Kreisübergreifende Gruppe will vier 240 Meter hohe Anlagen verhindern

Neue Initiative gegen Mega-Windräder bei Oedingen

Dieses Luftbild (Richtung Cobbenrode) wurde in 200 Metern Höhe aufgenommen. Die geplanten Windkraftanlagen sollen 240 Meter hoch werden.
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Dieses Luftbild (Richtung Cobbenrode) wurde in 200 Metern Höhe aufgenommen. Die geplanten Windkraftanlagen sollen 240 Meter hoch werden.

„Mal ehrlich... z.Zt. nicht wirklich gute Aussichten...“ meinen einige Bürger mit Blick auf vier geplanten Windkraftanlagen rund um Oedingen. Sie haben sich kurz vor Weihnachten zu einer Initiative zusammengeschlossen und suchen weitere Mitstreiter.

Oedingen/Cobbenrode - Eine Besonderheit der neuen Initiative ist sicher, dass sie sich grenzübergreifend organisiert: Auf HSK-Seite stinkt vor allem vielen Cobbenrodern das Mega-Projekt; aus dem Kreis Olpe formiert sich Widerstand aus Oedingerberg und Umgebung. „Auch die Bewohner von oder aus Herschede, Vossel, Leckmart, Bracht, Brenschede, Buchhagen oder Schwartmecke sind direkt bedroht von vier der größten Windenergie-Anlagen, die jemals aufs Festland montiert wurden“, machen sich die Initiatorinnen Christina Baumhoff und Ulrike Gast ihrem Ärger Luft.

Sie wollen im ersten Schritt vor allem „wachrütteln“ und Unterstützer für ihre Initiative gewinnen. Und die Zeit drängt. Die ersten Schritte zur Erbauung der geplanten vier Anlagen östlich des Ortsteils Oedingerberg (2 auf Lennestädter Gebiet, 2 auf Esloher Gebiet) sind bereits erfolgt.

Lennestadt hat Bauleitverfahren Ende November eingeleitet

Der Bauausschuss der Stadt Lennestadt hat Ende November beschlossen, in die Bauleitplanung für die zwei Anlagen einzusteigen. Das Windkraftunternehmen „Abo Wind“ aus Wiesbaden möchte auf Lennestädter Stadtgebiet zwei Windräder mit einer Gesamthöhe von je 240 Metern errichten.

Die wütenden Anlieger werfen der Stadt vor, den Standort bereits „abgesegnet“ zu haben. Ihr Vorwurf: „Die Stadt Lennestadt tut (...) auf Bürgerbeteiligung und Transparenz, während die Entscheidung für den Windpark am Rande der Stadt schon längst gefallen ist“, heißt es in einem ersten Schreiben der Initiative, das in den letzten Wochen an die betroffenen Haushalte verteilt wurde.

„Wir sind keine Bürger 2. Klasse“

Doch damit wollen sich die Bürger nicht abfinden. „Wir sind keine Bürger 2. Klasse und brauchen niemanden, der an unsere Gesundheit und Umweltbelastung andere Maßstäbe ansetzt, als an die eigene“, werden die Projektgegner sehr deutlich. Da es die Corona-Situation bisher nicht zugelassen hat, wurde auf eine Versammlung verzichtet, dennoch wollen die Initiatoren informieren und viele Bürger für ihr Anliegen gewinnen.

„Der Windpark wird so dargestellt, als wenn er keinerlei Auswirkungen auf die Anwohner und auf die Natur hätte. Dies zweifeln wir von der Bürgerinitiative stark an und es ist ja auch bewiesen und nachzulesen, dass Infraschall und Schattenwurf die Menschen, die in der Nähe eines Windparks wohnen krank machen. Auch stellt sich uns die Frage, in wie weit so ein Windrad wirklich ‘öko‘ ist. Die CO2-Bilanz eines Windrades sieht ja nicht wirklich gut aus. Abgesehen davon besteht Lebensgefahr Stand-, Brut- und Zugvögel sowie unzählige hiesige Fledermausarten“, so die Sprecherinnen.

Stadt Lennestadt nimmt Stellung

Auf die Vorwürfe der Initiative angesprochen, erklärte Karsten Schürheck, Beigeordneter der Stadt Lennestadt, gegenüber dem SauerlandKurier: „Gerade wegen der Transparenz gehen wir ja diesen Weg.“ Bliebe die Entscheidung beim Kreis (dort liegt der Genehmigungsantrag seit Anfang Oktober vor), dann wäre die Stadt Lennestadt in der endgültigen Entscheidung außen vor geblieben. Mit Hilfe des beschlossenen Bauleitverfahrens könne man aber nun Bürgerbeteiligungen initiieren und das Ganze steuern; verbunden mit dem Wissen, was nach den Wünschen von Abo Wind überhaupt am Herrscheid passieren soll. „Dies ist der beste Weg“, versichert Schürheck, um das Heft in Händen zu halten. Nach wie vor lege die Stadt Wert darauf, eine vernünftige Steuerung von Windkraftanlagen im Stadtgebiet zu erreichen, um die Energiewende verträglich mitzugestalten. Und das gehe eben über Planverfahren.

Zur Initiative: Wer interessiert an einer Mitarbeit ist oder die Sache unterstützen möchte, kann sich über die Homepage www.4future4nature.com informieren und hier Kontakt zu den Initiatorinnen aufnehmen.

  • Hintergrund
  • ABO Wind möchte auf dem Herrscheid insgesamt vier Windenergieanlagen errichten. Das Planungsgebiet liegt östlich des Ortsteils Oedingerberg im Grenzbereich der Stadt Lennestadt und der Gemeinde Eslohe.
  • Da dort die Grenze zwischen dem Kreis Olpe und dem Hochsauerlandkreis verläuft, teilen sich die vier Windenergieanlagen in zwei unterschiedliche Projekte auf: Herrscheid Lennestadt und Herrscheid Eslohe.
  • Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen hat einen Vorhaben- und Erschließungsplan beschlossen. In Abstimmung mit der Stadt Lennestadt wird unser Antrag daher zunächst ruhend gestellt, bis der Plan auf den Weg gebracht ist.
  • Der geplante Windpark Herrscheid Lennestadt würde so viel Strom produzieren wie rund 8000 Haushalte verbrauchen. Das vermeidet den jährlichen Ausstoß von mehr als 18.000 Tonnen Kohlendioxid.
  • Die Anlagen könnten laut Abo Wind 2023 ans Netz gehen.
  • Weitere Infos unter www.abo-wind.com

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