Kirchveischeder feiern sich und ihren Ort

Beeindruckende Gala zum 1000. Geburtstag

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Einen tollen Gala-Abend erlebten mit den Gästen (v.l.): Moderator Dieter Hellekes, Landrat Beckehoff, MdL Ritter, Ministerin Scharrenbach, Maximilian Völkel und Bürgermeister Hundt

Kirchveischede - Ein äußerst beeindruckendes Wochenende liegt hinter dem Jubiläumsort Kirchveischede. Der Gala-Abend am Freitag, gefolgt von der „Historischen Röthe“ am Sonntag werden die Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen des Ortes unvergessen machen.

„Granatenvoll“ stellte der Moderator des Abends Dieter Hellekes fest, und mit einem Schmunzeln ergänzte er: "Wir mussten noch zahlreiche Stühle und Tische in der Halle dazustellen. Schließlich kann man in Kirchveischede gut zusammenrücken“. Überhaupt war der „Veischeder Junge“ an diesem Abend nicht zu übertrumpfen: schlagfertig, mit einer gehörigen Portion Esprit und jederzeit Herr der Lage. 

Nachdem am 3. Mai 1019 Bischof Heribert in Köln-Deutz die "Voiske" (früher für Kirchveischede) überschrieben hatte und somit die erste urkundliche Erwähnung stattgefunden hat, kann man nun davon ausgehen, dass dieser Tag der endgültige Gründungstag ist. Es war ein Montag, so Hellekes. 

Im Jahr 2016 begannen die eifrigen Dorfbewohner unter der Leitung vom Vorsitzenden des St. Hubertus-Schützenvereins Maximilian Völkel mit den Planungen für das Jahr 2019. Völkel nahm die Zügel in die Hand und konnte ebenso hervorragend delegieren. Völkel hielt seine Begrüßung in Plattdeutsch; schwenkte dann aber ins Hochdeutsche über. Er versprach einen spannenden Abend mit vielen Überraschungen – er sollte Recht behalten. Es war eine fernsehreife Gala mit jeder Menge Abwechslung, einem Blick in die Vergangenheit, mal was Beschauliches, mal was Lustiges, mal was Nachdenkliches. Nach Elspe und Oedingen ist Kirchveischede der dritte Ort im Kreis Olpe, der offiziell auf eine 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann. 

Dieter Hellekes begrüßte dann neben den zahlreichen Dorfbewohnern und Gästen aus Nah und Fern, den Landrat des Kreises Olpe Frank Beckehoff, Bürgermeister Stefan Hundt, Jochen Ritter (MdL Düsseldorf), die Geistlichkeit (Pfarrer Brieden, Pater Büdenbender, Pastor Guntermann und Pastor Keßler) auch zahlreiche Ratsvertreter der Stadt Lennestadt. 

Zunächst wurde in einer Podiumsdiskussion klargestellt, dass nach umfangreicher Recherche durch den Stadtheimatpfleger Günther Becker, Birgit Haberhauer-Kuschel (Kreisheimatbund) und Gregor Schnütgen (Ortsheimatpfleger) nach dem 950-jährigen Jubiläum im Jahr 1990 nun bereits 24 Jahre später das 1000-Jährige gefeiert werden konnte. Ein Dank ging auch an die Nachbarn aus Bilstein: der Schützenverein und der Karnevalsverein des Burgortes war an diesem Abend für das Bedienen und Zapfen zuständig. Die Nachbarn „stromaufwärts“ aus Oberveischede legen bei der Feier am 2. Oktober Hand an. 

Grußworte kamen auch von Landrat Beckehoff und Bürgermeister Hundt. Man sei stolz auf das westliche „Einfallstor“ der Stadt Lennestadt. Elf Fachwerkhäuser stehen hier unter Denkmalschutz. Diese entstanden alle 1784/1785. So ganz nebenbei ist Kirchveischede auch der geografische Mittelpunkt des Kreises Olpe. 

Stolz blickte man zurück auf die zahlreichen Siege im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ bzw. „Unser Dorf hat Zukunft“. Herausragendes Ereignis sicher das Landesgold im Jahr 1995. Einen gewaltigen Wandel, gerade hinsichtlich der Veränderung der Infrastruktur nach dem 2. Weltkrieg vollzog sich. Dieser haben sich die Bewohner und die zahlreichen Vereine gestellt und haben mit dazu beigetragen, das Fachwerkdorf zu einem Lebens- und liebenswerten Ort zu erhalten.

Schirmherrin NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach gratulierte dem Ort höchstpersönlich – und hatte neben vielen lobenden Worten auch ein 2000-Euro-Scheck dabei. Scharrenbach: „Lennestadt ist der Schatz im Sauerland – und Kirchveischede ein besonderes Schätzchen“. Mehr als 30 Generationen haben seit dem Jahr 1019 diesen Ort geprägt und lebendig gehalten. „Ihr Ort ist etwas Besonderes“, so Scharrenberg abschließend.

1000 Jahre Kirchveischede: Gala-Abend 2019

In einer Gesprächsrunde wurde die Zeitkapsel vorgestellt, mehr eine Alu-Kiste als eine Kapsel. Enthalten sind das Meilerkreuz, eine Ausgabe der Dorfzeitung sowie der Fragebogen zum Jubiläumsjahr. Die Kapsel wird demnächst in eine Nische in der Pfarrkirche eingemauert. Wer vorher noch Ideen für weiteren Inhalt hat, ist eingeladen, seinen Beitrag zu leisten. Es folgte das zünftige Interview von Dieter Hellekes mit den zwei Söhnen des Hofes Heer. Witzig und mit viel Esprit schilderten Magnus und Levin Heer ihr Leben in ihrem Heimatort und ihren Lieblingsplatz. In einer weiteren Gesprächsrunde wurde die Dorfchronik vorgestellt. Das Autorenteam besteht aus: Dorothea Sondermann, Helga Steinberg, Björn Bröcher, Manfred Nolting, Uli Rauchheld, Christof Schneider und Gregor Schnütgen.

Für ein Raunen im Saal sorgte die Vorstellung des neuen, 7-minütigen Films, der vom "Medienwerk Lennestadt" erstellt wurde. Vorgestellt wurden die Industriebetriebe, wunderbare Luftaufnahmen, die Krabbelgruppe und Interviews mit zahlreichen „Originalen“. Ebenso soll demnächst noch eine Dokumentation aus den Interviews entstehen.

Im "Zug der Zeit" stellten die Bewohner in sieben Sequenzen die Geschichte von 1019 bis 2019 nach. In teils historischen Kostümen konnte man hier bildhaft die Historie hautnah erleben. Schlussendlich kamen beim Finale alle Akteure noch mal zum Zuge. Nicht zuletzt auch das amtierende Königspaar, die Jungschützen sowie Vertreter aller Vereine und Gruppierungen im Jubiläumsort. 

Für die musikalische Unterhaltung sorgte der bestens aufgelegte Musikverein Bilstein. Auch die Chorgemeinschaft Veischedetal und der Singkreis Kirchveischede wirkten insbesondere beim Schlusspunkt mit. Martin Steinberg hatte für diesen Abend das Lied „Du bist das Dorf wo meine Wiege stand“ getextet. Ein Dudelsackspieler begleitete den Musikverein und die Stimmen entsprechend. Ein großartiger Abend ging viel zu schnell zu Ende – aber wie man die Veischeder kennt, gingen sie noch nicht nach Hause, sondern feierten noch bis in die frühen Morgenstunden.

Auch wenn es bereits am Samstagmorgen schon hieß: „Aufbauen“ der Attraktionen in der „Historischen Röthe“. Dieses Spektakel fand dann am Sonntag statt.

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