Stück Geschichte wird Erdboden gleich gemacht

Eng mit dem Bergbau verbunden: Bahnhof in Meggen wird aktuell abgerissen 

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Die Bagger reißen aktuell das Bahnhofsgebäude in Meggen ein.

Meggen - "Natürlich stehen wir mit ein bisschen Wehmut hier, schließlich geht ein Stück Geschichte. Wenn man den Zustand des Bahnhofsgebäudes in den letzten Jahren gesehen hat, hält sich das aber in Grenzen." Worte von Hermann Dörnemann, 2. Vorsitzender des Heimatvereins Meggen, während er auf die Bagger schaut, die gerade das Gebäude dem Erdboden gleichmachen.

Es sind an diesem Morgen einige Meggener gekommen, die sich trotz Regenwetters den Abriss live anschauen wollen. Im Gespräch kommen Erinnerungen an vergangene, bessere Zeiten des Gebäudes hoch. "Da war der Fahrkartenverkaufsstand", erinnert sich zum Beispiel Nachbar Andreas Rosenthal. "Es gab auch eine kleine Güterabfertigung für Stückgut", ergänzt Dörnemann. Und außerdem: "Damals musste man sich noch eine Bahnhsteigkarte kaufen, die kostete zehn Pfennig." An die frühere Kneipe können sich schon nichtmal mehr alle erinnern. Bei Thorsten Stachelscheid kommen Kindheitserinnerungen hoch: "Am Kiosk haben wir uns nach der Schule manchmal Süßigkeiten gekauft. In der alten Kneipe war ich aber nicht." Den älteren fallen natürlich noch Anekdoten rund um die alte Kneipe ein.

Einige Meggener Bürger schauten sich den Abriss an. 

Gute Erinnerungen haben zum Beispiel alle an die 70er Jahre. Damals hat Franz Köhler im Gebäude gewohnt. Er war sehr um das Gebäude und sein Umfeld bemüht. Kehren und Müllsammeln gehörten ebenso dazu, wie sein Geranien im Sommer. "Die zierten immer die Gebäudefassade, ein tolles Bild." Weitere Bewohner waren zuvor beispielsweise auch Bahnhofsvorsteher Tröster oder auch Helmut Ruttke, erinnert sich Rosenthal. In den 80er Jahren gab es dann wohl auch mal etwas wildere Zeitgenossen als Mieter, wo es hier und da dubios zugegangen sein soll, erinnern sich die Meggener im Gespräch.

Zuletzt war das leerstehende Gebäude in einem desolaten Zustand, der Abriss nahezu unumgänglich. Wie es auf dem städtischen Grundstück nun weitergeht, ist nach Informationen von Dörnemann noch nicht geklärt. "Alle Gespräche mit potentiellen Immobilien-Investoren oder auch caritativen Unternehmen, die in Richtung Wohnbebauung überlegt haben, haben vorerst zu nichts geführt." 

Bahnhofs-Bruchsteine sollen an neuem Platz wieder zum Einsatz kommen

Eine positive Nachricht hat der Heimatverein aber doch zu verkünden: Die Bruchsteine, auf denen das Haus steht, werden vom Abrissunternehmen aussortiert und sollen an anderer Stelle im Ort wieder eingesetzt werden. Ein leerstehendes Eck-Grundstück in der Grubenstraße ist zur Zeit Gegenstand der Überlegungen des Heimatvereins. Hintergrund: Nachdem die Stadt das Grundstück für Wohnbebauung nicht vermitteln konnte, sei sie an den Heimatverein herangetreten mit der Bitte, mal zu überlegen, was man mit diesem Grundstück machen könnte. 

Hermann Dörnemann zeigt auf das Grundstück, auf dem die Bruchsteine wieder zum Einsatz kommen könnten. Die Bevölkerung wird vom Heimatverein gebeten, eigene Ideen einzubringen.

Hermann Dörnemann erläutert die Idee des Vereins: Auf diesem Grundstück könnte das in der Nähe befindliche Kreuz einen neuen Standort bekommen. Darum könnte eine parkähnliche Anlage gebaut werden, in der auch die Bruchsteine schön zur Geltung kommen könnten. Der Heimatverein wendet sich in dieser Sache aber auch an alle Meggener: "Wenn es gute Ideen für die weitere Nutzung des Grundstücks gibt, nehmen wir diese gerne auf. Kommen Sie gerne auf uns zu." Ansprechpartner ist Hermann Dörnemann (SPD-Stadtverordneter und 2. Vorsitzender des Heimatvereins "Mein Meggen"), Tel. 80348.

Blick in die Geschichte des Meggener Bahnhofs

Karlheinz Neumann schreibt in einem Buch (Dieter Tröps, Jürgen Kalitzki. Menschen Züge Bahnstationen. Eisenbahnen im Sauerland. Band 1: Die Ruhr-Sieg-Strecke. Siegen 1995. S.106f.): "Schon vor dem Bahnbau und der Eröffnung der Ruhr-Sieg-Eisenbahn von Hagen nach Siegen am 6. August 1861 waren im Raum Meggen und Halberbracht große Vorkommen an Schwefelkies bekannt, die aber wegen fehlender Transportmittel und zu hoher Landfrachtsätze kaum ausgebeutet werden konnten. Mit Fertigstellung dieser so wichtigen Bahnlinie änderte sich das sehr schnell. Bereits 1865 wurden in Meggen fast 35.000 Tonnen Schwefelkies gefördert, die allerdings mit Pferdewagen nach Grevenbrück gefahren werden mussten, ehe sie auf Eisenbahnwaggons umgeladen werden konnten. (...) Vorfrachten und Umladekosten verteuerten die Transportkosten, so dass schon rechtzeitig die Errichtung eines Bahngleisanschlusses unumgänglich schien. Schließlich erhielt im Jahr 1869 die Schwefelkiesgrube Sicilia in Meggen einen Bahnanschluss, der von den Schwerspatbrüchen Johann Kaiser in Meggen und der Gewerkschaft Siegenia in Grevenbrück mitbenutzt wurde. Güterzüge fuhren die Waggons vom Bahnhof Altenhundem aus in den Anschluss und brachten die dort abgeholten Wagen nach Grevenbrück, wo auch die Abfertigung erfolgte.

Die Bemühungen der Gemeinde und der Industrie um Errichtung einer Personenzug-Haltestelle in Meggen dagegen blieben viele Jahre erfolglos. (...) Erst nachdem Anfang Juni 1886 die ganze Ruhr-Sieg-Bahn zweigleisig ausgebaut war, kam man den Wünschen der Antragsteller entgegen und errichtete eine Personenzughaltestelle, allerdings noch ohne Abfertigungsmöglichkeiten für Reisegepäck. Der Verkehr entwickelte sich rasch, wie nachstehende Zahlen ausweisen. Es wurden verkauft an Fahrkarten: 1893=14.444, 1903=30.232 und 1913=66.783 Stück. 

Traurige Berühmtheit erhielt Meggen, als in der Nacht 22./23. 11. 1893 der Haltestellenverwalter im Dienst ermordet und die Kasse ausgeraubt wurde. Der Täter konnte schließlich fast zehn Jahre später überführt werden.

1897, das Verkehrsaufkommen in Meggen hatte sich günstig weiterentwickelt, beantragte die Handelskammer zu Altena, auch zuständig für den Kreis Olpe, die Anlage eines Güterbahnhofs in Meggen, da das vorhandene Anschlussgleis längst nicht mehr den Erfordernissen entsprach. Diesem Wunsch verweigerte sich die Eisenbahndirektion in Elberfeld über viele Jahre hartnäckig, bis schließlich der Minster das Vorhaben im Jahre 1907 genehmigte und schließlich 1911 Meggen die Inbetriebnahme eines "kompletten" Bahnhofs feiern konnte. Die benachbarten Bahnhöfe Altenhundem und Grevenbrück werden gewiß traurig gewesen sein, denn schon 1912 fertigte die Güterabfertigung Meggen im Versand fast 377.000 Tonnen und im Empfang 98.000 Tonnen Wagenladungsgüter auf über 42.000 Frachtbriefen ab. Hinzu kam noch der nicht unerhebliche Stückgutverkehr. 

Der Bahnhof Meggen war bis zur Pensionierung des Bahnhofsvorstehers Tröster im Jahre 1968 eine selbstständige Dienststelle mit Fahrkartenausgabe, Gepäckabfertigung, Güterabfertigung und eigenem Rangierdienst. Danach wurde die nicht mehr rentable Stückgutabfertigung geschlossen und die übrigen Bahnhofsteile dem Bahnhof Altenhundem angegliedert. Am 21. September 1969 entfielen in Meggen die beiden Stellwerke Mf und Ms, weil Signale und Weichen vom Stellwerk in Altenhundem aus bedienbar waren. Nach Schließung der Fahrkartenausgabe Meggen besorgte eine Agentin den Fahrkartenverkauf, die jedoch im Juni 1979 kündigte. Nun hatte sich in Meggen der letzte Ansprechpartner vor Ort verabschiedet, und Meggen war nur noch ein "unbesetzter Tarifpunkt für den Personenverkehr", wie es in der Amtssprache lautet. In Meggen verblieb lediglich das allerdings umfangreiche Verkehrsaufkommen im Wagenladungsverkehr der Firma Sachtleben, das vom Bahnhof Finnentrop besorgt wurde. Auch diese Transportmengen entwickelten sich ab 1990 stark rückläufig und entfielen schließlich ganz, nachdem die Firma Sachtleben 1992 die Produktion einstellte. Geblieben sind viele rostige Gleise und Bahnsteiganlagen, die immer wieder Anlass zu Beschwerden gaben."

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