Ateliergemeinschaft stellt bis Januar im St.-Josefs-Hospital aus

Es muss nicht immer Acryl auf Leinwand sein

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Marita Theile-Greiten, Ute Schäfer und Christine Knust (Foto v.l.) stellen gemeinsam mit Dagmar Stricker-Jannan und Doro Berg in Lennestadt aus. 

Altenhundem. Leichtigkeit in bunt, Meer, Heiß und Eis, Florales – das alles erwartet man nicht unbedingt, wenn man ein Krankenhaus betritt. Das St.-Josefs-Hospital in Lennestadt macht eine Ausnahme, stellt bis Anfang Januar Bilder aus dem Gemeinschaftsatelier Lennestadt im Flur links des Haupteingangs aus.

40 Gemälde an der Zahl zieren seit Anfang Oktober die Wände: manche leuchtend bunt und fröhlich, manche zurückhaltend, erdig. Keines von ihnen ist gegenständlich, alle laden den Betrachter ein, sich zu vertiefen, etwas und immer etwas anderes zu entdecken – oder auch sich einfach nur zu erfreuen. Die Bilder sind, auch im Wortsinn, vielschichtig.

Ute Schäfer aus Altenvalbert, Christine Knust aus Bamenohl und Marita Theile-Greiten aus Germaniahütte treffen sich mit dem SauerlandKurier zu einem Gespräch über ihre Kunst und wie sie entsteht; gemeinsam mit Dagmar Stricker-Jannan aus Altenhundem und Doro Berg aus Meggen teilen sie nicht nur die Freude an der Kunst und die Lust am Experimentieren, sondern auch den „Arbeitsplatz“:

Angefangen hat alles in den Kursen von Marita Theile-Greiten in deren Atelier „Lichtblicke“. Ursprünglich zu acht, fand sich im Laufe der Jahre die Fünfergruppe zusammen, die seit drei Jahren ein gemeinsames Atelier in Germaniahütte mietet. „Das ist wirklich ein Miteinander“, sagt Christine Knust, auch wenn die Künstlerinnen selten alle gleichzeitig arbeiten – aber wenn, dann freuen sie sich darüber, inspirieren sich gegenseitig, helfen einander weiter, wenn die Muse ausbleibt. Es kommt durchaus auch vor, das eine ein aufgegebenes Werk der anderen vollendet. Die eine mag das Filigrane, die „Fummelarbeit“, die andere arbeitet gern an großen Bildern, wie sie im Krankenhaus keinen Platz fänden.

Sie alle teilen die Begeisterung für das Experimentieren mit ungewöhnlichen Materialien: Manche der Bilder hier sehen aus, als wollten sie betastet werden, erinnern an Reliefs, scheinen Fossilien zu verbergen oder andere Schätze – schimmert da vorne nicht sogar ein bisschen Gold durch?

Leinwand auf Acryl, das ist der Klassiker. Verblüffend ist aber, was mit Baustoffen wie Rotband, mit Fundstücken, Papier, Tuschen und Pigmenten möglich ist, aufgebracht auf Holz- oder Metallplatten. Marita Theile-Greitens von der Landschaft Islands inspirierte Bilder entstanden u.a. mit Champagnerkreide, Doro Berg verarbeitet zum Beispiel Marmormehl auf Holz. „Vieles passiert während des Schaffens“, beschreibt Ute Schäfer den Prozess, anfangs stehe man oft ganz befangen vor der Leinwand, ergänzt Marita Theile-Greiten. Als Maltherapeutin ist sie diejenige in dem Quintett, für die das Hobby nicht nur Hobby ist – aber „ein Haupt-Hobby“, wie Christine Knust lachend sagt.

Denn für jede von ihnen ist die Malerei auch ein Weg, um Probleme des Alltags zu verarbeiten. Manches Bild entsteht recht schnell, manches entsteht im Laufe eines Jahres. Knusts Pappmaché-Werke, von denen eines den Titel „Karneval in Germaniahütte“ trägt, stimmen den Betrachter auf Anhieb froh – „das ist Christine“, lächelt Marita Theile-Greiten.

Hin und wieder wollen Betrachter es auch ganz genau wissen: „Manche haben die Nase fast auf dem Bild“, hat Christine Knust beobachtet.

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