„Die Leichtigkeit ist weg“

Aus wegen Corona: Nach 53 Jahren schließt Edelgard Kruse (77) ihren Friseursalon

+
Nach insgesamt 53 Jahren als Friseurin schließt Edelgard Kruse (r.) coronabedingt ihren Salon. Gemeinsam mit ihrer Angestellten Jutta Grewe bedankt sie sich bei ihren Kunden für die jahrzehntelange Treue.

Bilstein – „Man hat sich auf jeden Kunden gefreut“, blickt Edelgard Kruse auf ihre Zeit als Friseurin in Bilstein zurück. Sie schwärmt: „Wir haben im Salon so gerne mit unseren Kunden geredet, haben uns Probleme angehört und Tipps in den verschiedensten Lebenlagen gegeben, dass wir unter normalen Voraussetungen auch weiter gemacht hätten. Aufgrund der zahlreichen neuen Auflagen ist dies für uns leider aber nicht mehr möglich.“

Angefangen hatte die 77-Jährige 1967 nach ihrer bestandenen Gesellenprüfung in Bilstein. Die gebürtige Finnentroperin kaufte einen Salon im Herzen des Ortes und startete mit fünf Angestellten in den neuen Lebensabschnitt. Sofort begann sie ebenfalls, Lehrlinge auszubilden. Nach 33 Jahren wollte sie dann aber „einen Schritt kürzer treten“, sodass sie ihrer Berufung ab 2000 in einem kleineren Laden neben ihrem Haus nachging. Gemeinsam mit ihrer Angestellten Jutta Grewe hatte sie dort nicht nur ein offenes Ohr für die neuesten Frisurentrends, sondern auch für die Sorgen und Probleme ihrer Kunden. 

„Wir haben die Arbeit nie als Arbeit gesehen. Wir waren einfach gerne für unsere Kunden da. Der Spaß und die Geselligkeit standen immer im Vordergrund“, erklären die beiden. Und so ist es auch logisch, dass der Laden immer an erster Stelle stand für Edelgard Kruse und Jutta Grewe. „Der Salon war unsere Kontinuität im Leben. Wenn es uns selbst mal schlecht ging, haben wir im Friseursalon unsere eigenen Probleme vergessen.“ 

Großer Dank an treuer Kunden

Daher betrübt es die beiden, dass sie sich nun nicht einmal persönlich von ihren Stammkunden verabschieden können: „Wir dachten nie ans Aufhören. Corona hat uns lahmgelegt. In meinem Alter muss ich nicht mehr mit Maske Haare schneiden. Die Leichtigkeit ist einfach weg. Es macht keinen Spaß, wenn man sich nicht mehr unterhalten kann. Das Zwischenmenschliche fehlt komplett. Außerdem ist es mit dem engen Kontakt auch zu gefährlich aktuell“, berichtet Edelgard Kruse. Gerne hätten die beiden noch ein paar Jahre weitergemacht, die Bestimmungen seien jedoch in ihrem kleinen Laden viel zu schwer umzusetzen. 

„Die meisten Kunden haben wir mit Umarmung begrüßt und verabschiedet. Es herrschte immer ein freundschaftlicher und herzlicher Umgang. Darauf wollen wir nur sehr ungern verzichten. Aber es gibt keine andere Möglichkeit“, schauen die beiden mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare