noch, dass der Nachwuchs fehlt, da die jüngeren Leute heutzutage anscheinend nicht mehr soviel Interesse für das Kegeln im Verein aufbringen. Aufgrund ihres Alters sind zudem in den letzten Jahren die Kegelbrüder Heinz Griese und Ferdinand Fieseler in die weiter entfernt liegenden Wohnorte ihrer Kinder gezogen. Die Kegelbrüder um den 1. Vorsitzenden Dieter Freund mit Karl-Theo Duwe, Günther von Schledorn, Lothar Knoll und Othmar Schneider würden sich über am Kegeln interessierte Personen freuen, um den Traditionsclub weiter am Leben zu erhalten.

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